Sandra Willems (41) ist alleinerziehende Mutter. Sie findet, dass Alleinerziehende zu oft vergessen werden.
  • Sandra Willems (41) ist alleinerziehende Mutter. Sie findet, dass Alleinerziehende zu oft vergessen werden.
  • Foto: Patrick Sun

Hamburger Mutter sauer: Corona-Kinderbonus: So werden Alleinerziehende benachteiligt

Rahlstedt –

„Ich finde das einfach nur ungerecht!“ Die Hamburgerin Sandra Willems (41) ist alleinerziehend und ziemlich sauer. Seit September wird der „Kinderbonus“ der Bundesregierung ausgezahlt. Dieser sieht für Familien einmalig 300 Euro für jedes Kind mit Kindergeldanspruch vor. Für Alleinerziehende gibt es allerdings einen Haken — für Willems keine Überraschung. 

„Ich habe mich so gefreut, als ich davon gehört habe“, erzählt die Hamburgerin aus Rahlstedt-Oldenfelde der MOPO. Ihre zwei Töchter sind drei und dreizehn Jahre alt, seit acht Jahren lebt sie getrennt vom Vater des Teenagers. „Ich dachte, ich könnte mir mal etwas zur Seite legen und vielleicht sogar mit meinen Kindern irgendwann in den Urlaub fahren.“

Corona-Kinderbonus: Alleinerziehender Mutter wütend

Doch dann bekam sie einen Brief vom Bezirksamt. „Der Unterhaltszahlende darf die Hälfte des Kinderbonus von seiner Unterhaltszahlung abziehen“, sagt sie. „Das heißt, ich als Alleinerziehende habe mal wieder das Nachsehen, weil vor allem intakte Familien von dem Bonus profitieren.“ Die Hälfte der Bonuszahlung kann von der Summe des Unterhalts abgezogen werden.

Konkret heißt dies, dass, sofern der Unterhaltspflichtige von dem Recht Gebrauch macht, 150 Euro bei der Unterhaltszahlung abgezogen werden können. Der Bonus wird allerdings nicht geteilt überwiesen. Den Betrag erhält das Elternteil, das auch das Kindergeld bekommt. Die Teilung der Summe kann deshalb nur indirekt erfolgen.

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Willems empfindet das als unfair. „Die Kinder leben beide bei mir — auch in der harten Corona-Zeit, als die Schulen und Kitas geschlossen waren. Ich hatte den ganzen Mehraufwand dafür, dass der Unterhaltspflichtige sich die Hälfte einstecken kann!“, sagt sie wütend.

Es sei in dieser Zeit ein besonderer Spagat in der Betreuung ihrer Töchter gewesen. „Die Kleine brauchte natürlich viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung, deswegen hat sich die Große  teilweise sehr benachteiligt gefühlt.“

Alleinerziehende in Hamburg: „Nicht die erste Situation der Benachteiligung“

Aber der Kinderbonus ist nicht die einzige Situation, in der sie als alleinerziehende Mutter Benachteiligung erfahre: Willems wohnt mit ihren Töchtern in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung — sie selbst schläft im Wohnzimmer. „Mir ist es wichtig, dass meine Kinder eigene Zimmer haben“, so die 41-Jährige, die als Sozialassistentin in einer Kita arbeitet. Eine größere Wohnung könne sie sich auf dem derzeitig angespannten Wohnungsmarkt eben nicht leisten. 

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Und dann sind da auch noch die Krankentage. „Meine Töchter waren letztes Jahr sehr oft krank“, erinnert sie sich. „deshalb musste ich so gut wie alle mir zur Verfügung stehenden Kinderkrankentage nehmen.“ An diesen Tagen bekomme sie allerdings lediglich 67 Prozent ihres Gehalts. „Nur weniger Geld zu bekommen, weil man seine kranken Kinder zu Hause pflegt ist hart“, sagt sie. Die Differenz zahle ihr schließlich niemand.

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Laut den aktuellsten Zahlen lebten im Jahr 2018 mehr als 46.000 Alleinerziehende in Hamburg, 91 Prozent davon waren weiblich. Die Stadt Hamburg fördert unter anderem Organisationen wie den Träger „Alleinerziehenden Treffpunkt und Beratung e.V.“ (ATB), der zum Beispiel Erziehungsberatung, psychologische und soziale Beratung anbietet.

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Im Sommer hatte die Bundesregierung den Corona-Kinderbonus als einmalige Erhöhung des Kindergeldes beschlossen, um die Folgen der Coronakrise für Familien abzumildern.

Davon profitiert allerdings nicht jede Familie, da die Zahlungen zusätzlich bei der Einkommensteuer verrechnet werden — wie das Kindergeld mit dem Kinderfreibetrag. Je höher also das Einkommen, desto weniger bleibt vom Bonus übrig.

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