Hamburgs Klimaplan wird derzeit überarbeitet: Zuvor sah dieser Klimaneutralität bis 2050 vor. (Symbolbild)
  • Hamburgs Klimaplan wird derzeit überarbeitet: Zuvor sah dieser Klimaneutralität bis 2050 vor. (Symbolbild)
  • Foto: IMAGO / Hanno Bode

„Klimaneutrale Industriestadt Europas“: Was ist Hamburgs Klimaplan?

„Ich möchte erreichen, dass Hamburg die erste große Industriestadt Europas wird, die klimaneutral ist.“ Dieses mehr als ambitionierte Ziel formulierte Bürgermeister Peter Tschentscher am Donnerstagabend beim „Hamburg Konvent“. Kopenhagen hat dies bereits für 2025 geplant – wie realistisch ist das für die Hansestadt?

Die Veranstaltung in der Factory Hammerbroklyn war der Abschluss eines Prozesses, an dem sich mehr als 1000 Menschen beteiligt haben. Gespräche und Workshops mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Stadtentwicklung sollten vor allem die Zivilgesellschaft in Hamburg dazu bringen, über die Zukunft der Stadt zu debattieren.

Hamburg: Wie lautet der Klimaplan der Hansestadt?

Tschentscher, der gerade bei den Ampel-Koalitions-Verhandlungen in Berlin weilt, war per Video zugeschaltet. Er betonte, dass die Stadt sich verändern müsse, um attraktiv zu bleiben. Dann die ambitionierte Aussage: „Ich möchte erreichen, dass Hamburg die erste große Industriestadt Europas wird, die klimaneutral ist.“

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Skeptische Reaktionen angesichts dieser Aussage folgten prompt. So schrieb beispielsweise Nikolas Hill (CDU), Initiator der Veranstaltung und Ex-Kultur- und Justizstaatsrat, auf Facebook: „Kopenhagen will dieses Ziel bereits im Jahr 2025 erreichen. Bleibt nicht mehr viel Zeit…“

Wie sieht also Hamburgs Plan konkret aus? Das bleibt vorerst noch unklar. Auch Senatssprecher Marcel Schweitzer antwortete auf MOPO-Nachfrage eher ausweichend. „Der Erste Bürgermeister hat in der Vergangenheit immer wieder öffentlich gesagt, dass Hamburg so schnell wie möglich klimaneutral werden soll und deshalb seinen Klimaplan nicht nur umsetzt, sondern ihn auch kontinuierlich fortschreibt mit Maßnahmen, die jeweils dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.“ Die Aussage von Tschentscher sei keine neue Stellungnahme.


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2019 beschloss der Senat Klimaneutralität für Hamburg bis 2050, bereits 2030 sollte der CO2-Ausstoß um 55 Prozent sinken. SPD und Grüne wollen diese Klimaziele jetzt aber deutlich verschärfen. Man sei übereingekommen, die gemeinsamen Anstrengungen im Klimaschutz „noch weiter zu verstärken“, sagte Julia Offen, stellvertretende Senatssprecherin, vor ein paar Wochen auf der Landespressekonferenz.

CO2-neutral: So will es Kopenhagen schaffen

2030 sollen demnach bereits 65 Prozent der Treibhausgasemissionen eingespart werden – konkreteres zur Klimaneutralität gab es allerdings auch hier noch nicht. Zuvor hatte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) im August das Jahr 2040 als mögliches neues Ziel genannt.

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Mit der dänischen Hauptstadt mitzuhalten, erscheint derzeit allerdings unrealistisch. Kopenhagen hatte bereits 2009 verkündet, bis 2025 klimaneutral sein zu wollen und seitdem seine Stadtplanung konsequent darauf ausgerichtet. Das betrifft vor allem die Bereiche Stromerzeugung, Wärmeversorgung und Mobilität – in kaum einer anderen Großstadt liegt der Fokus derart auf dem ÖPNV und dem Fahrrad.

Bleibt abzuwarten, was die Lenkungsgruppe Klimaplan, die zurzeit konkrete Maßnahmen erarbeitet, für Hamburg plant – und vor allem: In welchem zeitlichen Rahmen.

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