• Raus aufs Land und in ein eigenes Haus mit Garten.
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Immobilien-Boom im Umland: Jetzt schnell noch raus aufs Land ziehen?

Mitten ins Herz – so trifft Corona das urbane Leben in Hamburg. Statt Zusammenkommen ist plötzlich Abstandhalten geboten. Und das sorgt auf engen Fuß- und Radwegen, in der S-Bahn und selbst am Elbstrand für Stress. Kein Wunder, dass viele von Stadtflucht träumen. Und die neue Offenheit der Firmen für Homeoffice macht das ohne Pendelstress möglich. Aber es gibt gleich zwei Haken: Die Preise im Umland steigen derzeit noch stärker als in Hamburg und es gibt auf dem Markt kaum freie Häuser und Wohnungen im Umland.

Eine Stadtflucht auf Probe haben während der ersten Corona-Wochen im März und April so manche Hamburger gewagt. Dazu gehört auch MOPO-Redakteurin Nina Gessner, die sich für einige Wochen bei Freunden am Rande der Elbmarsch einquartiert hat. In ihrer Wohnung in Eimsbüttel wurde es einfach zu eng für zwei Eltern, die im Homeoffice arbeiten und zwei Kinder, die zu Hause lernen mussten, weil die Schulen geschlossen waren.

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In den Schaukästen der Makler hängen auch längst verkaufte Häuser noch lange. Das Angebot ist so gering, dass der Platz häufig nicht mit Neuem gefüllt werden kann.

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Sandra Schäfer

Gessner: „Auf dem Land mussten wir die Kinder nicht ständig im Blick haben, sie konnten auf dem großen Gartengrundstück frei spielen und hatten keine Probleme, sich allein zu beschäftigen.“ Die beiden blühten in der Zeit regelrecht auf zwischen Ponys, Hühnern und Wald.

Raus aus der Stadt: Homeoffice macht es möglich

Da klingt ein dauerhafter Umzug verlockend. Raus aus der engen Wohnung in der Stadt und das auch noch für weniger Geld. Und die Preise im Umland klingen für jemanden, der die Hamburger Mieten im Kopf hat, akzeptabel. Vor allem südlich der Elbe im Raum Harburg und Stade.

Familie laufend

Raus aufs Land und in ein eigenes Haus mit Garten.

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So kostet etwa ein neu gebautes Haus mit Garten und Erstbezug in Winsen rund 500.000 Euro. Ältere Häuser im Umland kosten je nach Lage, Größe und Ausstattung um die 350.000 Euro.

Schnäppchen sind das schon lange nicht mehr. So sind laut LBS im Umland die Preise innerhalb von 25 Jahren für Bestandswohnungen um 53 Prozent gestiegen, für Häuser um 60 Prozent. Im Vergleich zu Hamburg ist das allerdings noch wenig: Dort stiegen die Preise um 150 Prozent.

Hamburger Umland: Mieten steigen seit Jahren an

Auch bei den Mieten klettern die Preise im Umland seit Jahren. Aktuell laut Immowelt mit drei bis sechs Prozent Zuwachs sogar stärker als in Hamburg mit drei Prozent. Im direkten Umland liegen sie bei Neuvermietungen um die acht bis zehn Euro pro Quadratmeter.

Kind im Garten,

Ein eigener Garten, herrlich: Ein Mädchen schlägt ein Rad auf dem Rasen.

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Und in sehr ländlichen Regionen, wo die Preise bisher noch sehr niedrig waren, schlägt der Anstieg extrem zu. In Lüchow-Dannenberg etwa kletterten die Mieten um 13 Prozent, da kostet ein Quadratmeter bisher aber auch nur 4,50 Euro. Aber da ist auch weit und breit keine Autobahn-Anbindung in Sicht.

Trotz Corona: Preise für Immobilien steigen

„Die Nachfrage nach Immobilien ist im Umland ungebrochen“, sagt LBS-Sprecher Holger Schramm. Trotz Corona. „Die Preise steigen weiter.“ Damit habe man nicht unbedingt gerechnet. Denn Menschen sind in Kurzarbeit gegangen, haben vielleicht Angst vor Jobverlust oder es drohen sogar Notverkäufe. Das alles ist bisher aber nicht eingetreten.

Vater und Kind.

Vater und Tochter hängen ein Vogelhäuschen in den Baum.

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Besondere Zuwächse gibt es laut LBS bei Ferien-Immobilien. Kein Wunder, wenn viele sich darauf einstellen, in Zukunft weniger im Ausland Urlaub zu machen.

Wichtig für Immobilien: Infrastruktur und Verkehrsanbindung

Ob die Möglichkeit zum Homeoffice nun tatsächlich dazu führt, dass mehr Menschen die Städte verlassen? Die Immobilien-Experten der Sparkasse Harburg-Buxtehude gehen davon aus. „Gerade bei Familien mit Kindern bemerken wir schon jetzt die zunehmende Tendenz, ins Umland zu gehen“, sagt Bodo Ihlenburg. „Aber eine gute Infrastruktur in der Nähe und eine gute Verkehrsanbindung bleiben wichtig.“

Familie Holzhäuschen

Die Grünen wollen auch im Hamburger Umland den Bau von Einfamilienhäusern reduzieren. (Symbolbild)

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Das dürfte sich auch durch mehr Homeoffice nicht ändern. Denn die meisten Arbeitnehmer, die von zu Hause arbeiten können, planen weiterhin, einen oder mehrere Tage zur Firma zu fahren. „Die Bereitschaft, weiter rauszuziehen, wird durch die Möglichkeit des Homeoffice steigen“, prognostiziert Bodo Ihlenburg, Immobilienexperte aus dem Vorstand der Sparkasse. Aber mehr als eine Stunde Fahrt möchte wohl kaum jemand dafür verplanen: „30 bis 40 Kilometer Fahrtstrecken werden akzeptabler.“

Hamburg: Kaum Wohnungen und Häuser auf dem Markt

Das weitaus größte Problem der Familien für die geplante Corona-Stadtflucht: Es gibt einfach kein ausreichendes Angebot an freien Mietwohnungen oder zu verkaufenden Häusern und Wohnungen im Umland. Rund um Hamburg ist der Markt seit Jahren leergefegt und im Gegensatz zur Stadt Hamburg wird dort nicht so viel gebaut.

Straße Kinder spielen

Ohne Angst vor schnellen Autos: Zwei Kinder spielen vor dem Haus auf der Straße.

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„Die Ausweisung neuen Baulandes dauert auch seine Zeit“, so Ihlenburg. „Wer im Landkreis Harburg einen Bauplatz sucht, der hat es richtig schwer.“

Noch einen weiteren Engpass sieht Ihlenburg: schnelles Internet. „Homeoffice geht ja nur mit einer schnellen, stabilen Internet-Anbindung.“ Das werde in Zukunft noch wichtiger.

Haus nach vier Wochen schon verkauft.

Lange überlegen ist nicht möglich: Diese Doppelhaushälfte war nach vier Wochen weg. Im Schaukasten der Makler bleibt sie hängen. Weil es so wenige Angebote gibt.

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Sandra Schäfer

Wo im Umland kleine Neubaugebiete entstehen, sind sie oft schon vom einheimischen Bedarf vor Ort belegt. So finden sich auf Maklerseiten oftmals nur sehr renovierungsbedürfte kleine alte Häuser. Oder Adressen, die völlig in der Pampa liegen.

Immobilien-Boom im Umland: Raus aufs Land

Und es gibt ein recht gutes Angebot an sehr schönen, großen Anwesen, die in top Zustand sind, riesige Grundstücke haben – und sich trotzdem schwer verkaufen lassen. Warum? Weil sie deutlich über eine Million Euro kosten. Vermutlich einmal im Auftrag von reichen Hamburgern gebaut, die ins Umland gezogen sind und die jetzt wieder weg wollen.

So muss, wer seinen Traum von der Stadtflucht weiter träumt, viel Geduld mitbringen. Bis die richtige und bezahlbare Immobilie gefunden ist und man auch noch den Zuschlag vor der großen Konkurrenz bekommt, kann viel Zeit vergehen.

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