Ilona Czinczoll, Leiterin des Gesundheitsamts Hamburg Mitte, und Falko Droßmann (SPD), Leiter des Bezirksamts Hamburg Mitte, am Hansaplatz. In den kommenden Monaten entsteht hier eine neue Sozialberatungsstelle.
  • Ilona Czinczoll, Leiterin des Gesundheitsamts Hamburg Mitte, und Falko Droßmann (SPD), Leiter des Bezirksamts Hamburg Mitte, am Hansaplatz. In den kommenden Monaten entsteht hier eine neue Sozialberatungsstelle.
  • Foto: Florian Quandt

Hilfe statt Überwachung: Bezirk Mitte eröffnet Beratungsstelle – direkt am Hansaplatz

St. Georg –

Der Hansaplatz in Hamburg polarisiert: Für viele gilt er als Brennpunkt, andere finden diese Zuschreibung übertrieben. Fakt ist: Gewalt und Alkoholexzesse gehörten hier lange zum Alltag. Seit Einführung der Kameraüberwachung hat sich die Situation spürbar entspannt, viele Probleme sind dadurch aber nicht behoben, sondern nur verlagert worden. Soziale Maßnahmen müssen her, entschied der Bezirk Mitte – und schafft vor Ort eine neue Sozialberatungsstelle.

„Die Lage am Hansaplatz hat sich durch die Kameraüberwachung deutlich verbessert“, bestätigt der Leiter des Bezirksamts Hamburg Mitte, Falko Droßmann (SPD), der MOPO. „Trotzdem können Ordnungsmaßnahmen keine sozialen Maßnahmen ersetzen.“

Hamburg St. Georg: Bezirk eröffnet Beratungsstelle am Hansaplatz

Im Stadtteil gebe es nach wie vor etliche Menschen, die auf Hilfsangebote angewiesen seien, so der SPD-Politiker. Zwar existierten bereits Anlaufstellen privater Träger, zum Beispiel für Drogenabhängige oder Protituierte, mit der neuen Beratungsstelle entstehe aber erstmals ein Angebot, das sich an alle Milieus richte. „Es gibt keine Voraussetzungen für Hilfesuchende. Jeder kann kommen“, erklärt Droßmann.

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Sowohl Suchtkranke als auch Obdachlose oder Menschen mit sozialen oder psychischen Problemen können sich in Zukunft direkt am Hansaplatz von Mitarbeitern des Gesundheitsamts beraten und – falls nötig – an andere Stellen weitervermitteln lassen.

Video: So überwacht die Polizei den Hansaplatz

Bezirksamtsleiter Falko Droßmann: „Jeder kann kommen“

„Weil wir die Beratungsstelle selbst verwalten, ist sie perfekt vernetzt mit anderen Einrichtungen im Bezirk, wie Gerichten, Ämtern oder Kliniken“, erklärt Droßmann. „Wir wollen so ganz gezielt auf die Probleme der Menschen im Stadtteil eingehen, die durch Kameraüberwachung oder Polizeipräsenz nicht gelöst werden können, und die Lebensqualität noch einmal deutlich verbessern.“

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Gesucht werden hierfür noch zwei neue Mitarbeiter. Die Anforderungen sind klar, eine Ausbildung zum Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen reicht nicht. Droßmann: „Wir suchen ausdrücklich Menschen, die in der Lage sind, auf die speziellen Probleme der Betroffenen einzugehen und ihnen offen zu begegnen.“ Bewerbungen gebe es bereits. „Das ist im öffentlichen Dienst ja heute auch nicht mehr selbstverständlich“, so der SPD-Politiker.

„St. Georg ist einer der beliebtesten Stadtteile Hamburgs“

Die Bewerbungsftrist läuft noch bis zum 31. März, danach müssen Auswahlgespräche geführt werden. Eröffnen soll die Sozialberatungsstelle voraussichtlich im Mai, spätestens im Juni, so Droßmann. Geeignete Räumlichkeiten suche man derzeit aus. „Wir haben einige Optionen, haben uns aber noch nicht entschieden.“

Den Hansaplatz pauschal als Brennpunkt abzutun, davon hält Droßmann derweil wenig. „Es gibt hier Probleme, das ist ganz klar. Trotzdem ist und bleibt St. Georg einer der beliebtesten Stadtteile Hamburgs.“

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