Arolsen
  • So sehen die Habseligkeiten der KZ-Häftlinge aus, die sogenannten „Effekten“. Dies sind Fotos und Papiere von Maurice Herment. Er war Bahnhofsvorsteher in einem Pariser Vorort, kam 1944 nach Neuengamme und starb im Mai 1945. Nach seinen Nachfahren wird bis heute gesucht.
  • Foto: Arolsen Archives

#StolenMemory: Spannende Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Eine interessante Ausstellung ist auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme eröffnet worden: #StolenMemory heißt sie. Es handelt sich um eine Wanderausstellung der Arolsen Archives aus Hessen. In einem umgebauten aufklappbaren Überseecontainer werden auf Plakaten persönliche Gegenstände gezeigt, sogenannte „Effekten“, die im NS-Regime KZ-Häftlingen bei der Inhaftierung abgenommen wurden.

Arolsen
Bis zum 11. August in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in einem umgebauten Überseecontainer zu sehen: die Ausstellung #StolenMemory

Die Arolsen Archives aus Hessen sind das weltgrößte Archiv zur NS-Geschichte und zur Geschichte der NS-Verfolgten. Das Archiv bewahrt seit Jahrzehnten die „Effekten“ auf und ist seit einigen Jahren bemüht, die Angehörigen der ehemaligen KZ-Häftlinge ausfindig zu machen, um ihnen die Gegenstände zu überreichen. Ein schwieriges Unterfangen. Seit dem Start der Kampagne #StolenMemory konnten aber immerhin schon mehr als 500 Familien gefunden werden.

Angehörige gesucht: Arolsen Archives will die „Effekten“ von 2500 Gefangenen zurückgeben

Unter der Überschrift „Gesucht“ werden in der Ausstellung „Effekten“ gezeigt, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jeder kann die Arolsen Archives bei der Rückgabe unterstützen und sich selbst auf Spurensuche nach den Verfolgten und ihren Familien begeben. Noch immer bewahrt das Archiv gestohlene Hinterlassenschaften von knapp 2500 Menschen aus ganz Europa auf.

Unter der Überschrift „Gefunden“ lenkt die Ausstellung den Blick auf solche persönlichen Gegen­stände, die bereits zurückgegeben werden konnten. Die Ausstellung erzählt vom Verfolgungsweg der einstigen Besitzer und von der Rückgabe an die Familien. Mit dem Smartphone können die Besucher über eine App Videoporträts aufrufen, in denen die Angehörigen selbst zu Wort kommen.

Neuengamme
KZ-Insassen aus Neuengamme bei der Zwangsarbeit im zerstörten Hamburg.

„Viele Opfer der Nationalsozialisten hinterließen keine materiellen Spuren für ihre Fami­lien, weil die Nationalsozialisten ihnen alles nahmen“, so Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. Die Rückgabe der „Effekten“ sei für die Angehörigen deshalb oft sehr unerwartet: „Einige von ihnen wissen nichts oder nur wenig über diesen Teil der Lebens­geschichte ihrer Großeltern, Eltern, Onkel und Tanten.“ Umso wichtiger sei es, dass die Gegenstände in die Familien zurückkehrten.


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Jeder ist eingeladen, bei der Suche nach Angehörigen mitzuhelfen

Seit August 2020 reist die #StolenMemory-Ausstellung durch Deutschland. Begleitend zur Ausstellung bietet die Website www.stolenmemory.org weitere Einblicke: Kurze animierte Filme mit ergänzenden Webstories erzählen von individuellen Schick­salen. Auf der Website steht zudem umfangreiches pädagogisches Material zum kostenlosen Download zur Verfügung, das von Schulen und Bildungs­einrichtungen auf allen Stationen der Wanderausstellung genutzt werden kann.

Wollen Sie mehr über #StolenMemory wissen? Über das Schicksal der Menschen hinter den „Effekten“? Und darüber, welchem glücklichen Umstand es zu verdanken ist, dass gerade von KZ-Häftlingen aus Neuengamme so viele persönliche Gegenstände erhalten sind? In unserer Sonnabend-Ausgabe widmen wir diesem Thema zwei Seiten.

Die Ausstellung #StolenMemory ist bis zum 11. August in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg zu sehen, und zwar montags bis freitags von 9.30-16 Uhr, samstags und sonntags von 12-19 Uhr.

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