Tierskulptur
  • Die „Hamburger Stadtmusikanten“ an der Alster sind ein Protest gegen Tierversuche.
  • Foto: / Patrick Sun

„Hamburger Stadtmusikanten“: Rätsel um Skulptur an der Alster

Ein Hund, auf seinem Rücken ein Affe, darauf ein Kaninchen und ganz oben eine Ratte: Seit Mittwoch steht eine Skulptur auf der Picknickwiese an der Außenalster, aufgestellt in einer nächtlichen Aktion von unbekannten Tierschützern. Die „Hamburger Stadtmusikanten“ sollen ein Protest gegen Tierversuche sein.

Sehr lebendig wirken die Tierfiguren des unbekannten Künstlers oder der Künstlerin, die Skulptur ist schwer, mutmaßlich gar aus Bronze. Der Sockel ist in die Erde eingelassen, es gibt eine Gedenkplatte: „Gewidmet allen Opfern der Tierversuche weltweit“, sogar chinesische Schriftzeichen sind eingraviert.

In einem „Bekenner:innenschreiben“ heißt es auf der Seite hamburger-stadtmusikanten.org: „Wir, die Geister der getöteten Versuchstiere, haben am 12. Oktober 2021 auf der Picknickwiese Uhlenhorst / Schöne Aussicht ein Mahnmal für die Opfer der Tierversuche aufgestellt. Es sind die Hamburger Stadtmusikanten.“ Dazu ein Foto: Ein Mensch mit Kapuzenpulli, das Gesicht hinter einer Hasenmaske verborgen, hockt neben der Plastik.

Mensch mit Hasenmaske
Ein anonymer Aktivist neben der Skulptur.

Der Hintergrund der aufwändigen Kunstaktion wird in kleinen Heften erklärt, die die anonymen Aktivisten vor Ort an Bäume gebunden haben. Darin zu lesen: „Die Hamburger Stadtmusikanten – ein aktuelles Märchen, inspiriert von den Brüdern Grimm“. Erzählt wird darin die Geschichte des Versuchshundes, der aus dem Qual-Labor des Unternehmens LPT (inzwischen umbenannt in Provivo Biosciences GmbH und Co. KG) entkommt. Der Hund trifft den Affen, der für ein Versuchslabor in Bremen bestimmt war, das Kaninchen, an dessen Augen Kosmetik getestet werden sollte und schließlich die Ratte, die sich aus einem Labor gerettet hat.

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Und wie die Bremer Stadtmusikanten macht sich auch das Hamburger Tierquartett in dem Märchen auf den Weg nach dem Motto „Etwa besseres als den Tod finden wir überall.“

In Deutschland werden Tierversuche nach konservativen Schätzungen mit mindestens vier Milliarden Euro gefördert, Forschung an Alternativen mit rund 20 Millionen, heißt es auf der Seite der Tierversuchsgegner. Mindestens drei Millionen Versuchstiere sterben alljährlich, so die Tierschützer.

Mann fotografiert Standbild
Das Standbild stößt auf viel Sympathie bei den Passanten.

Bei den Passanten stößt das „Denkmal“ auf Sympathie, viele bleiben stehen, machen Fotos. „Das sollte hier stehen bleiben“, fordert eine Spaziergängerin. Vor dem Standbild hat jemand ein paar Heidepflanzen in die Erde gesetzt. Werden die „Hamburger Stadtmusikanten“ an der Alster geduldet? Vom Bezirk Nord heißt es vage: „Wir prüfen zunächst, ob von der Skulptur eine Gefährdungslage ausgeht.“

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