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Kaufhäuser machen dicht: Stirbt jetzt Hamburgs City? Das sagen Innenstadt-Profis

Kaufhof und Karstadt Sports machen dicht, der Jungfernstieg wird verkehrsberuhigt – die Hamburger City ist im Wandel. Brigitte Engler ist seit 2006 Geschäftsführerin von „City Management Hamburg“, ein Zusammenschluss von verschiedenen Unternehmen und Akteuren in der City. Im Interview erklärt sie, wie sich unsere Innenstadt verändern wird. 

MOPO: Frau Engler, große Kaufhäuser schließen. Stirbt jetzt Hamburgs City? 

Brigitte Engler: Dass die großen Kaufhäuser jetzt schließen ist tragisch für jeden einzelnen Mitarbeiter, der seinen Arbeitsplatz verloren hat. Und die Zeit, bis wir neue Nutzungen für die Gebäude haben, wird auch eine Herausforderung für das Umfeld sein. Insgesamt wird sich die Innenstadt verändern, denn nicht in jede freie Fläche wird wieder Einzelhandel einziehen. Die Nutzungen werden vielfältiger.

Corona wird unsere City also nachhaltig verändern?

Corona war und ist eine dramatische Situation und wir werden weitere Insolvenzen beklagen müssen. In einem Veränderungsprozess hat sich der stationäre Einzelhandel aber schon vorher befunden. In den vergangenen 15 Jahren haben Grundeigentümer fast 100 Millionen Euro in die Aufwertung des Stadtbilds investiert. Beim Passagenviertel oder im Neuen Wall, zum Beispiel. Wir stehen also gut da und müssen nicht ängstlich sein.  

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Was macht Ihnen Mut?

Dass internationale Unternehmen an Deutschland und Hamburg glauben. „Dyson“ hat einen Showroom aufgemacht, „Uniqlo“ hat geöffnet. Auch das Möbelhaus „Hardeck“ wird eröffnen. Es gibt auch positive Nachrichten. 

Aber die klassische Einkaufsmeile hat ausgedient.

Das Angebot ist ein Spiegelbild der Kundenwünsche. Viele Besucher möchten ein „Einkaufserlebnis“. Dazu gehört zum Beispiel eine große Auswahl an Bekleidung, aber auch die Möglichkeit eine gemütliche Pause einzulegen oder den Abend mit einem Essen ausklingen zu lassen. Künftig wird es mehr Kultur, mehr Kunst, Gastronomie und Wohnen in der Innenstadt geben.

Galeria Kaufhof

Galeria Kaufhof an der Mö hat bereits geschlossen.

Foto:

dpa

Mehr Wohnen in der City?

Ja, überall dort, wo es möglich ist. Das Galeria-Kaufhof-Haus wird man in dieser Form nicht in Wohnraum umwidmen können, weil man im Inneren Räume ohne Fenster hätte. Aber dort, wo neue Projekte entwickelt werden, entsteht auch Wohnraum. Am Klosterwall und am Großen Burstah, zum Beispiel. Einzelhandel und Gastronomie werden aber weiterhin überwiegen, und das wird auch funktionieren.

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Was macht eine gute Innenstadt denn aus?

Ich bin der Ansicht, dass eine gute Innenstadt in der Zukunft noch mehr ein Ort für Kommunikation und Begegnung werden muss. Es gibt keinen anderen Bezirk in Hamburg, wo so viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen: Durchreisende, Arbeitnehmer, Touristen, aber auch Menschen, die im öffentlichen Straßenraum leben. Die Innenstadt ist für mich deshalb auch ein Ort des sozialen Miteinanders. Darauf müssen wir sie weiter ausrichten. 

Brigitte Engler

Brigitte Engler hat eine Vision für die Hamburger City.

Foto:

dpa

Und wie soll das funktionieren?

Durch Events, wie Ausstellungen im öffentlichen Raum, kleine Vorführungen oder Speakers‘ Corner. Das Binnenalster-Filmfest war eine gute Möglichkeit, bei der sich viele Hamburger treffen konnten.

Und durch Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität. Ich wünsche mir zum Beispiel einen schönen Ort mit einem Brunnen, an dem ich mich abends treffen möchte, oder mit einem atmosphärischen Lichtspiel. Die Innenstadt ist durch die vielen Orte am Wasser gut aufgestellt, meiner Ansicht nach brauchen wir aber auch mehr Grün. Und wir wollen mehr Raum für Fußgänger. Ich möchte aber, dass die Innenstadt gleichzeitig für Besucher aus der Metropolregion noch mit dem Auto erreichbar bleibt und sie in Parkhäuser geleitet werden.

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Das klingt alles toll, aber ist das auch umsetzbar?

In diesem Jahr wurde sehr viel angeschoben, insbesondere was die Verkehrsführung angeht. Diesen Prozess gilt es weiterzuführen. Wir müssen auch Grundeigentümer mit ins Boot holen und es muss Geld da sein, um die Investitionen umzusetzen. Das wird jetzt wegen Corona sicherlich an der einen oder anderen Stelle erschwert werden.

Und wie lange dauert das noch? 

Der Prozess wird nie komplett abgeschlossen sein, aber ich denke an einen Zeitraum von zehn Jahren.

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