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Katastrophe für Hamburgs Lachse: Vorzeigeprojekt Fischtreppe in der Elbe ist kaputt

Geesthacht –

Sie gehört zu den größten Fischtreppen Europas, hat 30 Millionen Euro verschlungen. Doch jetzt ist das große Bauwerk in der Elbe bei Geesthacht seit einem halben Jahr nicht mehr richtig im Betrieb! Eine Katastrophe für Elbfische, die am Wehr Geesthacht auf ein unüberwindliches Hindernis stoßen. Etliche Projekte zur Wiederansiedlung von bedrohten Fischarten wie dem Stör in der Elbe stehen vor dem Aus.

Die Erfolgsmeldungen überschlugen sich jahrelang: Die Fischtreppe, die der Energie-Riese Vattenfall im Jahr 2010 als Ausgleichsmaßnahme für das Kraftwerk in Moorburg bauen musste, zeigte beste Ergebnisse. Mehr als zwei Millionen Fische und 50 verschiedene Arten konnten mit Hilfe der Aufstiegshilfe zum Laichen elbaufwärts schwimmen. Die Fischbestände erholen sich. Doch jetzt könnte alles bisher Erreichte dahin sein.

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Die Umweltverbände sprechen jetzt von einer „fatalen Situation“. „Die ganzen ehrgeizigen Wiederansiedlungs-Projekte in der Elbe und ihren Nebenflüssen sind gefährdet“, heißt es in einem Appell der großen Verbände BUND, DNR, NABU, WWF und Grüne Liga. Projekte für Fische auf der Roten Liste, die viel Geld und Zeit gekostet haben, drohen jetzt komplett zu scheitern.

Darunter auch die geplante Wiederansiedlung von Lachsen, Meeresforellen und vor allem auch des europäischen Störs. Für eine Forschungs- und Zuchteinrichtung zu dem fast ausgestorbenen Fisch hat der Bund Fördergelder in Höhe von knapp sieben Millionen Euro zugesagt. Sie soll direkt neben der Fischtreppe gebaut werden.

Fischtreppe an Südseite der Elbe komplett zugeschüttet

Die Fischtreppe von Vattenfall im Detail.

Die Fischtreppe bei Geesthacht ermöglicht Fischen, flussaufwärts zu schwimmen, ohne sie einer zu großen Gegenströmung auszusetzen.

Foto:

picture alliance

Das Problem: Am Stauwehr in Geesthacht war im September 2019 festgestellt worden, dass Teile des Damms von der Strömung angegriffen wurden. An einer Stelle war eine Spundwand stark weggedrückt worden. In einer regelrechten Nacht- und Nebelaktion schüttete das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt daraufhin die kleine Fischtreppe am Südufer der Elbe zu. Angeblich war sie die Ursache für die Schäden. Damit ist die Aufstiegshilfe für kleine Fische komplett hinüber. Die zuständigen Umweltbehörden wurden in die fatale Entscheidung nicht einbezogen.

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Der Ausgang der Fischtreppe an der Südseite der Elbe wurde komplett zugeschüttet.

Foto:

Bettina Blumenthal

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Zudem wurden Rinnen, die den großen Fischen den Weg zur Vattenfall-Fischtreppe am Nordufer weisen, ebenfalls betoniert. Auch sie sollen für Schäden am Wehr verantwortlich sein. Die Folge: Kein Fisch kann die südliche Fischtreppe mehr passieren und auf der Nordseite der Elbe finden nur noch wenige Fische den Weg in die Aufstiegsanlage von Vattenfall. Genaue Zahlen über den Umfang der Schäden für die Fischwelt gibt es leider nicht, weil Vattenfall seit 2018 keine Zählungen mehr durchführt.

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Ab hier kommen die Fische nicht weiter: Der Eingang zur Fischtreppe am Südufer.

Foto:

Bettina Blumenthal

Hamburger Umweltbehörde besorgt über Fischtreppe

Auch die Hamburger Umweltbehörde ist besorgt. Jan Dube: „Die Einschränkung an der Fischtreppe gefährdet den Erfolg vieler Projekte für die Fischpopulation in der Elbe und ihren Nebenflüssen. Wandernde Fische können das Hindernis in Geesthacht deutlich schwerer überwinden, je länger die Anlage blockiert oder eingeschränkt ist.“

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„90 Prozent der wandernden Fische können nicht mehr aufsteigen“, sagt Klaus Baumgardt von „Rettet die Elbe“. Er glaubt nicht, dass die Anlagen für die Fische Schuld an dem Problemen am Wehr Geesthacht sind. Vielmehr reiße der ständig zunehmende Tidehub am Bauwerk. Er bewertet die eingeleiteten Maßnahmen als überzogen und fordert, dass sofort alles mögliche getan wird, damit die Fische wieder das Wehr passieren können.

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Die sogenannte „Lockströmung“, die den großen Fischen den Weg zur Fischtreppe am Nordufer weisen, wurde betoniert.

Foto:

Bettina Blumenthal

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Doch die Entscheidung liegt leider weder bei den Umweltbehörden der Nordländer noch bei Vattenfall. Das Zepter in der Hand hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt des Bundes, das sich mit Vattenfall abstimmen muss. Die für das Wehr zuständige Unterbehörde sitzt in Lauenburg und sie sieht zunächst einmal die Belange ihres Stauwehrs. Die Fischtreppen und Umweltbelange sind nachrangig.

Briefe der Staatsräte der Umweltbehörden haben bisher nichts genützt. Auch ein Appell der Umweltverbände hat dort bisher wenig Erfolg gezeigt. Jan Dube von der Umweltbehörde sagt: „Hamburg hat sich schon mehrfach auf Bundesebene und auf der Umweltministerkonferenz für eine schnelle Lösung eingesetzt. Bislang leider ohne Erfolg.“

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