Blick auf das Logo und den Schriftzug „Aurubis“ am Firmengebäude auf der Veddel.
Blick auf das Logo und den Schriftzug „Aurubis“ am Firmengebäude auf der Veddel.
  • Blick auf das Logo und den Schriftzug „Aurubis“ am Firmengebäude auf der Veddel.
  • Foto: dpa/Georg Wendt

Hamburgs Industrie-Gigant boomt trotz Energiekrise

Für Rohstoffkonzerne ist die Multi-Krise ein zweischneidiges Schwert: Zum einen wird Energie auch für sie teurer, andererseits profitieren sie von hohen Preisen für fertige Metallprodukte. Aurubis steht wirtschaftlich insgesamt noch gut da – setzt nun aber vor allem auf ein Zukunftsthema.

Der Kupferkonzern Aurubis hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/2022 trotz steigender Energiekosten und der wackligen Weltkonjunktur deutlich mehr verdient. Dabei half dem Hamburger Unternehmen besonders die hohe Nachfrage nach Kupfer. Das Metall wird etwa für elektrische Schaltkreise und Leitungen benötigt – zum Beispiel bei E-Autos, erneuerbaren Energien, Computerprodukten und generell in der boomenden Digitalisierung. Außerdem spielten Aurubis die Preiszuwächse bei vielen Metallprodukten in die Karten.

Hamburg: Mehr Gewinn – und mehr Arbeitsplätze

Der Betriebsgewinn vor Steuern nahm gegenüber dem Vorjahr um rund 40 Prozent auf 532 Millionen Euro zu. Laut dem Management ist dies ein Bestwert, Vorstandschef Roland Harings sprach am Mittwoch vom bisher erfolgreichsten Geschäftsjahr. Der MDax-Konzern will nun seine Investitionen aufstocken, ein Paket von 530 Millionen Euro wurde vom Aufsichtsrat genehmigt. Davon soll auch der Heimatstandort Hamburg profitieren. Geplant ist dort ein Ausbau der Recycling-Aktivitäten, wie Vorstand Heiko Arnold sagte: „Wir werden hier 190 Millionen Euro investieren.“ Der Produktionsstart der erweiterten Anlagen für das Projekt „Complex Recycling Hamburg“ sei für Sommer 2025 angepeilt.

Dabei sollen neue Jobs in der Hansestadt entstehen: „Wir werden die Anzahl der Arbeitsplätze leicht erhöhen.“ Zudem dürfte in technischen Bereichen und im Einkauf aufgestockt werden. Ein Thema sei überdies der Anschluss an das geplante Wasserstoffnetz, „wenn die ökonomischen Rahmenbedingungen gegeben sind“. Aurubis will – ähnlich wie sein Großaktionär Salzgitter bei Stahl und Kokskohle – künftig vermehrt Wasserstoff statt kohlenstoffhaltiger Verbindungen wie Erdgas in bestimmten Prozessen einsetzen. In der Reaktion mit Sauerstoff entsteht so kein klimaschädliches CO2 mehr, sondern Wasserdampf.

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Auch die klassische Metallsparte schlug sich zuletzt gut – konnte dabei jedoch vor allem die Inflation und Knappheit bei wichtigen Ressourcen für sich nutzen. „Das Ergebnis war getrieben durch die extrem hohen Metallpreise, aber auch durch größere Produktabsätze“, erklärte Finanzchef Rainer Verhoeven. Der Umsatz kletterte um fast 14 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro. Andererseits musste Aurubis selber über zwei Drittel mehr für Energie ausgeben. „Und nach wie vor ist für uns eine gute Versorgung mit Erdgas wichtig“, sagte Verhoeven.

Die Aktionäre sollen eine Rekorddividende von 1,80 Euro je Papier erhalten, wegen der geplanten hohen Investitionsausgaben dürfte sie in den kommenden Jahren aber wieder niedriger ausfallen. Ein dicker Batzen der Ausschüttung geht an Deutschlands zweitgrößten Stahlkonzern Salzgitter, der knapp 30 Prozent von Aurubis besitzt – im Salzgitter-Vorsteuerergebnis machte Aurubis bis Ende September ungefähr ein Zehntel aus. Der bereinigte Nettogewinn der Hamburger selbst stieg auf 433 Millionen Euro, nach 284 Millionen im Vorjahr.

Aurubis: Cyberattacke mit glimpflichem Ausgang

Chancen für das künftige Geschäft sieht die Führung vor allem in der Elektrifizierung. „Aus der Kabel- und Automobilindustrie sehen wir eine starke Nachfrage nach unseren Kupferprodukten“, sagte Harings. Langfristig hat Aurubis das Recycling von Batteriematerialien als „bevorzugtes Wachstumsfeld“ auserkoren, eine Pilotanlage läuft seit März. Auch in anderen Bereichen seien die Perspektiven gut, es gebe fast überall einen „Überbedarf an Metallen“. Das treffe etwa auf die Ökostrom-Erzeugung zu – bei Windkrafträdern wie Solaranlagen.

„Wir sehen keine Probleme, unsere Hütten zu versorgen“, sagte Harings mit Blick auf brüchige Lieferketten und die politische Lage seit dem Ukraine-Krieg. Eine direkte Abhängigkeit von der Rohstoff-Großmacht China als Lieferant bestehe für Aurubis nicht. Umgekehrt entfielen auf die Volksrepublik jedoch 15 Prozent des globalen Kupferbedarfs.

Im Oktober war Aurubis Opfer eine Cyberattacke geworden. Inzwischen sei klar, dass diese glimpflich verlaufen sei. Verhoeven bezifferte den Schaden auf unter fünf Millionen Euro. „Wir konnten an allen wesentlichen Hüttenstandorten unsere Produktion aufrechterhalten.“

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