Auto fährt auf überfluteter Straße
  • Hamburg muss sich darauf einstellen: Es wird immer öfter Starkregen geben.
  • Foto: picture alliance/dpa/Axel Heimken

Hitze und Starkregen: So passt Hamburg sich dem Klimawandel an

Es ist eine monströse Hitzewelle, die derzeit durch Kanada und die USA rollt, mit Temperaturen bis zu 50 Grad. Wälder brennen, Menschen flüchten, Behörden richten klimatisierte Zentren zum Abkühlen ein. Auch Skandinavien meldet nie zuvor gemessene Rekordwerte: Am Montag herrschten in der norwegischen Finnmark 34,3 Grad – mediterrane Hitze oberhalb des Polarkreises. Die Welt glüht – auch Hamburg muss Wege finden, mit steigenden Temperaturen klarzukommen. Mit zahlreichen Maßnahmen versucht die Stadt, sich an den Klimawandel anzupassen.

Alles wird mehr. Mehr 30-Grad-Hitzetage, mehr Tropennächte, mehr Dürreperioden, mehr Wolkenbrüche – was der Deutsche Wetterdienst bis zum Jahr 2050 für Hamburg prognostiziert, klingt nach schlaflosen Nächten, verdörrten Straßenbäumen und überschwemmten Kellern. Dabei schimpfen die ersten schon über den Hamburger Sommer 2021: Es regnet viel, so richtige Knaller-Sommertage gibt es kaum, dann donnert und blitzt es schon wieder.

Hitze und Starkregen: Klimawandel in Hamburg

Dabei liegen wir immer noch unter dem statistischen Regensoll und über den „normalen“ Temperaturen, wie Meteorologe Alexander König erklärt. Und auch wenn das Sommerferienwetter gerade mal nicht so strandtauglich ist, ändert das nichts am Klimawandel: Hamburg wird immer wärmer. Mit Fahrradfahren, Plastiksparen und weniger Fleischessen können wir versuchen, das Schlimmste noch zu verhindern, aber es hilft alles nichts: Wir werden uns dem Wandel auch anpassen müssen.

In den Jahrzehnten bis 2055 werden 68 Prozent der Hamburger Siedlungsfläche als „bioklimatisch belastet“ gelten, 84 Prozent der Bewohner werden von der Aufheizung betroffen sein – so steht es in einem Gutachten, das die Umweltbehörde im Jahr 2012 in Auftrag gegeben hat. Nichts spricht dafür, dass die Prognosen von damals inzwischen ihre Dramatik verloren hätten. Demnach würde die Zahl der „wärmebelasteten Tage“ in der Innenstadt statistisch von 20 auf 27 Tage im Jahr steigen, in Eimsbüttel von 13 auf 18. Zum Vergleich: Othmarschen mit seinen parkähnlichen Grundstücken käme auf neun Tage (von zuvor fünf Tagen), im offenen Stadtpark bliebe die Zahl mit 1,9 Tagen (von 1,2 Tagen) nahezu gleich.

Hamburg: mehr Tropennächte

Die Zahl der „Tropennächte“ mit mindestens 20 Grad wird bis 2055 in der City und in Eimsbüttel statistisch auf gut vier steigen, während sie im Stadtpark bei 0,1 stagniert: Bäume und Freiflächen wirken wie gigantische Klimaanlagen.

Die zweite Klima-Bedrohung neben der Hitze: Regenmassen. Ein Beispiel: Am 8. Juli 2021 zogen mehrere kleine, aber heftige Unwetterzellen über die Stadt, die etwa in Teilen von Eimsbüttel und Sülldorf binnen einer Stunde bis zu 35 Liter pro Quadratmeter prasseln ließen – die Hälfte des Monatsniederschlages. Ein Prognose des Deutschen Wetterdienstes bis 2050 stellte im Jahr 2015 fest: „Hamburg wird sich, anders als das Umland, zunehmend auf schadenintensive Starkregenfälle einstellen müssen.“ Der Begriff „Schwammstadt“ bedeutet: Wasser soll möglichst im Boden versickern, auf Gründächern und auf extra angelegten Sickerflächen und Regenspeichern.

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) dazu: „Wir müssen unsere Stadt trotz der unerlässlichen Bebauung klug und weitsichtig an die Klima-Veränderungen anpassen.“ Was also tut die Stadt, um sich vor Hitzschlag und nassen Füßen zu schützen? Wie passt Hamburg sich an den Klimawandel an?

Hamburgs Kampf gegen Hochwasser

Sie ist Hamburgs berühmteste Anpassung an den Klimawandel: die Hochwasser-Schutzanlage zwischen Elbphilharmonie und Landungsbrücken. Was aussieht wie eine Hafen-Promenade mit Freilufttreppe, soll die Stadt gegen steigenden Meeresspiegel und häufiger werdende Sturmfluten schützen.

Flutschutzanlage am Hafen
Anpassung an den Klimawandel: Die Flutschutzanlage am Baumwall, die als Promenade dient.

Klimawandel: Hamburgs Kampf gegen die Hitze

Senkrechte Wiesen aus Pflanzen an Hauswänden sollen Insekten als Buffet dienen und das Mikroklima in der Nachbarschaft abkühlen. Beispiel für großflächige Fassadenbegrünung: Das Gelände der Forschungsanstalt Desy in Bahrenfeld.

Außerdem: Gründächer als Hitzedämmer und „Schwämme“. Hausbesitzer können sich schon ab 20 Quadratmeter Fördermittel holen. Die Stadt selbst ist noch am Anfang: Die Saga (120.000 Wohnungen) hat bisher nur rund 60 Häuser nachträglich mit Gründächern versehen, bei Neubauten wird stärker darauf geachtet.

Großer Trumpf: Die zwölf uralten Frischluftschneisen. Das sind Grünzüge, die Kühle aus dem Umland in das Stadtinnere bringen und von Querbebauung freigehalten werden sollen. Umweltschützer bemängeln, dass das angesichts der dramatischen Wohnungsknappheit immer weniger klappt.

Weitere Maßnahme: Bäume pflanzen, die Hitze und Dürre aushalten. Die 224.000 Hamburger Straßenbäume leiden unter Stress, besonders die jüngeren. Neue Arten sind im Gespräch, etwa die Esskastanie aus Südeuropa, die Flaumeiche, die nordamerikanische Roteiche oder die Robinie als Ersatz für den Bergahorn. Das Problem: Die neuen Arten breiten sich schnell aus und ernähren weniger Insekten als die einheimischen Arten.

Visualisierung einer begrünten Halle
So soll die Halle 36 auf dem Forschungsgelände Desy in Bahrenfeld in einigen Jahren aussehen.

Extremwetter: Hamburgs Kampf gegen Starkregen

Das Projekt „RegenInfraStrukturAnpassung (RISA)“ soll die Wassermassen „managen“. Neben den vielen „Schwamm-Bemühungen“ umfasst es auch den Bau größerer Siele. In Billstedt wurde 2019 eine neuartige „Notentwässerung“ in Betrieb genommen: Das Hein-Klink-Stadion hat einen unterirdischen Speicher bekommen – und wenn es einmal dermaßen heftig gießt (mehr als elf Liter pro Stunde und Quadratmeter), dass dieser überläuft, wird auch noch der Sportplatz kontrolliert überflutet.

Visualisierung überfluteter Sportplatz
Das Hein-Klink-Stadion in Hamburg-Billstedt wird künftig dazu beitragen, den Stadtteil vor Überflutungen nach Starkregen zu schützen

Bundesweit beachtete Maßnahme: Die „Regenwasserbehandlungsanlage“ in Lurup. Bei Starkregen versank die Kreuzung Luruper Hauptstraße/Elbgaustraße regelmäßig im Wasser, das samt Reifenabrieb (Mikroplastik!) ungereinigt in einen nahen Graben und ins Grundwasser floss. Jetzt wird das Straßenwasser in ein großes Versickerungsbecken umgeleitet, wo Schilf bis zu neun Tonnen Gift herausfiltert.

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