Seit Wochen hat der Tierpark Hagenbeck wegen der Corona-Pandemie geschlossen – doch hinter den Türen die Fetzen. Inzwischen kündigte der Geschäftsführer Dirk Albrecht 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
  • Seit Wochen hat der Tierpark Hagenbeck wegen der Corona-Pandemie geschlossen – doch hinter den Türen die Fetzen. Inzwischen kündigte der Geschäftsführer Dirk Albrecht 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
  • Foto: imago images/Chris Emil Janßen

„Keine Grundlage für Zusammenarbeit!“ : Corona-bedingt? Kündigungswelle bei Hagenbeck

Stellingen –

Schon lange ist der anhaltende Familienstreit der Hagenbecks in aller Munde der Hamburger. Dirk Albrecht sollte als neuer Geschäftsführer eigentlich Ruhe in den Tierpark bringen – stattdessen löst der nun einen weiteren Konflikt los. Streit, Kosten-Nebel und zahlreiche Kündigungen begründet der ohnehin umstrittene Tierpark-Chef mit der Corona-Krise.

Dass es im Tierpark Hagenbeck einen Alleinherrscher gibt ist Premiere – und eigentlich sollte der Geschäftsführer Dirk Albrecht auch Premiere in Sachen Hagenbeck-Familie machen. Doch statt der anhaltenden Fehde der beiden Familienstämme ein Ende zu bereiten zettelt Albrecht nun neuen Streit an. Mitarbeiter und Gewerkschaft geraten mit ihm aneinander.

Streit im Tierpark: Angst, Druck und Kündigungen

Ende Dezember letzten Jahres verschickte die für den Tierpark zuständige Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt aufgrund der vielen Konflikte einen Brief an die beiden Gesellschafter des Parks – Claus Hagenbeck und sein angeheirateter Neffe Joachim Weinling-Hagenbeck erhielten das Papier, in dem Dirk Johne, Stellvertretender Regionalleiter der Gewerkschaft die missliche Lage schildert. In dem der MOPO vorliegenden Brandbrief spricht Johne von „unwürdigendem Verhalten“ und „massivem Druck“ auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tierparks.

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Im Gespräch mit der MOPO erinnert sich Johne an den Beginn des Dramas – mit dem erneuten Lockdown sei auch das Unternehmen wieder Bredouille geraten. Wie bereits im Frühjahr wurde den Mitarbeitenden des Tierparks wieder eine Kurzarbeiterregelung vorgeschlagen – diese Mal jedoch ohne die hundertprozentige Aufstockungsmöglichkeit, die es beim letzten Lockdown noch gab. Die Gewerkschaft habe deshalb insgesamt vier Punkte in der Regelung bemängelt, wollte mit Albrecht verhandeln.

Kosten-Nebel: Wohin gehen die Gelder?

„Die Gewerkschaft schlug daraufhin einen Termin am 21. Oder 22. Dezember vor“, erklärt Johne. Es habe außerdem noch mehr Fragen gegeben – es sei für Mitarbeitende und Gewerkschaft undurchsichtig gewesen, wohin die Kosten fließen, warum eine Aufstockung nicht mehr möglich sei und welche Hilfen beantragt wurden. „Man muss doch den geringverdienenden Mitarbeitern, denen ins Portemonnaie gegriffen wird, erklären, wo das ganze Geld hingeht“, empört sich der stellvertretende Gewerkschafts-Leiter.

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Schließlich verfüge die Stiftung des Tierparks über 40.000 Euro, die durch den Familien-Streit der Hagenbecks jedoch noch immer nicht für die beispielsweise notwendigen Sanierungsarbeiten im Tierpark genutzt werden. Der Geschäftsführer Dirk Albrecht zeigte sich jedoch nicht bereit für Verhandlungen über die Kurzarbeiterregelung – die Fragen bezüglich der wirtschaftlichen Situation wollte er ebenfalls nicht beantworten und habe die Beteiligung der Gewerkschaft an dem Konflikt abgelehnt.

Kurz vor Weihnachten: Neun Mitarbeiter gekündigt

Als die Mitarbeitervertreter aber auf das Mitwirken der Gewerkschaft bestehen, folgt kurz vor Weihnachten dann der Schock für neun der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Parks – am Samstag, den 19. Dezember, wurde ihnen per Telefon die Kündigung ausgesprochen.

Fassungslos über dieses „Klima der Angst“, wie Johne es in dem Brandbrief an die Gesellschafter später beschreibt, treffen sich Betriebsrat und Gewerkschaft am 21. Dezember im Tierpark, um über die Kurzarbeiterregelung und das weitere Vorgehen zu beraten. Auch der Rechtsanwalt des Betriebsrates sei bei der Sitzung anwesend gewesen. Die dramatische Situation sollte hier eigentlich gelöst werden.

Grundstücks-Verweis für Gewerkschaft

Doch als Albrecht zu der Besprechung hinzustößt, weigert er sich, mit der Gewerkschaft zu sprechen und will Johne vom Grundstück verweisen. „Der Betriebsrat erklärte die Verhandlungen dann als gescheitert und beschloss eine Begehung des Tierparks“, so Johne. Schließlich dürfe der Betriebsrat die Gewerkschaft einladen und Albrecht habe in diesem Fall nicht das Hausrecht.

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Das gefiel dem Geschäftsführer nicht – unter dem Vorwand, dass eine Begehung unter den aktuellen Corona-Umständen nicht zulässig sei, die Polizei. Nachdem Betriebsrat und Gewerkschaftsvorsitzende das Grundstück verlassen hatten, sei dann der nächste Schock gefolgt – die begleitenden Betriebsräte bekamen allesamt eine Abmahnung von Albrecht, der Vorsitzende Thomas Günther wird bis zum 10. Januar freigestellt. Anschließend solle er ebenfalls gekündigt werden.

Gewerkschafter: Es muss eine Veränderung her!

Diese Kündigungs-Kultur empört Dirk Johne, in seinem Brief an die Gesellschafter fordert er daher zum Handeln auf. Doch auch bei den Hagenbecks persönlich trifft der Gewerkschafter auf taube Ohren – bloß „Patriarch Claus Hagenbeck“ antwortet ihm. „Der meinte, meine Schilderung wäre Hörensagen, ich sei nicht dabei gewesen – aber das stimmt ja gar nicht!“, so Johne. Gegenüber der MOPO will sich die Geschäftsführung des Tierparks nicht zu den Vorfällen äußern.

Derweil eskaliere die Situation jedoch immer weiter: Der Betriebsrat sei inzwischen aufgefordert worden, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben, andernfalls müsse der Rat mit Konsequenzen rechnen. Doch das will Dirk Johne verhindern – „Es stehen jetzt viele juristische Verfahren an, auch Politik und Öffentlichkeit machen wir nun aufmerksam“. Der Gewerkschafter wünsche sich mehr Einigung: „Wir wollen, dass das Unternehmen wieder vernünftig arbeiten kann“. Das Klima im Tierpark sei so nicht mehr tragbar, kritisiert Johne. „Dieser Druck und der Umgang mit den Mitarbeitern ist keine Grundlage für eine vernünftige Zusammenarbeit!“

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