In einem Hamburger Pflegeheim wird ein Schnelltest vorbereitet (Symbolbild).
  • In einem Hamburger Pflegeheim wird ein Schnelltest vorbereitet (Symbolbild).
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Hamburgs Corona-Rätsel: Überall sinken die Inzidenzen – nur nicht bei uns

Seit Tagen geben die Hamburger Corona-Zahlen Rätsel auf: Die Inzidenz will einfach nicht weiter sinken. Im Vergleich mit anderen Großstädten wie Berlin oder München liegt die Hansestadt mittlerweile im hinteren Mittelfeld. Aber warum kommen wir nicht voran? Die MOPO hat sich auf Spurensuche begeben.

195 Neuinfektionen mit dem Coronavirus vermeldete Hamburg am Donnerstag. Die Sieben-Tage-Inzidenz blieb auf 68,1 stehen. Seit etwa elf Tagen sitzt sie dort zwischen rund 67 und 70 fest.

Hamburgs Corona-Rätsel: Überall sinken die Inzidenzen – nur nicht bei uns

In Deutschland liegt der Gesamtwert derweil schon bei 57. Die meisten Bundesländer und Großstädte verzeichnen sinkende Inzidenzen. Spitzenreiter der Städte ist München mit 28,6 und auch Berlin hat es jetzt unter die 50er Marke geschafft. (Stand 17. Februar).

Trotz sinkender Zahlen steigt jedoch der Anteil der britischen Corona-Mutante. Mittlerweile liegt er bei 22 Prozent – vor drei Wochen waren es noch knapp sechs Prozent. Könnte das der Grund für die Stagnation in Hamburg sein?

Hamburgs Inzidenz: Sind die Corona-Mutationen Schuld?

„Es sprechen jetzt jedenfalls keine Ergebnisse dafür, dass das allein auf Mutationen zurückzuführen ist“, sagte Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) zu den Ursachen der anhaltend hohen Zahl von Neuinfektionen. 

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD)

Melanie Leonhard (SPD), Gesundheitssenatorin.

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dpa

Es habe eine Reihe von Corona-Ausbrüchen gegeben, die auf Pendlerbewegungen zurückgingen. „In den Metropolen geht es zuerst hoch und am langsamsten wieder runter, gerade in einer mit 200.000 Einpendelbewegungen pro Tag“, sagte Leonhard. Die ansteckenderen Corona-Mutationen sind bisher elf Mal in der Stadt nachgewiesen worden, davon neunmal die britische Variante.

Hamburger Institut: Die Suche nach den Mutanten

Das Heinrich-Pette-Institut (HPI) am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) soll die Mutationen in Hamburg noch genauer unters Mikroskop nehmen. Rund 4000 der in Hamburg auftretenden Corona-Fälle – etwa zehn Prozent – wird das Institut auf die Mutanten hin untersuchen. 

Die Untersuchung eines Falls, eine sogenannte Genomsequenzierung, dauert in der Regel etwa eine Woche. Bis mehr Klarheit über die Verbreitung der Mutanten in der Hansestadt herrscht, kann also noch Zeit vergehen.

Neuinfektionen vor allem bei jüngeren Hamburgern

Was jetzt schon auffällt: Die Zahl der Infizierten in Hamburgs Pflegeheimen und Krankenhäusern sinkt. Die meisten neuen Fälle in der vergangenen Kalenderwoche ließen sich vor allem auf jüngere Altersgruppen zurückführen.

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Die größte Gruppe an Infizierten findet sich bei den 15-19-Jährigen (251 Fälle), gefolgt von den 20-29-Jährigen (215 Fälle). Aber wo stecken die sich jetzt noch an? Auf Nachfrage der MOPO sagt die Hamburger Sozialbehörde: „Ein vermehrtes Ausbruchsgeschehen an Kitas oder Schulen können wir nicht bestätigen.“

Der Appell der Hamburger Sozialbehörde

Bisher soll bei einem Ausbruch in einer Altonaer Kita die Corona-Mutante bei mehreren Erziehern und zwei Kindern nachgewiesen worden sein. In einem weiteren Verdachtsfall in einer Eimsbütteler Kita hole das zuständige Gesundheitsamt noch Informationen ein.

Der größte Anteil an Neuinfektionen geht laut der Sozialbehörde auf private Haushalte zurück. Die Behörde wiederholt daher den Appell an alle Hamburger, sich an die bestehenden Regeln zu halten.

Hamburg: Keine neuen Maßnahmen in Planung

Sollte sich das Infektionsgeschehen in Hamburg nicht verlangsamen, plant der Senat zunächst keine neuen Maßnahmen. „Wir haben mit unserem Regelungskorsett in Hamburg kaum noch eine Möglichkeit, Kontakte noch weiter einzuschränken“, sagte Leonhard.

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Hamburg sei auch nicht unter den ersten Bundesländern, die die Schulen und Kitas wieder öffneten. Die geplante Öffnung der Friseursalons sei keine Idee aus Hamburg gewesen. An den Schulen und Kitas gibt es zurzeit nur einen Notbetrieb.

Ausblick für Schulen und Kitas

Eine Öffnung der Schulen vor den Ferien in der ersten Märzhälfte hat Schulsenator Ties Rabe (SPD) ausgeschlossen. Über die Kitas will Leonhard Ende Februar mit den Trägern, Erzieherinnen und Eltern sprechen. Womöglich könnte es einen eingeschränkten Regelbetrieb ab der zweiten Märzwoche geben, sagte die Sozialsenatorin.

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