Die Tablet-Nutzung gehört im Kindergarten „Hamburger Meile“ schon längst zum Alltag.
  • Die Tablet-Nutzung gehört im Kindergarten „Hamburger Meile“ schon längst zum Alltag.
  • Foto: FRÖBEL e.V.

Irrsinn oder Fortschritt? In Hamburger Kita lernen Kinder das Programmieren

Der Fröbel-Kindergarten Hamburger Meile (Barmbek-Süd) ist im digitalen Zeitalter angekommen: Ein Roboter lehrt die Kinder bereits das Programmieren. Sind diese Fähigkeiten nun wirklich sinnvoll für die Kinder oder geht die Kita in puncto Digitalisierung einfach einen Schritt zu weit?

Der Alltag der Kindertagesstätte scheint sich nicht allzu sehr von anderen Kitas zu unterscheiden: „Tablets und andere Geräte haben bei uns keinen Sonderstatus. Ihr Einzug hat den pädagogischen Alltag nicht grundlegend verändert“, sagt Leiter Marcel Kock. Doch worin liegt dann die Motivation für den Einsatz der digitalen Helfer?

Medienkompetenz der Kinder an Kita „Hamburger Meile“: „Vorbildlich“

Die technische Ausstattung des Kindergartens ist genauso vielfältig wie ihre Einsatzmöglichkeiten: „Kinder können bei Kita-Ausflügen mit einer Endoskopkamera Astlöcher oder die Unterwasserwelt im Stadtparksee erkunden”, erklärt der Leiter der Kita. „Mit dem Tablet drehen wir Stop-Motion-Filme zu Themen, mit denen wir uns gerade beschäftigen, und die, Bee-Bots‘ setzen wir – neben unseren echten Bienen auf dem Dach – im Bienenprojekt ein.“

Die sogenannten Bee-Bots sind kleine Roboter in Form einer Biene, die sich auf Rädern fortbewegen können. Auf ihrem Rücken tragen die kleine Bienen verschiedene Tasten, anhand denen die Kinder die Bewegungsrichtung einprogrammieren können.

Digitale Medien: Hamburger Kita setzt auf Eigenverantwortung

Der mediale Umgang wird durch „Tablet-Regeln” unterstützt, an die sich die Kinder vorbildlich halten – „denn es sind ja ihre Regeln”, so Kock. Schnell wird klar: Die Kita setzt auf Eigenverantwortung als wichtige Medienkompetenz der Kinder. Zudem werden „die Geräte niemals passiv-konsumierend eingesetzt, sondern immer aktiv, so dass die Kinder kreativ damit arbeiten“, sagt Kock.

Plakat mit Regeln zur Tablet-Nutzung
Die Tablet-Regeln halten die Kinder vorbildlich und eigenverantwortlich ein.

Besonders spannend ist das Lernen von Programmiersprache. Die Kinder können mit den sogenannten Bee-Bots eine „Bewegungskombination“ vorgeben, welche das Fortbewegen des kleinen Bienenroboters bestimmt. Die Biene muss dabei einem bestimmten Pfad folgen.

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„Eigentlich dasselbe Prinzip, das bei der Steuerung des Mars-Rovers angewandt wird: den Weg überlegen, Eingabe, losfahren!“, erklärt Kock. Das ist gerade so kniffelig, da sich die Kinder vorher genau überlegen müssen, mit welcher eingegebenen Bewegungskombination die kleine Biene sicher an ihr Ziel gelangt. „Das fördert vorausschauendes Denken, erste Programmiererfahrungen und räumliches Verständnis“, sagt Kock.

Kinder spielen an einem Tablet
Nach einiger Zeit am Tablet sehnen sich die Kinder dann doch nach mehr Bewegung.

Hamburger Kita lässt Kinder Roboter programmieren

Auf die Frage, ob es nun wirklich sinnvoll ist, Kinder so früh diese digitalen Fähigkeiten nahezubringen, antwortet Kock: „Kinder wachsen in eine Welt voller Medien hinein. Im Team waren wir uns einig, dass wir Kindern einen konstruktiven, kreativen und auch kritischen Umgang mit Medien zeigen wollen, um als selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Mitglied an einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft teilhaben zu können.“

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Auf gewisse Berührungsängste stößt die digitale Teilhabe dennoch. Allerdings habe die Hamburger Kita die Eltern früh in ihre Arbeit integriert, so dass die anfangs noch spürbaren Berührungsängste und Bedenken schnell abgebaut werden konnten.

Kita Hamburger Meile: Digitale Medien nicht mehr wegzudenken

„Nicht zuletzt in der Corona-Zeit konnten wir beobachten, dass manche Familien Schwierigkeiten im Umgang mit digitalen Medien hatten – selbst per Mail versandte Bastelvorlagen oder Spielanregungen konnten manche schlecht abrufen”, so Kock.

Kind mit Tablet
Beim Dreh von Stop-Motion-Filmen können die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Und wie geht es weiter? Kock ist sich sicher – die digitalen Helferchen sind aus dem Kita-Alltag nicht mehr wegzudenken: „Es spart Aufwand und Zeit, die den Kindern am Ende zugutekommt”, so der Kita-Leiter.

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