Hexenverbrennungen erreichten vor 400 Jahren einen traurigen Höhepunkt in Europa. Hamburg war allerdings keine Hochburg. In der Hansestadt wurden 40 Frauen verbrannt. Das Bild zeigt ein Hexenfeuer, auch Maifeuer genannt, in Großharthau in Sachsen.
  • Hexenverbrennungen erreichten vor 400 Jahren einen traurigen Höhepunkt in Europa. Hamburg war allerdings keine Hochburg. In der Hansestadt wurden 40 Frauen verbrannt. Das Bild zeigt ein Hexenfeuer, auch Maifeuer genannt, in Großharthau in Sachsen.
  • Foto: picture alliance/dpa

Im Neubaugebiet : Neue Straße in Hamburg erinnert an ein schreckliches Verbrechen

Rissen –

Ihr Tod war schrecklich. Ein fürchterliches Verbrechen. Vor 577 Jahren wurde Katherina Hanen in Hamburg auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Weil sie eine „Hexe“ war – so lautete die unmenschliche Begründung, mit der starke Frauen damals aus dem Weg geräumt wurden. Zum Gedenken an die Unschuldige wird im Bezirk Altona nun eine Straße nach ihr benannt.

Mit dem Namen Katherina Hanen kann in der Hansestadt bisher kaum jemand etwas anfangen. Kein Geschichtsbuch erinnert an die Tote, abgesehen von einem Gedenkstein auf dem Ohlsdorfer Friedhof erinnert kein Mahnmal an die 40 Opfer der Hexenverfolgung, die historisch belegt sind. Nicht mal am einstigen Ort des Scheiterhaufens nahe St. Petri gibt es einen Hinweis. Der Hamburger Jan Vahlenkamp wollte das ändern.

Hamburg: In Rissen gibt es nun einen Katherina-Hanen-Weg

Vor vier Jahren startete der Politikwissenschaftler eine Online-Petition, die nun zum Erfolg führte. Die im Neubaugebiet am Iserbarg/Sülldorfer Brooksweg (Rissen) gelegene Straße wird künftig Katherina-Hanen-Weg heißen.

Jan Vahlenkamp

Jan Vahlenkamp (38) hat sich dafür eingesetzt, dass in Hamburg eine Straße nach Katherina Hanen benannt wird.

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Florian Quandt

Zwar hatte sich Jan Vahlenkamp ursprünglich eine Straße in der HafenCity vorgestellt, dennoch ist er zufrieden: „Im Zentrum hätte es besser gepasst, denn hier war der Scheiterhaufen. Rissen lag ja damals weit vor den Toren der Stadt. Aber dafür gibt es hier eine Hexentwiete und da ist der Katherina-Hanen-Weg nun eine gute Ergänzung“, sagt der 38-Jährige.

Verschwörungstheorien noch immer ein hochaktuelles Problem

Vahlenkamp beschäftigt sich beruflich mit Verschwörungstheorien. Er hält Vorträge darüber, wie die mittelalterlichen Mythen bis heute nachwirken. Für den Barmbeker hat die Straßenbenennung trotz des historischen Bezugs einen ganz aktuellen Wert. „Die wirren Thesen über eine angebliche Elite, die Kinder entführt und deren Blut trinkt, mit der die QAnon-Bewegung nicht nur in den USA, sondern auch bei uns für Unruhe sorgt, gehen ganz klar auf mittelalterliche Verschwörungstheorien zurück“, sagt Vahlenkamp.

Auch bei dem Sturm auf das US-Kapitol am Mittwoch habe man diese Verbindung wieder sehen können: Auf einem Plakat der Unruhestifter, zu denen auch QAnon-Anhänger zählten, stand „Pelosi is Satan“ – eine Verteufelung der demokratischen Politikerin, genau so, wie es mit starken Frauen im Mittelalter geschah.

Plakette am Straßenschild erklärt das Unrecht

Für Vahlenkamp ist es wichtig, dass die Mechanismen der Diskriminierung und Verfolgung, die in Deutschland schon einmal zu einem Massenmord geführt haben, stets bewusst gemacht werden. Der Katherina-Hanen-Weg soll dabei helfen. Auch der Bezirk Altona will mit dem Straßenschild nicht nur an die im Jahr 1444 hingerichtete Hamburgerin erinnern. Eine an dem Schild angebrachte Tafel wird zusätzlich über das begangene Unrecht aufklären.

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