• An der Schmiedekoppel müssen 120 Obdachlose eine vierzehntägige Quarantäne verbringen.
  • Foto: Quandt

Hamburgs härteste Corona-Quarantäne: Wie 120 obdachlose Menschen abgeschottet werden

Niendorf –

Es ist die härteste Corona-Quarantäne Hamburgs: Der Durchschnittsbürger geht im Falle einer Infektion in seinen heimischen vier Wänden in Quarantäne – doch für 120 Obdachlose, die von einem Corona-Ausbruch in einer Notunterkunft in der Friesenstraße betroffen sind, funktioniert das nicht. Sie müssen nun in der ehemaligen Flüchtlingserstaufnahme in der Schmiedekoppel zwei Wochen ausharren – Suchterkrankungen und psychischen Problemen zum Trotz.

Mit großem Aufwand waren sie am Sonntag mit zahlreichen Bussen in die Quarantäne-Unterkunft verlegt worden, seitdem sitzen 120 Obdachlose abgesichert in der Schmiedekoppel. Rund um das Gelände gibt es Zäune und Sicherheitspersonal überwacht die Einhaltung der Quarantäne. „Die Stimmung ist ruhig“, beschreibt Susanne Schwendtke, Sprecherin von Fördern&Wohnen, die Lage. Allerdings muss vor Ort mit einigen Widrigkeiten umgegangen werden. Unter den Menschen sind psychisch angeschlagene Menschen und Suchtkranke. Doch aufgrund der Quarantäne kann sich natürlich niemand selber mit dem versorgen, was er braucht.

Hamburg: Werden Suchtkranke auf kalten Entzug gesetzt?

Droht nun für einige ein kalter Entzug mit gesundheitlichen Risiken? Nein, sagt Martin Helfrich, Sprecher der Gesundheitsbehörde, zur MOPO. „Im Rahmen dieser wie auch bisher schon durchgeführter Quarantänemaßnahmen wird sensibel mit Suchterkrankungen umgegangen. Das bedeutet im Zweifel auch, dass ein kalter Entzug nicht erzwungen würde, wo er medizinisch problematisch wäre.“ Nach MOPO-Informationen ist dies zutreffend, die Obdachlosen werden neben der normalen Verpflegung mit dem versorgt, was sie brauchen, beispielsweise Alkohol.

Wie geht es weiter nach dem Corona-Ausbruch?

Und wie geht es nun weiter? „Gegenwärtig werden Tests durchgeführt und ausgeweitet, auch auf Beschäftigte; es liegen jedoch noch nicht alle Ergebnisse vor“, so Helfrich. Bislang waren bei dem Ausbruch in der Friesenstraße 42 Infektionen festgestellt worden. Es wird die britische Mutation vermutet, bestätigt ist dies jedoch noch nicht. „Sequenzierungen nehmen üblicherweise mindestens sieben Tage in Anspruch, hierfür rechnen wir derzeit noch nicht mit Ergebnissen”, sagte Helfrich. Allerdings spiele dies ohnehin für das weitere Vorgehen keine Rolle, „weil die Weitergabe jeglicher Infektionen, gleich welcher Variante, reduziert beziehungsweise verhindert werden soll“.

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Eine gute Nachricht gibt es auch noch: Die Obdachlosenunterkunft in der Friesenstraße kann nach reichlich Desinfektion und Lüften voraussichtlich am Donnerstag wiedereröffnet werden. Zuletzt waren die Plätze in den Winternotunterkünften aufgrund der Schließung knapp geworden – so hatte zum Beispiel der Kältebus enorme Schwierigkeiten, noch Anlaufstationen zu finden.
 

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