Ein Mitarbeiter Restaurants poliert die Weingläser.
  • Ein Mitarbeiter eines Restaurants poliert die Weingläser. Hamburger Unternehmen brauchen dringend Personal – nicht nur die Gastro-Szene. (Archivfoto)
  • Foto: picture alliance / Annette Riedl

Hilferuf von Hamburger Firmen: Wir brauchen dringend Personal!

Lockdown, Kurzarbeit, Entlassungen: Die Pandemie legt seit Monaten vielen Hamburger Arbeitnehmer:innen aus verschiedenen Branchen Steine in den Weg. Einige mussten sich umorientieren, um finanziell über die Runden zu kommen. Die Folge: Hamburger Betrieben mangelt es nun an Personal. Die MOPO zeigt, wo sich eine Bewerbung lohnt.

Die Corona-Pandemie katapultierte im vergangenen Jahr viele Hamburger:innen in die Arbeitslosigkeit. Aktuell sind mehr als 82.000 Hamburger:innen jobsuchend (Stand 30. Juni 2021). Vor Beginn der Pandemie waren es knapp 21.000. Es konnte zwar bereits ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit vermerkt werden, allerdings benötigen noch viele Hamburger Betriebe dringend Mitarbeiter:innen. Darunter fallen unter anderen die Kultur-, Gastronomie- und Fitnessbranche – die Branchen, aus denen sich Angestellte, aufgrund von finanziellen Nöten durch die Pandemie, aus dem Staub machten.

Eines der Hamburger Unternehmen, die derzeit händeringend nach Personal suchen, ist „Block House“. „Aktuell suchen wir 57 Mitarbeiter:innen für ‚Block House‘ und 40 Mitarbeiter:innen für ‚Jim Block‘“, sagt Markus Gutendorff, Vorstand der Block House Restaurantbetriebe AG. „Wir suchen Personal für die Bereiche Grill und Küche, Buffet und Service“, sagt er. Das Unternehmen lockt mit einer übertariflichen Bezahlung sowie Umsatzbeteiligung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld. „Wir freuen uns über berufliche Erfahrungen bei den jeweiligen Positionen. Auch Quereinsteiger:innen sind herzlich Willkommen“, so Gutendorff. Jobangebote lassen sich auf der Webseite www.block-house.de/karriere finden.

Markus Gutendorff, Vorstand der Block House Restaurantbetriebe AG.
Markus Gutendorff, Vorstand der Block House Restaurantbetriebe AG.

Hamburger Firmen brauchen tatkräftige Unterstützung

Auch die Restaurant-Kette „Schweinske“ sucht nach Unterstützung. „Wir gehen davon aus, dass in unseren rund 30 Restaurants in und um Hamburg ca. 40 bis 50 Service-Mitarbeiter:innen fehlen und ca. 20 bis 25 Küchenhilfen“, sagt Klaus Rösler, Geschäftsführer von „Schweinske“. Es seien vor allem Aushilfen gewesen, die sich notgedrungen umorientieren mussten, da diese keinen Anspruch auf Kurzarbeitsgeld haben. „Service-Aushilfen fangen in aller Regel mit Mindestlohn an, versierte Küchenhilfen bei ca. elf Euro brutto. Wer interessiert ist, kann sich direkt an die einzelnen „Schweinske“ Restaurants wenden“, sagt Rösler.

Alexander Spieshöfer, Leiter des Schweinske Restaurants an der Kieler Straße.
Alexander Spieshöfer, Leiter des Schweinske Restaurants an der Kieler Straße, braucht dringend Unterstützung.

Am härtesten traf es laut Angaben der Arbeitsagentur das Gastgewerbe. Rund zehn Prozent der Angestellten aus der Branche haben sich bis Ende Juni arbeitslos gemeldet, das sind rund 3800 Personen. Einige haben sich sogar beruflich umorientiert und kommen nicht zurück in das Gastgewerbe.

Hotels in Hamburg schreien nach Hilfe. Das „East Hotel“ auf St. Pauli hat während des Lockdowns viele Mitarbeiter:innen verloren und sucht nun händeringend Unterstützung. „Wir würden gern ca. 50 neue Mitarbeiter:innen einstellen“, sagt Peggy Schwitalla, Personalchefin beim „East Hotel“ im Gespräch mit der MOPO. „Wir suchen für den gesamten operativen Hotel-, Service- und Küchenbereich tolle Quereinsteiger:innen bis hin zu berufserfahrenen Mitarbeiter:innen“, so Schwitalla.

Peggy Schwitalla, Director of Human Recourses im East Hotel.
Peggy Schwitalla, Director of Human Recourses im East Hotel.

Zur Vergütung sagt Schwitalla Folgendes: „Wir zahlen deutlich über dem Tarif, haben eine sehr gute Urlaubsregelung mit jährlicher Steigerung, viele Mitarbeiter:innen-Benefits, z.B. kostenfreie Personalverpflegung, Zuschuss zum Profiticket des HVV und ein familiäres Arbeitsklima“. Spaß und Leidenschaft, eine offene und herzliche Persönlichkeit und eine sympathische Ausstrahlung seien wichtige Voraussetzungen der Bewerber:innen. Weitere Informationen finden Interessent:innen unter www.east-cosmos.de/jobs-karriere.

Auch innerhalb der Fitness-Branche gibt es Berichte von beruflicher Umorientierung des Personals. „Viele haben die Zeit genutzt, um sich Gedanken um ihre berufliche Zukunft zu machen und festgestellt, dass sie die Branche wechseln möchten“, so Kevin Nafar, Geschäftsführung beim Fitnessstudio „Kaifu-Lodge“ in Eimsbüttel im Gespräch mit der MOPO. „Ich denke, die berufliche Umorientierung fand in vielen Branchen statt, die massiv vom Lockdown betroffen waren, nicht nur innerhalb der Fitness-Branche“, sagt er.

Kevin Nafar, Geschäftsleitung bei der Kaifu-Lodge.
Kevin Nafar, Geschäftsleitung bei der Kaifu-Lodge.

Aktuell sei die Kaifu-Lodge schon wieder besser aufgestellt. „Wir suchen allerdings immer noch Personal für den Fitnessbereich, die Rezeption und den Gastrobereich“, so Nafar. Interessent:innen können Bewerbung per Mail an bewerbung@kaifu-lodge.de senden.

Karoline Gebhardt (27) gehört zu den Hamburger:innen, die sich während des Lockdowns umorientiert haben. „Ich habe im Jahr 2018 beim Abaton-Kino angefangen, ganz klein an der Kasse. Irgendwann wurde ich Leitung vom Dienst und habe auch die Vorführungen übernommen. Dann kam Corona. Ich musste mir schweren Herzens einen neuen Job suchen“ sagt Gebhardt im Gespräch mit der MOPO. Heute arbeitet sie in einer Nachrichtenagentur und fühlt sich auch dort wohl.

Karoline Gebhardt war zufrieden mit ihrem Job, dann kam Corona

Karoline Gebhardt (27)
Karoline Gebhardt (27) hat einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen.

Auch Tom Peuker (27) hat sich während Corona in einer anderen Branche umgeschaut. „Ich bin seit acht Jahren Koch. Als Corona kam, wurden die Finanzen knapp. Ich habe also angefangen, bei einer Supermarkt-Kette zu arbeiten“, so Peuker im Gespräch mit der MOPO.

Tom Peuker (27), gelernter Koch.
Tom Peuker (27), gelernter Koch.

„Ich fühle mich allerdings nicht ausgelastet an der Kasse. Es ist wahrscheinlich sehr riskant, aber ich möchte bald wieder als Koch arbeiten“, sagt der 27-Jährige.

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