Unsere Reporterin verbringt die Mittagspause in einer Sardinenbüchse.
  • Unsere Reporterin verbringt die Mittagspause in einer Sardinenbüchse.
  • Foto: / Florian Quandt

Hamburgs erstes Kabinen-Hotel: Mittagspause in der Sardinenbüchse

Der Raum ist kaum größer als eine Abstellkammer. Außer einem Bett passt nicht viel rein. Es ist ein Zimmer ohne Schnickschnack. Für Backpacker genau richtig. Das erste „Cabin Hotel“ in Hamburg ist günstig und modern – zugeschnitten auf junge Leute. Doch wie fühlt sich so ein fensterloser Raum an – ohne Tisch, Stuhl und Schrank? Die MOPO machte den Test.

Es ist stockdunkel. Die Hand vor den Augen ist nicht zu erkennen. Lediglich ein kleiner leuchtender Punkt macht auf den Lichtschalter aufmerksam. Kühle Luft weht sachte ins Gesicht, unter der Bettdecke ist es gemütlich und warm. Ein leichtes Rauschen der Lüftungsanlage ist zu hören. Es stört aber nicht.

Die Kabinen sind alles andere als beengend – unsere Reporterin findet es gemütlich.
Die Kabinen sind alles andere als beengend – unsere Reporterin findet es gemütlich.

Hamburger Hotel: „Sehr gemütlich“ finden die Gäste

„Viele denken, die Zimmer seien beengend. Unsere Gäste haben uns aber bisher alle gesagt, dass sie die kleinen Räume sehr gemütlich finden“, sagt Jan Kleinert, Manager des „Cabin Hotels“ in St. Georg. Das Hotel befindet sich in der Brennerstraße – eine eher ruhigere Straße im belebten Viertel nahe des Hamburger Hauptbahnhofes.

Der urbane Look soll vor allem Backpacker anziehen. Das Konzept überzeugt offenbar jedoch auch andere Gäste, mit der die Betreiber gar nicht gerechnet hätten. „Momentan gehören überraschenderweise auch Familien und Geschäftsleute zu unseren Kunden“, sagt Kleinert. „Das hätten wir nicht gedacht.“

Jan Kleinert ist Hotelmanager im „Cabin Hotel“ in St. Georg.
Jan Kleinert ist Hotelmanager im „Cabin Hotel“ in St. Georg.

Es stehen Einzelbetten und Doppelbetten zur Verfügung und immer zwei Zimmer sind übereinander gebaut. Das macht es für Familien interessant. Die Kinder können oben einquartiert werden, die Eltern unten. Eine Nacht in der Einzelkabine kostet 39 Euro. Das Doppelzimmer ist fünf Euro teurer. Es ist eine günstige Alternative zu AirbnB, Hostels und teuren Hotels.

Trend zum Kabinenhotel kommt aus Japan

Das erste Kabinenhotel wurde 1979 im japanischen Osaka eröffnet. Die Räume sind in der Regel nicht größer als ein Bett. Oft sind sie mit einem Fernseher oder Radio ausgestattet. Außerdem gibt es Gemeinschaftsräume, Toiletten, Duschen, Snackautomaten – was braucht man mehr während eines kurzen Städtetrips? Im Laufe der Jahrzehnte wurden die minimalistischen Zimmer aufgrund der niedrigen Übernachtungskosten immer beliebter – vor allem in Japan. Nun schwappt der Trend nach Hamburg.

Hamburger Hotel: Ausstattung der Zimmer

Die Zimmer des „Cabin Hotels“ in Hamburg sind mit Bluetooth-Lautsprechern und Ladestationen für das Smartphone ausgestattet. Aufhängemöglichkeiten bieten Platz für Kleidung. Das Zimmer ist beinahe schalldicht. Bis auf ein paar Geräusche durch das Öffnen und Schließen von Türen ist es mucksmäuschenstill in dem Raum.

Kabelloses Laden sorgt für einen vollen Akku.
Kabelloses Laden sorgt für einen vollen Akku.

Im Keller des Hotels befinden sich die Waschräume. Die Fliesen sind dunkel. Knallige Farben setzen Akzente. An der ein oder anderen Wand verstecken sich gesprühte Kunstwerke. In der oberste Etage ist der Gemeinschaftsraum. Auch dort wird auf Streetart gesetzt: Poster von bekannten Rappern zieren die Wände. Schallplatten stehen aufgereiht auf einem Regal. Ein großer Fernseher kann genutzt werden. Bunte Stühle und Sofas stehen bereit. Die sonnige Dachterrasse lädt zum Chillen ein.

Der Gemeinschaftsraum im „Cabin Hotel“
Der Gemeinschaftsraum im „Cabin Hotel“.

„Wir haben eine Sammlung von Spielen, die ausgeliehen werden können. Am Wochenende veranstalten wir einen gemeinsamen Spieleabend, an dem unsere Gäste teilnehmen und sich austauschen können“, sagt Kleinert. An Getränken und Speisen mangelt es im stylischen Eingangsbereich mit großer Glasfront und urbaner Einrichtung nicht. Die Speisekarte reicht von Burger bis Salate. Cocktails kosten zwischen sechs und zehn Euro. Sicherlich lässt es sich hier gut Kontakte knüpfen.

Hamburger Hotel: Gutes Angebot für einen Städte-Trip

Für einen schmalen Taler wird den Gästen also einiges geboten. Auch wenn sich die kleinen Räume erstmal nach einer Gefängniszelle anhören, sind sie weitaus gemütlicher als so manches WG-Zimmer, das etwa bei Airbnb angeboten wird. Für Menschen mit einer Klaustrophobie dürften sie jedoch nicht geeignet sein, denn die Zimmer haben nicht mal ein Fenster. Für ein paar gemütliche Nächte während eines Städte-Trips, mit der Möglichkeit, andere Reisende kennenzulernen, bietet sich das „Cabin Hotel“ aber optimal an.

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