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  • Die Nacht gehört den Künstlern. Mit seinen Stencil-Graffiti macht Neal die ganze Stadt zu einer Ausstellung. 
  • Foto: neal_hamburg

Hamburger Sprayer: Neal: „Ich bin noch nie erwischt worden“

Ein neues Graffito schmückt seit etwa zwei Monaten eine Wand der Kunsthalle Hamburg in der Nähe der Statue „Der junge Reiter“. Eine Hommage an das Werk „Escaping Criticism“ des spanischen Künstlers Pere Borrell del Caso. Der Straßenkünstler „Neal_Hamburg“, der sich zu dem Bild bekannt hat, postet seit 2014 Fotos seiner gesellschaftskritischen Arbeiten auf Instagram. Er hat der MOPO verraten, was es mit seiner Kunst auf sich hat.

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Das Bild an der Südseite der Kunsthalle: „Es ist eine interessante und gut gemachte kleine Arbeit“, sagt Alexander Klar, Direktor der Kunsthalle.

Foto:

neal_hamburg

Neal war zuerst etwas zurückhaltend. Interviews sind nicht unbedingt etwas, auf das Straßenkünstler gerne eingehen. Zu viele Informationen preiszugeben, birgt immer auch das Risiko, strafrechtlich verfolgt zu werden. Auch sein Alter möchte Neal nicht verraten. Der junge Mann, der in den Videos zu sehen ist, ist schätzungsweise 20 bis 25 Jahre alt. 

Neal, wie lange sprayst du schon, hast du schon immer mit Schablonen gearbeitet?

Ich bin seit etwa 2012 dabei. Ich habe früher Graffiti, also Schriftzüge gemacht, aber die sind nicht der Rede wert, ich war nie richtig aktiv dabei.

Die Motive, die du sprayst, sind oft aktuell und gesellschaftskritisch. Hast du ein Vorbild?

Ein Vorbild habe ich nicht, ich weiß aber, worauf die Frage hinausläuft und ich kann nicht abstreiten, dass Banksy mich beeinflusst hat, aber ich orientiere mich eher an Künstlern aus Deutschland. Maler wie Razor oder Moses und Taps finde ich viel beeindruckender. Die sind für mich wahre Künstler. Die malen Bilder auf Züge – die würde ich nicht mal an einer legalen Wand zustande bekommen.

Was ist dein Lieblingsmotiv und warum?

Mein Lieblingsmotiv ist definitiv ein Strichmännchen, bzw. ein Strichweibchen, welches ich auf einen Container gemalt habe. Es gibt viele, die behaupten, ich sei kein richtiger Künstler, und ich kann dem nur zustimmen: Ich würde mich nie als einen bezeichnen. Das einzige, was ich gut kann, ist Schablonen schneiden, dafür bedarf es keinerlei Talent. Um zu beweisen, wie gut ich ohne Schablonen malen kann, habe ich dieses Motiv gemalt und mit dem Text ergänzt: „And you thought, I am not talented“. Die Vorgabe für dieses Motiv stammt übrigens von meiner Nichte, die ist sieben Jahre alt.

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Foto:

neal_hamburg

Schon mal beim Sprayen erwischt worden?

Ich habe früher immer alleine gemalt, es gab allerdings oft Situationen, wo es besser gewesen wäre, wenn man einen dabeigehabt hätte, der aufpasst. Es kommt also auch mal vor, dass mir jemand bei meinen Bildern hilft und die Situation „sichert“, aber wenn das nicht möglich ist, gehe ich auch alleine los. Ich bin noch nie erwischt worden und habe auch nicht vor, das zu ändern.

Einige finden sicher nicht gut, was du machst. Wie gehst du mit Kritik um?

Kritik ist grundsätzlich etwas Gutes und ich nehme diese auch gerne an, wobei ich meist eher Kritik dafür erhalte, dass meine Bilder unsauber sind, was mich nicht sonderlich stört, die Menschen, die so etwas äußern, machen sich mehr Gedanken über meine Bilder als ich selber. Grundsätzlich sollten man meine Kunst nicht so ernst nehmen, ich tue es auch nicht.

Darf Kunst alles, darf Kunst auch mal hart sein?

„Ich denke schon, dass Kunst alles darf, aber man kann auch Grenzen überschreiten, dass kommt immer auf den Künstler selber an, was er damit ausrücken möchte und ob er bewusst provozieren möchte. Aktuell hat man das Gefühl, dass die Menschen einfach komplett durchdrehen und bereit sind, eine Partei wie die AFD oder einen völlig geisteskranken Menschen wie Donald Trump zu wählen.“