Mehmet Kaymakçı
  • Im Kiwittsmoor-Park in Langenhorn wurde in Anwesenheit der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank ein Gedenkstein für Mehmet Kaymakçı eingeweiht.
  • Foto: Marius Röer

Nach 36 Jahren: Gedenkstein für ermordeten Kaymakçı eingeweiht

Dieser Mord, eine der ersten rassistischen Gewalttaten in der Geschichte der Bundesrepublik, war jahrzehntelang vergessen. Am Samstag endlich wurde am Kiwittsmoor-Park in Langenhorn in Anwesenheit der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) ein Gedenkstein für Mehmet Kaymakçı eingeweiht, der dort am 24. Juli 1985 von drei Neonazis mit einem 94 Kilo schweren Betonklotz erschlagen worden war.

Kaymakci
Mehmet Kaymakçı war am 24. Juli 1985 im Kiwittsmoor-Park in Langenhorn ermordet worden.

Der „Initiative Ramazan Avcı“ – sie ist benannt nach einem ebenfalls 1985 in Hamburg ermordeten Türken – war es nach langer Suche gelungen, in den Niederlanden und in der Türkei Angehörige von Mehmet Kaymakcı ausfindig zu machen und Kontakt herzustellen. Das Bezirksamt Nord sprach daraufhin Einladungen aus, und so wohnten 36 Jahre nach der Tat Verwandte des Ermordeten der Zeremonie bei: der Neffe Yener Kaymakcı (40) und Yilmaz Gül (30), ein Verwandter mütterlicherseits. Weitere Familienmitglieder waren aus der Türkei per Facetime live dazu geschaltet.

Gedenkstein für Mehmet Kaymakçı soll Erinnerung wachhalten

Yener Kaymakcı sprach davon, dass er erst fünf, sechs Jahre alt war, als sein Onkel ermordet wurde, er sich aber gut an ihn erinnern könne. „Immer, wenn er während seines kurzen Lebens im Urlaub in der Heimat zu Besuch war, brachte er mir Pralinen, Bonbons und Spielzeug mit. Dinge, die es bei uns nicht gab. Mein Onkel war für mich wie Weihnachten, Ostern, Geburtstag und Bayram zugleich.“ Als Kind habe er dann gar nicht begriffen, weshalb der Onkel dann eines Tages im schwarzen Sarg nach Hause zurückkam. „Erst sehr viel später, als ich älter war, wurde mir klar, dass es Monster in Menschengestalt waren, die meinen Onkel ermordet hatten. Jahrzehnte vergingen, der Schmerz in unserer Familie ließ aber nie nach.“

Mehmet Kaymakçı
Yener Kaymakçı, ein Neffe von Mehmet Kaymakçı, war angereist und hielt eine Ansprache

Yener Kaymakcı bedankte sich herzlich dafür, dass er die Zeremonie erleben durfte und bezeichnete diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass ein Mahnmal für seinen Onkel errichtet wurde, als „Helden“. „Vielleicht werden auch die Mörder, die jetzt Mitte 50 sein müssten, dieses Mahnmal besuchen. Ich weiß nicht, ob dann ihre Herzen schmerzen werden. Für uns ist es sehr wichtig, dass die Erinnerung an Mehmet Kaymakçı wachgehalten wird. Das wird unseren Schmerz nicht beseitigen, aber vielleicht verhindert das Gedenken an ihn, dass andere ähnliche Schmerzen durchleben müssen.“

Gedenkstein
Ein Vertreter des türkischen Konsulats legt am eingeweihten Gedenkstein Blumen nieder.

Fegebank: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank. „Daher berührt es mich sehr, dass wir heute Mehmet Kaymakçı gedenken und ihm zu Ehren diesen Gedenkstein errichten. Wir haben als demokratische Gesellschaft die Verantwortung, dass dieser rassistische Mord nicht vergessen werden darf. Auch nach so vielen Jahren nicht.“ Den Angehörigen des Ermordeten sprach Fegebank Dank und Anteilnahme aus. „Dieser Gedenkstein soll uns allen ein Mahnmal sein, dass wir uns politisch und als Zivilgesellschaft dem Erstarken des Rechtsextremismus mit aller Kraft entgegenstellen müssen. Rechtsextremismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.“

Mehmet Kaymakçı
Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank im Kiwittsmoor-Park in Langenhorn. Dort wurde am Sonnabend eine Gedenktafel für Mehmet Kaymakçı eingeweiht, der dort vor 36 Jahren ermordet wurde.

Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz ergriff das Wort und sagte, dass der Gedenkstein für Mehmet Kaymakçı daran erinnern soll, „dass wir als pluralistisch, demokratische Gesellschaft die Aufgabe haben, unsere Freiheit sowie die Gleichheit aller hier Lebenden jeden Tag aufs Neue zu verteidigen.“ Und Werner-Boelz sagte weiter: „Ich bin froh, dass sich die Bezirksversammlung Hamburg-Nord sowie das Bezirksamt immer wieder klar gegen Rassismus und Antisemitismus positionieren und mit der Errichtung eines Gedenksteins für Mehmet Kaymakçı Haltung zeigen.“

Am Kiwittsmoor-Park in Langenhorn wurde am Sonnabend diese Gedenktafel für Mehmet Kaymakçı eingeweiht.

Das Opfer war seinen Mördern in einer Kneipe begegnet

Mehmet Kaymakçı war seinen drei Mördern am 24.07.1985 in einer Kneipe begegnet, wo es zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung kam. Dabei soll es um die Ausländerpolitik der Bundesregierung gegangen sein. Als sich Mehmet Kaymakçı auf den Heimweg machte, verfolgten die drei Neonazis ihn, fielen über ihn her, schlugen und traten auf ihn ein, auch als er schon am Boden lag. Anschließend schleiften sie ihn hinter ein Gebüsch am Rand des Kiwittsmoor-Parks. Dort zertrümmerten sie dem bereits bewusstlosen Mann mit einem 94 Kilogramm schweren Betonklotz den Schädel.

Kneipe
Hier befand sich 1985 das Lokal „Bei Ronnie“, wo sich Täter und Opfer über den Weg liefen und in Streit gerieten.

Nachdem am Morgen ein Radfahrer die Leiche von Mehmet Kaymakçı gefunden hatte, nahm die Polizei die Täter fest. In Verhören gestanden sie: „Ja, wir waren es, wir wollten den Türken fertigmachen.“ Die Strafkammer des Hamburger Landgerichts verurteilte im Prozess wegen der Tötung Mehmet Kaymakçıs zwei der Täter zu acht und einen zu sieben Jahren Haft. Mehmet Kaymakçı wurde nur 29 Jahre alt. 

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