• Eine bessere Welt macht Spaß: Carolin Stüdemann (r.) traf Miriam Sewalski auf ein Wasser in Ottensen.
  • Foto: Quandt

Hamburger Unternehmerin:: „Faire Produktion ist wichtiger als ein trendy Label“

Umweltzerstörung, Ausbeutung, Klimawandel – eins ist klar: So wie jetzt können wir nicht weitermachen. Doch wie kann jeder von uns helfen, eine soziale und ökologische Zukunft zu kreieren? Und wer in und um Hamburg macht das schon jetzt? Die MOPO stellt gemeinsam mit „Viva con Agua“-Geschäftsführerin Carolin Stüdemann in der Serie „Auf ein Wasser mit …“ Unternehmer*innen und Vordenker*innen vor, die eine bessere Welt schaffen.

Miriam Sewalski ist seit 2013 Geschäftsführerin beim Avocadostore, einem Online-Marktplatz für ausschließlich nachhaltige und umweltfreundliche Produkte. Ziel von Avocadostore ist es, den Kunden für jedes konventionelle Produkt eine grüne Alternative anzubieten. Außerdem hat Miriam Sewalski dieses Jahr das Buch „Nachhaltig leben JETZT“ herausgebracht. Carolin Stüdemann möchte von ihr wissen, welche positiven Effekte ein nachhaltiger Lebensstil haben kann und was sie selbst in ihrem Alltag umsetzt.

Carolin Stüdemann: Miriam, den Avocadostore gibt es seit zehn Jahren. Was war damals der Anlass, einen Online-Marktplatz für nachhaltige Produkte zu eröffnen?

Miriam Sewalski: Vor 10 Jahren gab es nur einige kleine Label, die T-Shirts und Pullover aus Bio-Baumwolle hergestellt haben, aber es war schwierig, sie zu finden. So ist die Idee entstanden, eine Online-Plattform zu schaffen, wo Label einfach und risikolos online verkaufen können und Konsument*innen unter einer Adresse eine große Auswahl nachhaltiger Produkte finden.

Ihr habt zehn Nachhaltigkeitskriterien aufgestellt und den Anspruch, für jedes konventionelle Produkt eine nachhaltige Alternative anzubieten. Wie funktioniert das genau?

Die Kriterien sind beispielsweise „ressourcenschonende Herstellung“, „recycelt & recycelbar“, „vegan“ oder „Rohstoffe aus Bioanbau“. Jedes Produkt muss mindestens einem der Kriterien entsprechen, meistens sind es aber 2 bis 5 Kriterien, die erfüllt sind. Nachhaltig ist eben nie schwarz oder weiß, sondern leider oft komplex. Deswegen ist unser 11. Kriterium der gesunde Menschenverstand! Wichtig ist dabei: wir sind kein Testinstitut! Wir sehen unsere Aufgabe darin, Transparenz für unsere Kund*innen zu schaffen und Orientierung zu geben, sodass es jedem möglich ist, selbst zu entscheiden, welches Produkt infrage kommt.

Es heißt immer, dass Nachhaltigkeit teurer ist. Stimmt das?

Nachhaltiger Konsum hat nur bedingt etwas mit dem Preis zu tun. Es geht auch darum, weniger, aber qualitativ hochwertig einzukaufen. Wir fragen oft, warum „bio“ so teuer ist, ich finde aber, wir sollten häufiger hinterfragen, warum herkömmliche Produkte so billig sind. Es geht darum, den Wert von Dingen neu zu definieren. Eine faire und umweltfreundliche Produktion zu unterstützen, ist mir allerdings mehr wert als ein trendy Label zu tragen.

Warum fällt es Menschen schwer, auf einen nachhaltigeren Lebensstil zu achten?

Weil Nachhaltigkeit leider doch eher kompliziert ist. Es gibt selten eindeutige Antworten, meistens ist „es kommt darauf an“ richtig. Ein schönes Beispiel ist die Biogurke in Plastikfolie. Plastik ist eigentlich doof, aber in diesem Fall trägt es dazu bei, dass die empfindliche Biogurke länger hält und verkauft werden kann, bevor sie schlecht wird. Außerdem fällt es Menschen schwer, ihre Gewohnheiten zu ändern.

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In deinem Buch zeigst du sehr einfache Wege auf, wie man Nachhaltigkeit in den Alltag integrieren kann. Womit kann man anfangen?

Kleine Schritte bringen viel und man darf auch nicht zu streng zu sich sein. Wer offen ist für Informationen, dem fällt es meist leichter, die nachhaltigere Variante zu wählen. Wenn man zum Beispiel weiß, was Monokulturen und Pestizide mit Böden und Menschen machen, fällt es leichter, ein paar Euro mehr für Bioprodukte auszugeben oder sich die Mühe zu machen, auf dem regionalen Markt einzukaufen. Es gibt ein paar einfache Regeln, die einem wirklich im Alltag helfen: regional und saisonal statt Übersee, bio und fair statt konventionell, Mehrweg statt Einweg und lieber Qualität als günstige Produkte kaufen.

Wie schaffst du es persönlich, dein Leben nachhaltig zu gestalten?

Bei vielen Menschen ist das Thema Nachhaltigkeit ein Prozess, so war es auch bei mir. Es fing zuerst mit Mode an, dann begann ich mein eigenes Gemüse anzubauen und mich gesünder zu ernähren. Ich achte auf Inhaltsstoffe, Produktionsketten und Ressourcenverbrauch. So versuche ich zum Beispiel auch Produkte mit hohem virtuellem Wasserverbrauch wie Rindfleisch, Kaffee oder Avocados zu meiden oder nur sehr bewusst zu konsumieren. Meistens fahre ich Fahrrad oder Öffis und habe mir bewusst kein Auto angeschafft. Innerhalb Europas versuche ich nicht zu fliegen, sondern nutze die Bahn. Momentan versuche ich noch weniger Lebensmittel mit Plastik einzukaufen, was dank Homeoffice für mich gut funktioniert, weil ich in Ottensen wohne und es mehrere Wochenmärkte gibt und auch einen Unverpackt-Laden.

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