Das Roschinsky's hat jetzt einen Biergarten vor der Tür.
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Hamburger Kiez und Corona : Bar will Existenz mit Zelt retten – aber Bezirk lehnt ab

St. Pauli –

Der Sommer geht, aber Corona bleibt. Für Hamburgs Gastronomie wird das zum Problem: Denn während heute noch viele Menschen gern draußen sitzen, laden die Außenbereiche von Hamburgs Bars und Restaurants beim typischen Hamburger Schietwetter kaum zum Verweilen und Konsumieren ein. Doch wenn das Geschäft der Außenbereiche wegbricht, kann das für einige Gastronomen die Pleite bedeuten.

So auch für das „Roschinsky’s“ auf dem Hamburger Berg. Im Juli wurde auf dem Parkplatz vor der Bar ein Außenbereich mit 75 zusätzlichen Plätzen eingerichtet. Trotz dieses Angebotes kann die Kiez-Bar insgesamt weniger Gäste bewirten als vor der Pandemie – aber immerhin verhindern die Einnahmen gerade so die Pleite. „Das Roschinsky’s kommt derzeit bei plus-minus Null raus“, erklärt die Pressebeauftragte der Bar, Barbara Wetzer, der MOPO. Der Inhaber des Ladens lebe nur noch von seinen Rücklagen. 

Roschinsky’s: Bezirksamt Mitte lehnte die Aufstellung eines Zeltes ab

Derzeit stehen in dem kleinen Biergarten noch Sonnenschirme – doch die helfen kaum gegen Wind und Kälte. Die Geschäftsführung hatte deshalb eine Idee: Ein Zelt soll die Gäste zumindest an den Seiten und zur Straße hin vor Wind schützen. Dazu sollten Stehtische die Sitzplätze ersetzen. Ein bisschen wie auf einem Weihnachtsmarkt, so stellt sich Peddy Kleis, Mitglied der Geschäftsführung, das Ambiente im Winter vor.

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Doch nun hat das Bezirksamt Mitte zwar eine Verlängerung der Außenbereichsfläche genehmigt, ein Zelt jedoch nicht. Die Begründung: Das Zelt würde die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs behindern. Peddy Kleis kann das nicht verstehen, denn der Platz, wo das Zelt stehen würde, sei doch schon jetzt vom „Roschinsky’s“ belegt. „Ich hätte Verständnis dafür, wenn wir die Sichtbarkeit einer Kreuzung behindern würden“, sagt sie zur MOPO. Das sei hier aber nicht der Fall. Außerdem würde das Zelt die Kasse der Stadt nicht belasten, sondern Arbeitsplätze und die Vielfalt der Hamburger Gastronomie sichern. 

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Roschinsky’s-Inhaber Frank Hoffmann (56, v.l.) und Barkeeper Mary (31) und Flo (30) müssen durch Corona viele Hürden überwinden.

Foto:

Quandt/ Florian Quandt

Sorina Weiland, Pressesprecherin des Bezirksamts Mitte, sagt zur MOPO, dass das Amt die Verteilung von Sondergenehmigungen für Gastronomen bislang sehr großzügig gehandhabt habe. Zelte würden jedoch eine Sichtbehinderung darstellen – und sich somit auf die Verkehrssicherheit auswirken. Außerdem müsse auch dem Gleichbehandlungsgrundsatz gefolgt werden: Wenn einem Gastronomen die Aufstellung eines Zeltes erlaubt sei, würden dies auch andere verlangen – und viele Zelte würden Behinderungen im öffentlichen Raum darstellen.

Hamburger Gastronomin wünscht sich Aufmerksamkeit für das Problem

Dem Roschinsky’s bleibt derzeit wohl nur die Möglichkeit, Widerspruch gegen den Bescheid des Bezirksamtes einzulegen. Peddy Kleis hat aber keine großen Hoffnung, dass das Zelt doch noch aufgestellt werden darf. „Uns geht es auch nicht darum, das Bezirksamt Mitte anzugreifen“, sagt sie. „Aber die Problematik braucht Beachtung und eine Lösung. Denn wir sind ja nicht die einzigen Gastronomen, die das betrifft.“

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Kleis möchte diese Problematik ins Bewusstsein des Hamburger Senats bringen. Denn derzeit bleibt die Frage, wie Hamburgs Gastronomen ohne winter- und wetterfeste Außenflächen überleben können, offen.  

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