Der Stumpf einer gefällten Kastanie in Hamburg.
  • Der Stumpf einer gefällten Kastanie in Hamburg.
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Kaum Hoffnung: Darum sind Hamburgs Kastanien vom Aussterben bedroht

Bergedorf –

Baum reihte sich an Baum: Die Ernst-Henning-Straße in Bergedorf war mal eine schmucke Kastanienallee. Doch wer jetzt durch die Straße fährt, erblickt nur kümmerliche Neupflanzungen. 32 Rotblühende Rosskastanien waren von einem fiesen Bakterium befallen und mussten gefällt werden. Leider kein Einzelfall.

Pseudomonas syringae aesculi – das ist der Name des Bakteriums. Es wurde nach dem Jahr 2000 aus Indien eingeschleppt. Auch die in der Straße verbliebenen 13 Kastanien sind vermutlich befallen. Neun davon zeigen bereits Symptome des Befalls.

Das Bakterium dringt durch natürliche Öffnungen der Bäume, aber auch durch von Menschen verursachte Schäden in die Kastanien ein und sorgt so für das Absterben der Rinde. So haben weitere Krankheitserreger leichtes Spiel. Es kommt zu einer Komplexerkrankung des Baumes, bei der holzzersetzende Pilze wie der Rötende Runzel-Schichtpilz Weißfäule hervorrufen.

Hamburg: Kranke Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt

Die wiederum führt bei den Kastanien zu einer erhöhten Bruchgefahr. Aus Sicherheitsgründen müssen die Straßenbäume dann gefällt werden. Als Ersatz sind in der Ernst-Henning-Straße 27 Amerikanische Gleditschien gepflanzt worden. Doch ehe diese die Größe der gefällten Kastanien erreichen, dauert es sicher Jahrzehnte.

Kastaniensterben Stumpf

Die erkrankten Kastanien sind nicht zu retten und müssen gefällt werden.

Foto:

Quandt

Die Ernst-Henning-Straße ist nicht der einzige „Hotspot“. Auch an der Justus-Brinckmann-Straße (Bergedorf), dem Haffkruger Weg (Rahlstedt), der Jürgensallee (Nienstedten) oder der Großen Holl (Billstedt) sieht es ganz bitter aus für die Kastanien.

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Die Bakterien werden über Wind, Luftfeuchtigkeit, Nebel und Regen verbreitet. Setzt sich das Bakterium in einer Straße fest, kann es innerhalb weniger Jahre zu einer Infektion von 70 Prozent der Kastanien kommen. Manche Bäume sterben innerhalb weniger Jahre, andere quälen sich lange herum. Ein Gegenmittel gegen die relativ neue Baumkrankheit gibt es nicht.

Kastaniensterben Bergedorf

Ziemlich kahl: die Ernst-Henning-Straße mit den kümmerlichen Nachpflanzungen

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Quandt

8300 Kastanien gibt es noch in Hamburg

Derzeit stehen in Hamburg 8300 Kastanien. Etwa 150 müssen jedes Jahr gefällt werden. Neue Kastanien werden nicht mehr gepflanzt. Die Überlebenschancen sind zu gering.

Rechnerisch würde es so im Jahr 2077 keine Kastanien mehr geben. Einziger Hoffnungsschimmer: Einzelne Bäume zeigen keine Symptome und scheinen immun zu sein gegen das Bakterium.

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