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Klinik-Skandal in Hamburg: Psychiatrie rappelvoll: Patientin (51) muss ins Gefängnis

Ochsenzoll –

Zu viele Patienten, zu wenige Betten: Die Abteilung für psychisch kranke Straftäter im Klinikum Nord in Ochsenzoll platzt aus allen Nähten. Eine psychisch kranke Frau musste jetzt sogar abgewiesen werden – und kam anstatt in Behandlung ins Gefängnis.

Wie NDR 90,3 berichtet, hatte die 51-Jährige, die unter Schizophrenie leidet, randaliert. Das Landgericht hatte ihre Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. Doch dann kam es anders.

Weil in Ochsenzoll kein Platz mehr war, kam sie vergangene Woche für vier Tage ins Untersuchungsgefängnis. Erst am Montag wurde ein Platz im Klinikum Nord wieder frei.

Kein Platz in Klinik Ochsenzoll – kurzfristige Erweiterung geplant

Doch wie es überhaupt zu einer solchen Panne kommen konnte, ist unklar. Denn das Problem mit der Überbelegung der Anstalt ist bereits lange bekannt. Laut NDR 90,3 warnen auch Fachleute seit einem Dreivierteljahr davor, dass Ochsenzoll ausgelastet sei.

Die 292 Plätze für untergebrachte schuldunfähige Straftäter sind voll belegt. Wie die Hamburger CDU-Fraktion mitteilt, habe die Partei mit mehreren Schriftlichen Kleinen Anfragen seit Langem auf die massiven Probleme in Hamburgs Maßregelvollzug aufmerksam gemacht. Geschehen sei allerdings seitdem nichts.

Erst jetzt will der Senat etwas unternehmen und weitere Plätze schaffen: „Aktuell wird an einer kurzfristigen Erweiterung im Laufe des 2. Quartals 2020 gearbeitet“, sagte Gesundheitsbehörden-Sprecher Dennis Krämer zur „Bild“. 

CDU: Maßregelvollzug braucht mehr Plätze und bessere Therapiekonzepte

„Späte Einsicht ist zwar besser als gar keine, doch nun ist es umso wichtiger, den Maßregelvollzug in Hamburg genauso wie die Situation der psychisch erkrankten Insassen in den Gefängnissen richtig anzugehen“, sagt Richard Seelmaecker, justizpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Neben mehr Plätzen benötigen wir in Ochsenzoll auch vernünftige Therapiekonzepte. Es darf nicht sein, dass die Patienten nur verwahrt werden, denn so stellen sie weiterhin eine große Gefahr für die Allgemeinheit dar.“ 

Und auch für die psychisch besonders auffälligen Gefangenen in Justizvollzugsanstalten müsse, so Seelmaecker weiter, eine spezielle Abteilung im Zentralkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt eingerichtet werden – zum Schutz der Bediensteten und zur besseren Resozialisierung der Täter. (mp)

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