Die Handelskammer in Hamburg hat die ukrainische Flagge gehisst.
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paidKrieg und Sanktionen: Diese Auswirkungen drohen der Hamburger Wirtschaft

Während in der Ukraine Bomben fallen, ergreifen die westlichen Staaten zahlreiche Sanktionen gegen Russland. Dies hat auch unmittelbare Konsequenzen für die Wirtschaft in Hamburg – immerhin pflegen über 1000 Unternehmen geschäftliche Kontakte mit Russland. 

3,5 Milliarden Euro setzen Hamburgs Unternehmen jährlich mit Geschäften mit Russland um. Das war zwar vor der Annexion der Krim 2014 noch mehr. Aber noch heute ist das Land, das seit dem 24. Februar vor den Augen der Welt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, ein wichtiger Geschäftspartner für Hamburgs Wirtschaft.

„Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland weiteren schweren Schaden nimmt oder sogar erst einmal zum Erliegen kommt“, heißt es dazu aus der Wirtschaftsbehörde. Man beobachte die weitere Entwicklung genau. Verschiedenste Branchen werden nach Experteneinschätzung Konsequenzen zu spüren bekommen. 

Hamburg: Hafen dürfte Krieg zu spüren bekommen

Da ist zum einen natürlich der Hafen, der auf einen Containerverkehr von rund 300.000 bis 350.000 Standardcontainer (TEU) mit Russland kommt. Noch deutlich größer ist der Umschlag von Massengut wie Kohle und Holz. Aktuell gibt es den Angaben zufolge zehn Liniendienste zwischen dem Hamburger Hafen und Russland, sieben davon mit St. Petersburg, die anderen mit Kaliningrad, dem früheren Königsberg. Auch, wenn es derzeit noch keine offiziellen Informationen über Einschränkungen gibt, rechnen Experten mit großen Einschränkungen aufgrund der Sanktionen in naher Zukunft.  

„Das wird Auswirkungen haben”, sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann, am Montag – wie genau könne man aber „finalisiert noch nicht sagen“. „Wir müssen ehrlicherweise abwarten, welche Unternehmen betroffen sein werden.”

Hamburg: Airbus hat noch Flugzeugbestellungen offen

Mutmaßlich betroffen sein werden vor allem auch die Bereiche Luftfahrt, Mineralölerzeugnisse, Kupfer sowie Erdöl/-gas. So beobachtet man zum Beispiel bei Airbus derzeit die Lage ganz genau.

„Es ist verfrüht, sich im Detail zu den Auswirkungen von Sanktionen auf unsere Branche zu äußern“, heißt es zwar auf MOPO-Anfrage. Doch gibt es zum Beispiel von der russischen Fluggesellschaft Aeroflot 22 Bestellungen für den A350, von denen bislang acht ausgeliefert wurden.  

Hamburger Handelskammer erwartet Engpässe

Aus der Handelskammer wird darauf hingewiesen, dass der Teilausschluss Russlands vom internationalen Bankenkommunikationssystem Swift selbstverständlich auch Hamburger Unternehmen treffen werde, die dann nur noch eingeschränkt Finanztransaktionen mit russischen Lieferanten und Kunden tätigen könnten. Bereits jetzt meldeten Unternehmen, dass ihre Lieferketten unterbrochen seien.

Alles in einem werde sich dies mutmaßlich laut Handelskammer in der Verfügbarkeit und dem Preis von Waren neiderschlagen. Für genaue Prognosen, wo es zu Engpässen, Preissteigerungen oder gar Entlassungen kommen könnte, ist es derzeit aber noch zu früh. 

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Ein Konzern muss sich derweil ungeahnterweise wieder mit Altlasten beschäftigen. Vattenfall hat die Vorbereitungen für den Rückbau des Kohlekraftwerks Hamburg-Moorburg wegen des Ukraine-Konflikts vorerst gestoppt. „Vattenfall hat die Maßnahmen zur Vorbereitung des Rückbaus der Anlage bis Mitte März ausgesetzt, um die Situation zu bewerten und Optionen für ein Szenario offen zu halten, in dem die Gaslieferungen aus Russland nach Deutschland möglicherweise eingestellt werden”, sagte ein Vattenfall-Sprecher.