Der Fachkräfte-Mangel soll bis 2030 gelöst werden (Symbolbild).
  • Der Fachkräfte-Mangel soll bis 2030 gelöst werden (Symbolbild).
  • Foto: picture alliance / Sebastian Kahnert/dpa

Hamburgs Kitas: Einerseits Spitze, andererseits Schlusslicht

In Hamburg besucht fast die Hälfte der unter Dreijährigen eine Krippe. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung ist das im Westen einmalige Spitze. Allerdings steht in der Hansestadt so wenig Personal zur Verfügung wie sonst nirgends im Westen.

Bei der Kita-Betreuung der unter Dreijährigen liegt Hamburg beim Personalschlüssel unter den westdeutschen Ländern auf dem letzten, bei der Teilhabequote dafür auf dem ersten Platz. So betreute im vergangenen Jahr rechnerisch ein Erzieher oder eine Erzieherin im Schnitt 4,3 Kinder, wie aus dem Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. In Baden-Württemberg seien es dagegen nur 3,0 Kinder. Auf der anderen Seite hat sich den Angaben zufolge die Zahl der Kinder mit einem Krippen- oder Kindertagespflegeplatz zwischen 2011 und 2020 von 16.036 auf 28.429 Kinder erhöht, so dass die Teilhabequote auf knapp 47 Prozent gestiegen sei. In Bremen etwa liege sie bei nur 29 Prozent, im westdeutschen Schnitt bei 31 Prozent.

Hamburg: Kitas erfüllen nicht die Empfehlungen der Fachleute

Im Vergleich zu den ostdeutschen Ländern, wo es seit jeher verhältnismäßig mehr Kita- und Krippenplätze gibt und die durchschnittliche Betreuungsquote bei den unter Dreijährigen 53 Prozent beträgt, liegt Hamburg zwar hinten. Dafür betreut im Osten eine Erzieherin oder ein Erzieher im Schnitt aber gleich 5,5 Kinder. Bei den Drei- bis Sechsjährigen seien es sogar elf Jungen und Mädchen, während es in Hamburg 7,9 und in ganz Westdeutschland 8,1 Kinder seien.

Obwohl Fachleute Hamburg eine deutliche Verbesserung konstatieren, erfüllt die Hansestadt – wie auch alle anderen Länder – weiterhin nicht deren Empfehlungen. So sollte eine Fachkraft in Krippen nicht mehr als drei Kinder und in Kindergärten nicht mehr als 7,5 Kinder betreuen, um frühkindliche Bildungschancen zu gewährleisten, die über reine Betreuung hinausgehen. Oder anderes ausgedrückt: Am 1. März 2020 stand in Hamburg für mehr als 71 Prozent der Kinder in amtlich erfassten Kita-Gruppen nicht genügend Personal zur Verfügung.

Fachkraft-Lücke kann bis 2030 geschlossen werden

Nach Überzeugung der Forscher kann Hamburg das Problem jedoch lösen. Dem erstmals veröffentlichten „Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule“ zufolge werden bis 2030 bei den bestehenden Ausbildungskapazitäten der Hansestadt rund 10.000 Erzieherinnen und Erzieher in den Beruf eintreten, womit nur noch weniger als 2000 Fachkräfte für eine kindgerechte Personalausstattung fehlen würden. „Mit erhöhten Anstrengungen kann Hamburg diese Lücke bis 2030 schließen und damit allen Kita-Kindern erstmals eine kindgerechte Qualität bieten“, sagte die Bertelsmann-Bildungsexpertin Kathrin Bock-Famulla.

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Sollte das jedoch nicht gelingen, empfehlen die Experten, bis 2030 zunächst die Teilhabequoten zumindest auf das ostdeutsche Niveau zu heben. Außerdem sollten die Personalschlüssel dem Westniveau angeglichen werden. In Gruppen mit Kindern unter vier Jahren wäre dann eine Fachkraft rechnerisch nur noch für 3,9 statt 4,5 Kinder verantwortlich. Für beide Etappenziele seien bis 2030 genügend Fachkräfte vorhanden. „Dafür ist es allerdings dringend erforderlich, dass Fachkräfte nicht entlassen und freiwerdende Stellen wieder besetzt werden“, sagte Bock-Famulla. (dpa/mp)

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