Kahlschlag in Wandsbek
  • Trauriger Anblick: Baumstümpfe stehen dort, wo letzte Woche noch prächtige Straßenbäume waren.
  • Foto: Patrick Sun

Kahlschlag für Radweg: Fast 140 Bäume müssen weichen

Die Säge kreist, die Späne fliegen: In Wandsbek wird seit Montag kräftig abgeholzt. 139 Bäume an der Haldesdorfer Straße werden gefällt. Grund: Hier entsteht ein neuer Radweg.

Traurige Stümpfe stehen dort, wo noch vor einer Woche prächtige Laubbäume standen. Buchen, Kastanien, Erlen, Eichen, Ahorn, Baumhasel und Mehlbeere – manche von ihnen wurden gepflanzt, als Willy Brandt noch Bundeskanzler war und Herbert Weichmann Bürgermeister. Ihre grünen Kronen waren jetzt gerade dabei, sich in ein herbstliches Gelb zu verwandeln. Den Winter werden sie nicht mehr erleben.

Für einen Radweg: In Wandsbek werden 139 Bäume gefällt

Hintergrund des Kahlschlags ist die geplante Anlegung eines Radwegs an der Haldesdorfer Straße zwischen Werner-Otto-Straße und Steilshooper Allee. An den Knotenpunkten Hegholt und Barmwisch werden zudem neue Abbiegespuren zur besseren Übersichtlichkeit und damit Sicherheit der Radfahrer gebaut.


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Anwohner, für die Bäume seit Jahrzehnten Freund und Nachbar waren, beobachten den Kahlschlag kritisch. Und auch unter Naturschützern ist das Projekt umstritten. Denn: Von den 139 Bäumen werden lediglich 113 nachgepflanzt. Und das, obwohl in Hamburg bei Fällungen ein 1:1-Ersatz Gesetz ist!

Hamburg: Nachpflanzungen erst Ende nächsten Jahres

Die CDU hatte im Zusammenhang mit einer Senatsanfrage im Juli kritisiert, dass vor allem im Bezirk Wandsbek die Diskrepanz zwischen Baumfällungen und Nachpflanzungen besonders hoch ist. Dort waren im Jahr 2020 insgesamt 609 Bäume gefällt und nur 375 nachgepflanzt worden. Der Senat hatte das allerdings mit einem Zeitverzug erklärt: „Eine unmittelbare Nachpflanzung im Jahr der Fällung ist nicht immer möglich und von verschiedenen Rahmenbedingungen abhängig, insbesondere auch von der tatsächlichen Verfügbarkeit geeigneter Ersatzstandorte.“

Ähnlich scheint es an der Haldesdorfer Straße zu sein: Laut Bezirksamt werden die Nachpflanzungen frühestens Ende 2022 vorgenommen. Erst müssen die Straßenbaumaßnahmen, die am 1. November beginnen, abgeschlossen sein.

Weniger Nachpflanzungen, aber mehr Platz für neue Bäume

Weshalb die Bäume nicht 1:1 ersetzt werden, erklärt das Bezirksamt so: „In der Haldesdorfer Straße sind die Baumscheiben häufig mit mehreren Bäumen bepflanzt. Bei der Neupflanzung werden die Baumstandorte mit Einzelbäumen bepflanzt, um eine bessere Entwicklung der Bäume zu ermöglichen“, so eine Sprecherin.

Ein Fachmann eines großen Hamburger Baumpflege-Betriebs erklärt, dass das 1:1-Prinzip nicht immer unbedingt Sinn macht. „Oft steht ein Baum dicht gedrängt neben anderen, die sich aus Sämlingen entwickelt haben, die nie gepflegt wurden, aber in die Baumbilanz einfließen.“ Wegen der Enge würden sich die Bäume dann oft Konkurrenz machen und nicht ordentlich wachsen. „Grundsätzlich ist es gut, wenn ein Baum ausreichend Platz hat.“ Je größer er wird und so voller die Krone, desto besser der CO₂-Ausgleich.

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Wichtig ist es laut dem Experten vor allem, dass bei der Nachpflanzung auf die Baumart geachtet wird: „Wo ein großkroniger Baum stand, sollte auch wieder ein großkroniger nachgepflanzt werden.“ Ob das der Fall ist, steht aber noch in den Sternen. Die Bezirksamtssprecherin: „Welche Baumarten gepflanzt werden, wurde noch nicht entschieden.“

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