Das Containerschiff „CSAV Tyndall“ im Auftrag von Hapag-Lloyd.
  • Das Containerschiff „CSAV Tyndall“ im Auftrag von Hapag-Lloyd.
  • Foto: HHLA/Dietmar Hasenpusch

Klimaziele der EU erreichen? Nicht mit den Reedereien

Die absehbar schärferen EU-Klimaziele stoßen in der deutschen Schifffahrtsindustrie auf große Skepsis. Nur in jedem dritten Schifffahrtsunternehmen werde das Ziel für erreichbar gehalten, die CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um mindestens 55 Prozent zu reduzieren.

„Als definitiv erreichbar schätzen es sogar nur einzelne Unternehmen ein“, geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor. „Die überwältigende Mehrheit der Reedereien hält dieses Ziel bis 2030 für nicht umsetzbar.“

Deutsche Reedereien bei EU-Klimazielen skeptisch

Knapp jede zweite Reederei gab demnach zu Protokoll, dass man im Unternehmen verbindliche Maßnahmen plane, um Schadstoffemissionen in den kommenden Jahren zu reduzieren, und in jeder dritten Reederei werden bereits Maßnahmen zur Emissionsreduktion umgesetzt. Die Maßnahmen sind überwiegend Folgen administrativer Vorgaben, wie zum Beispiel schwefelarme Kraftstoffe. Relativ häufig greifen Reedereien demnach auch bereits zu treibstoffsparenden Maßnahmen.

In der Minderheit sind indes die Unternehmen, die andere Treibstoffe als Schiffsdiesel nutzen, auch der Einbau von Landstromanschlüssen auf Schiffen ist nur bei einer Minderheit der befragten Unternehmen ein Thema. Generell stellen die Autoren der PwC-Studie fest, dass die größeren Reedereien mit mehr als 20 Schiffen in der Flotte „Vorreiter“ bei Umwelt- und Klimathemen sind.

Das könnte Sie auch interessieren: Elektro-Fähre fährt künftig über die Ostsee

Verwunderlich an der Umfrage ist, dass beim jüngsten Klimagipfel in Glasgow die Seeschifffahrt darauf gedrängt hatte, die Klimaschutzziele noch einmal deutlich zu verschärfen. Gerade die deutschen Reeder hatten die Initiative unterstützt. „Unsere Branche will bereits im Jahr 2050 klimaneutral sein“, sagte Alfred Hartmann, Präsident des Verbands Deutscher Reeder noch im Vorfeld des Klimagipfels Anfang November.


Mehr Samstag. Mehr Sonntag. Mehr MOPO!

Unsere extra-dicke MOPO AM WOCHENENDE hat es in sich: Auf 72 Seiten gibt’s aktuelle News, packende Reportagen, spannende Geschichten über Hamburgs unbekannte Orte und die bewegte Historie unserer Stadt, die besten Ausgehtipps für’s Wochenende, eine große Rätsel-Beilage und vieles mehr. Die MOPO AM WOCHENENDE: Jeden Samstag und Sonntag für Sie am Kiosk – oder ganz bequem im Abo unter MOPO.de/abo


Zu den hochgesteckten Zielen der Seeschifffahrt sagt Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verband Deutscher Reeder (VDR): „Klar ist: Den Reedereien stecken zehn Jahre Krise in den Knochen. Und sie stehen vor fundamentalen Herausforderungen, insbesondere beim Klimaschutz.“ Über die derzeitige bessere finanzielle Lage der Branche aufgrund einer hohen Nachfrage solle sich jetzt nicht zu früh gefreut werden, warnt er: „Jede Euphorie wäre verfrüht.“ Herausforderungen wie den Klimaschutz werden Reedereien angehen, „können das aber nicht allein“. (dpa/alu/se)

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp