• Das Berliner „Funkhaus Grünau“ wurde 1929/30 im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet.
  • Foto: Zukunft in Gruenau

Hamburger Investor lässt dieses Baudenkmal verfallen

Engagierte Berliner Denkmal-Retter sind stinksauer auf einen bekannten Hamburger Investor. Sie werfen ihm vor, das Funkhaus Grünau verfallen zu lassen, um durch Grundstücksspekulationen Millionen zu machen. Der Investor mit Sitz an der Rothenbaumchaussee weist die Vorwürfe zurück.

Das Funkhaus Grünau ist 1930 als „Sporthaus“ für die Danat-Bank errichtet worden. Im Erdgeschoss des Gebäudes befand sich ursprünglich die Bootshalle. Im ersten Stock gab es einen Festsaal und im dritten Obergeschoss eine Turnhalle. Ab 1934 turnten hier die Mitarbeiter der Dresdner Bank oder ruderten auf der ans Grundstück angrenzenden Dahme.

Gebäude war Standort von DDR-Geheimsendern

Während des Zweiten Weltkriegs wiederum wurde aus dem Sportgebäude ein Reserve-Lazarett. Ab 1945 wechselten sich dann die Nutzungen ab. 1946 befand sich hier der „Berliner Rundfunk“ der Sowjetischen Militäradministration. Nach der DDR-Gründung wurde es geheimnisvoll. Aus Anlass des KPD-Verbots in der Bundesrepublik sendete von hier aus nämlich der „Deutsche Freiheitssender“. Bis 1971 versorgte dieser konspirative Sender die Kommunisten in Westdeutschland mit Informationen.

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Nach Gründung der Nationalen Volksarmee der DDR 1956 wurde es noch geheimer. Der „Deutsche Soldatensender 935“ versuchte aus dem Funkhaus Grünau heraus Bundeswehrsoldaten zu indoktrinieren. Bis 1972 lief die Propaganda, danach wurden im Funkhaus Radio-Mitarbeiter oder Nachrichtentechniker ausgebildet.

Hamburger Investor kaufte Immobilie für Spottpreis

Ein Haus mit bewegter Geschichte also, um das es hier geht. Nach der Wende gab es verschiedene Nutzer und 2008 ersteigerte ein Hamburger Investor das Bauwerk an dem Wassergrundstück für 655.000 Euro. Das ist natürlich ein lächerlicher Betrag für so eine Immobilie. Doch die Nutzung ist auf „Wassersport“ beschränkt – so der Bebauungsplan.

Der Baustil des Funkhauses Grünau wird auch „Backstein-Expressionismus“ genannt.
Der Baustil des Funkhauses Grünau wird auch „Backstein-Expressionismus“ genannt.

Vielleicht ist das der Grund, warum der Investor nichts oder sehr wenig investierte und das Funkhaus zu einem „Lost Place“ wurde. Den will allerdings der Eigentümer nun verkaufen. Die Preisforderung beträgt angeblich zehn Millionen Euro.

Die Vereine „Zukunft in Grünau“ und „Ortsverein Grünau“ prangern die Grundstücksspekulation an. Erstgenannter Verein schrieb der MOPO: „Das Funkhaus Grünau ist zum Schandfleck aus Hamburg bei uns in Berlin verkommen.“ Der Köpenicker SPD-Politiker Robert Schaddach hat im Januar dieses Jahres einen Antrag auf Enteignung gestellt, weil der Eigentümer die denkmalgeschützte Immobilie gezielt verfallen lasse.

Die MOPO konfrontierte die Eigentümer-Firma „Erste Hanseatische Projektmanagement GmbH“ (EHP) mit den Vorwürfen. In ihrem Namen äußerte sich ein Anwalt, sagte, man spreche mit Behörden über die Gestaltung des Areals. Laut Angaben aus Berlin soll hinter der EHP der bekannte Hamburger Investor Prof. Dr. h. c. Thomas J. C. Matzen stecken. Der Ehrendoktor der TU Harburg bebaut derzeit den Feldstraßen-Bunker mit einem „Stadtgarten“ und einem Hotel.

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