Die Sonne geht hinter dem Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine auf. Drei deutsche Werke sollen bis Ende des Jahres stillgelegt werden.
  • Die Sonne geht hinter dem Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine auf. Drei deutsche Werke sollen bis Ende des Jahres stillgelegt werden.
  • Foto: picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte

Kohlekraftwerke im Norden: Arbeiter bangen um Jobs, staatliche Prämie für Milliardär

Niedersachsen –

Die Bundesnetzagentur hat entschieden, Ende des Jahres zwei weitere Kraftwerke im Zuge des Kohleausstiegs gegen eine Entschädigung endgültig stillzulegen. Die Entscheidung fiel auf zwei große Steinkohlekraftwerke in Wilhelmshaven und bei Peine in Niedersachsen sowie eine kleine Anlage in Sachsen-Anhalt.

Die Kraftwerke dürfen ab dem 8. Dezember keine Kohle mehr verfeuern, um Strom zu erzeugen. Wie hoch die Entschädigungen sind, teilte die Bundesnetzagentur nicht mit. Eine Sprecherin verwies auf die Wahrung der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Betreiber. Mitarbeiter bangen nun um ihre Arbeitsplätze.

Das Kraftwerk Wilhelmshaven wird vom Düsseldorfer Energiekonzern Uniper betrieben. Er wollte die 45 Jahre alte Anlage mit einer Leistung von 757 Megawatt nach seinen bisherigen Planungen spätestens Ende kommenden Jahres stilllegen. Bei der zweiten Großanlage handelt es sich um das 690-Megawatt-Kraftwerk Mehrum am Mittellandkanal, das zur Holding EPH des tschechischen Milliardärs Daniel Kretisky gehört.

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„Jetzt gilt es schnellstmöglich, den 80 direkt betroffenen Mitarbeitenden ebenso wie den Mitarbeitenden, deren Arbeitsplätze in zweiter Linie ebenfalls an das Kraftwerk geknüpft sind, eine Perspektive zu bieten“, sagte Wilhelmshavens Oberbürgermeister Carsten Feist. Dass das Kraftwerk schneller als ursprünglich geplant stillgelegt werden soll, zeige wie wichtig es ist, dass die Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Land unbedingt zeitnah verabschiedet werden müsse. „Denn nur dann können im Rahmen des Strukturanpassungsgesetzes regionale Projekte, mit deren Planung wir bereits intensiv beschäftigt sind, auch umgesetzt werden.“

Auch nach dem Ende der Kohleverstromung soll Wilhelmshaven ein „Energie-Hub“ bleiben, teilte Uniper mit. Es werden eine Wasserstoff-Infrastrukur gebaut und für die rund 80 Mitarbeiter ein Interessenausgleich vorbereitet. Ein Teil der Belegschaft solle auf die neuen Aktivitäten übergehen.

Stilllegung der Kohlekraftwerke: Nachfrage nach Prämien ist hoch

Die Nachfrage nach den Stilllegungsprämien sei höher als das Angebot gewesen, teilte die Netzagentur mit. In der ersten Auktionsrunde hatten Ende vergangenen Jahres elf Anlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 4800 Megawatt einen Zuschlag erhalten, darunter das Kraftwerk Moorburg in Hamburg.

Bei der ersten Auktion waren Stilllegungsprämien von 317 Millionen Euro vergeben worden. Insgesamt sind acht Auktionen mit sinkenden Entschädigungen geplant. Spätestens im Jahr 2038 soll in Deutschland die Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohle beendet sein. (dpa)

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