1951 wurde Karstadt an der Osterstraße eröffnet – die Kunden kamen in Scharen. 
  • 1951 wurde Karstadt an der Osterstraße eröffnet – die Kunden kamen in Scharen. 
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Horten, Hertie & Co.: Aufstieg und Fall von Hamburgs Kaufhäusern

So ein riesiges Sortiment hatten die Hamburger noch nie gesehen, jedenfalls nicht in ein und demselben Geschäft: erlesene Möbel, echte Orientteppiche, Hutkreationen aus Paris und Sonnenschirme aus reiner Seide. Am 1. März 1897 eröffnete am Großen Burstah (Altstadt) das „Waarenhaus (damals noch mit zwei a) Hermann Tietz“, das erste moderne Kaufhaus der Stadt. Warenhäuser erlebten anschließend einen absoluten Boom – bis in den  1980er Jahren langsam der Niedergang begann, auch in Hamburg. Von den einstmals vier Warenhausketten ist wenig übrig geblieben. 

Erst im vergangenen Jahr sind Karstadt und Kaufhof fusioniert, das Unternehmen nennt sich jetzt „Galeria Karstadt Kaufhof“. Der Warenhauskonzern will in Hamburg drei seiner sieben Häuser schließen.   

Kaufhäuser in Hamburg: Ihr Aufstieg und ihr Fall

Einst waren Kaufhäuser absolute Kundenmagneten, sie machten Luxusgüter auch für Normalverdiener bezahlbar. 1929 gab es den ersten Höhepunkt, als Karstadt am Berliner Hermannsplatz eines der bis dahin größten Kaufhäuser der Welt eröffnete. Es gab neun Stockwerke und 4000 Mitarbeiter.

Auch in der Nachkriegszeit erlebten Warenhäuser einen großen Zulauf, ihr Marktanteil stieg bis auf 15 Prozent. In den 80er Jahren verloren die Kunden langsam das Interesse an der Warenvielfalt unter einem Dach. Und heute? Heute haben viele Kunden keine Lust auf Parkplatzsuche und Gedränge, sie bestellen lieber im Internet. 

Kaufhäuser in Hamburg – die Geschichte von Hertie 

So etwas hatte es in Hamburg bis dahin nicht gegeben: Das Foto zeigt die grandiose Treppenanlage des „Waarenhauses Hermann Tietz" am Großen Burstah (eröffnet 1897). 

So etwas hatte es in Hamburg bis dahin nicht gegeben: Das Foto zeigt die grandiose Treppenanlage des „Waarenhauses Hermann Tietz“ am Großen Burstah (eröffnet 1897). 

Foto:

Museum für Hamburgische Geschichte 

Das „Waarenhaus Hermann Tietz“ zog 1912 vom Großen Burstah an den Jungfernstieg um. Als die Nazis später die Macht ergreifen, firmieren sie den jüdischen Konzern um und nennen ihn Hertie – das Kaufhaus heißt ab 1936 Alsterhaus. Später gab es mehrere Hertie-Filialen in Hamburg, die mittlerweile alle verschwunden sind.

Hertie Ottenser Hauptstraße

Hertie an der Ottenser Hauptstraße. Heute steht hier das Einkaufszentrum Mercado. Hinten rechts ist das alte Gebäude des Bahnhofs Altona zu sehen, das 1974 abgerissen wurde. 

Foto:

Morgenpost Bildarchiv

Jüngere Hamburger kennen dieses Kaufhaus überhaupt nicht mehr, zum Beispiel die Filiale an der Ottenser Hauptstraße direkt am Bahnhof Altona. 1990 wurde sie abgerissen, um dem Einkaufszentrum Mercado Platz zu machen. 1949 öffnete Hertie auch in Bergedorf. 1994 schluckte Konkurrent Karstadt das Unternehmen und benannte die Filialen sukzessive um. Aus  Hertie am Sachsentor wurde Karstadt. Auch im Elbe-Einkaufszentrum (Osdorf) gab es Hertie, im Jahr 1997 wurde auch dieses Haus zu Karstadt.

Hertie Barmbek

Hertie in Barmbek. Das Foto stammt aus dem Jahr 1963. 

Foto:

Morgenpost Bildarchiv 

Richtig konfus wurde es bei der Filiale in Barmbek: Aus Hertie an der Fuhlsbüttler Straße wurde 1997 Karstadt – und ab 2007 wieder Hertie. Hintergrund: Karstadt verkaufte seine kleinen Häuser an eine britische Investorengruppe, die unter dem Namen Hertie einen Neuanfang wagte. Allerdings wenig erfolgreich: 2009 verschwand mit dem Haus an der Fuhlsbüttler Straße die letzte Hertie-Filale in Hamburg. Die Häuser in Bramfeld und Langenhorn schlossen ebenfalls 2009. Hertie gibt es heute nur noch als Online-Kaufhaus. 

Kaufhäuser in Hamburg: Horten in der Mönckebergstraße 1

Horten 1998

Das alte Horten-Gebäude an der Mönckebergstraße. Heute ist hier Saturn. 

Foto:

Bettina Blumenthal

Auch Horten kennen jüngere Hamburg nicht mehr. Wohl aber das Gebäude. Der mächtige Klotz war damals quasi das erste Haus am Platz – das Kaufhaus hatte die stolze Adresse Mönckebergstraße 1. Das Gebäude mit der Wabenfassade des Architekten Egon Eiermann wurde 1968 als Warenhaus gebaut. 1999 war dort Schluss für Horten. Dort zogen die Kaufhof-Tochter „Lust for Life“ und Saturn ein. Seit 2001 ist der Elektronik-Riese der alleinige Mieter.

Horten Wandsbek

Horten an der Wandsbeker Marktstraße. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1982. 

Foto:

Morgenpost Bildarchiv 

Diese Filiale des 1936 gegründeten Warenhauskonzerns war in Hamburg die bekannteste, die Wabenfassade ein Hingucker. Es gab noch weitere Horten-Häuser in Hamburg. Anfang der 70er Jahre übernahm das Unternehmen einige SB-Warenhäuser des Otto-Konzerns, zum Beispiel in Eidelstedt und Poppenbüttel. Auch in der Wandsbeker Marktstraße gab es Horten. 1988 war hier Schluss, das Gebäude übernahm das Einkaufszentrum Quarree. 1994 übernahm Kaufhof den Konzern, die Marke Horten wurde aufgelöst. 

Kaufhäuser in Hamburg: Karstadt – es gab 17 Filialen!

Besonders Karstadt war zahlreich in Hamburg vertreten. 1997 gab es in der Stadt 17 Filialen! Die älteste ist in Wandsbek, sie wurde 1900 eröffnet – und gehört heute zu den Häusern, die geschlossen werden sollen. Mitte Oktober soll dort der letzte Verkaufstag sein. Auch das Haus in Bergedorf (1968 eröffnet) ist in Gefahr. Längst geschlossen sind zum Beispiel die Filialen im Elbe-Einkaufszentrum (2010), an der Großen Bergstraße in Altona (2003), an der Eppendorfer Landstraße (2007) sowie in Billstedt (2015). Die Häuser in Langenhorn, Barmbek und Bramfeld wurden 2007 zu Hertie und schlossen zwei Jahre später ganz. 

Winterschlussverkauf bei Karstadt Mö Feb 2000

Februar 2000: Kunden haben Karstadt an der Mönckebergstraße gestürmt, um im Ausverkauf Schnäppchen zu machen. 

Foto:

Volker Schimkus

Das große Haus an der Mönckebergstraße gibt es seit 1912. Es war bei seiner Eröffnung das größte Kaufhaus in Hamburg. Es ist von den aktuellen Schließungsplänen nicht betroffen, genauso wenig wie die Filiale in Harburg (1927 eröffnet) und die an der Osterstraße. 

Karstadt in Eimsbüttel hat eine lange Geschichte. Es wurde im Oktober 1903 an der Eimsbütteler Chaussee eröffnet und zog 1935 in ein ehemaliges Kaufhaus an der Ecke Schulterblatt/Amandastraße. Im Krieg wurde das Gebäude ausgebombt. Der Neubau an der Osterstraße mit seinen 13 Schaufenstern und einer Rolltreppe galt damals als Luxus-Center, er wurde schnell zu eng. 1975 wurde das Gebäude abgerissen und die heutige Filiale gebaut.

Kaufhäuser in Hamburg: Kaufhof

Kaufhof in Altona

Bis zum Jahr 2000 war Kaufhof im Bahnhof Altona. 

Foto:

Morgenpost Bildarchiv

Kaufhof im Bahnhof Altona (1979 eröffnet) gibt es bereits seit Ende 2000 nicht mehr. Mitte Oktober soll auch in dem Haus an der Mönckebergstraße Schluss sein, der Räumungsverkauf läuft. Die ehemalige Kaufhof-Filiale im Alstertal-Einkaufszentrum stand erst auf der Schließungsliste, wurde aber gerettet und bleibt bestehen. 

Für die Filialen, die aufgegeben werden, gibt es bereits Ideen. Das Haus in Wandsbek soll an das Quarree übergehen. Für Kaufhof und Karstadt Sports an der Mönckebergstraße gibt es Vorschläge, dort zum Beispiel Wohnungen, Gastronomie oder öffentliche Einrichtungen unterzubringen. 

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