Fritz-Kola-Flaschen im Hamburger Hafen.
  • Fritz-Kola-Flaschen im Hamburger Hafen. Einen Notfallplan gibt es bereits.
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paidKohlensäure wird knapp – die Notfallpläne von „Fritz Kola“ & Co.

Hamburgs Getränke-Hersteller verzweifeln: Die Kohlensäure wird knapp! Durch die hohen Energiepreise ist in Deutschland nur ein Drittel der üblichen CO2-Menge verfügbar, das für Sprudel-Getränke gebraucht wird. Mineralwasser, Bier, Limonade und Co. – perlt es schon bald nicht mehr in der Hansestadt?

Bei „Fritz Kola“ ist die Situation angespannt. „Unser ganzes Sortiment besteht aus kohlesäurehaltigen Produkten“, sagt Winfried Rübesam (50), Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens. „Unsere Kunden feiern unsere Produkte unter anderem für den intensiven Geschmack, den auch die Kohlensäure mittransportiert.“ Und nun mangelt es ausgerechnet daran – die Kohlensäure wird knapp.

Die Getränkehersteller benötigen Kohlendioxid, um Kohlensäure herzustellen. Und das bekommen sie überwiegend aus der Düngemittel-Industrie. „Wenn ich Düngemittel herstelle, brauche ich dafür Ammoniak. Ein Nebenprodukt der Ammoniak-Herstellung ist das Kohlendioxid“, erklärt Maik Hünefeld (40), Sprecher des Verbands Deutscher Mineralbrunnen. „Wegen der gestiegenen Energiepreise wurde die Düngemittel-Produktion nun stark gedrosselt.“ Nur noch ein Drittel der üblichen Kohlendioxid-Liefermenge sei deshalb in Deutschland vorhanden. „Das ist eine völlig neue Situation für die Getränkebranche, das haben wir so noch nicht gehabt“, sagt Hünefeld zur MOPO.

Imago Fritz-Kola-Flaschen im Hamburger Hafen. Einen Notfallplan gibt es bereits.
Fritz-Kola-Flaschen im Hamburger Hafen.
Fritz-Kola-Flaschen im Hamburger Hafen. Einen Notfallplan gibt es bereits.

Kohlensäure wird knapp – „Fritz Kola“ hat Notfallplan

„Fritz Kola“ hat sich einen Notfallplan ausgedacht: „Wenn wir nicht mehr ausreichend mit CO2 beliefert werden, müssten wir priorisieren, welche Produkte wir in welchen Mengen herstellen“, sagt Winfried Rübesam. „Ob das auch unsere Lieferfähigkeit beeinträchtigen wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhersagen.“ Die Situation bleibe auch in den kommenden Monaten angespannt. „Es existieren schon erste Pilotprojekte, um CO2 aus anderen Quellen zu generieren, zum Beispiel aus Biogas oder aus der Luft.“

Ratsherrn Mariann von Redecker (45), Sprecherin der Ratsherrn-Brauerei
Mariann von Redecker (45), Sprecherin der Ratsherrn-Brauerei
Mariann von Redecker (45), Sprecherin der Ratsherrn-Brauerei

Die Hamburger Brauerei Ratsherrn hat jetzt schon das Sortiment verkleinert – von 13 auf 10 Bier-Sorten. So will das Unternehmen zumindest schon mal einen Vorrat an den beliebtesten Sorten aufbauen, falls es zum großen Knall kommt. „Die CO2-Knappheit ist im Süden und Osten Deutschlands größer als bei uns im Norden. Noch merken wir keine Engpässe. Aber wir haben natürlich ein Auge drauf und bereiten uns vor. Es ist ja gegebenenfalls nur eine Frage der Zeit“, sagt Sprecherin Mariann von Redecker (45). Zwar werde für das Brauen direkt kein CO2 benötigt. Die Kohlensäure im Bier entsteht beim Gärungsprozess selbst. „Es wird aber als Fördermittel zum Um- und Abfüllen des Bieres benötigt, damit der ursprüngliche Kohlensäure-Gehalt im Bier selbst bestehen bleibt“, so Redecker.

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Bei „Magnus Mineralbrunnen“ aus Norderstedt werden derzeit laut Medienberichten weniger Süß-Getränke hergestellt, damit zumindest die Mineralwasser-Versorgung sichergestellt ist. „Die Mineralwasser-Branche ist sehr besorgt. Wenn die Situation länger anhält und sich die aktuelle Mangelsituation zuspitzen sollte, kann das existenzbedrohende Dimensionen annehmen“, warnt Maik Hünefeld (40), Sprecher des Verbands Deutscher Mineralbrunnen. Auch mit Preissteigerungen müssten Kunden langfristig rechnen.

Oder wie Florian Wiesner (38) vom Limo-Hersteller „Lemonaid“ es formuliert: „Die gesamte Getränkeindustrie schielt derzeit auf die Politik. Unsere Zukunft hängt von den Energiepreis-Maßnahmen ab.“

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