Ärzte und ein Patient im Hamburger Gesundheitsmobil
Ärzte und ein Patient im Hamburger Gesundheitsmobil
  • Normalerweise versorgt das Gesundheitsmobil Obdachlose, Prostituierte oder Drogenabhängige, doch das Klientel scheint sich verändert zu haben.
  • Foto: picture alliance/dpa/Georg Wendt

Hamburgs mobiles Ärzte-Team besorgt: So ändert sich das Klientel

Seit vielen Jahren fährt das Hamburger Gesundheitsmobil Orte an, an denen Obdachlose, Prostituierte, Flüchtlinge und Drogenabhängige medizinische Hilfe brauchen. Seit einiger Zeit stehen aber auch andere Menschen vor den Türen, weiß der Koordinator des Mobils: Selbstständige ohne Krankenversicherung.

Offene Wunden versorgen, Medikamente für chronische Krankheiten verteilen, zu hohen Blutdruck behandeln – das Hamburger Gesundheitsmobil ist seit 2018 in der Hansestadt unterwegs, um Menschen ohne Krankenkassenkarte medizinisch zu versorgen. Bislang wurden von dem rund 23-köpfigen Team aus Ärzten aller Fachrichtungen vor allem Obdachlose, Prostituierte, Flüchtlinge und Drogenabhängige behandelt, wie der medizinische Koordinator des Gesundheitsmobils, Ronald Kelm, der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg sagte. Seit einigen Monaten jedoch verändere sich die Klientel.

Hamburger Gesundheitsmobil: Immer mehr Unversicherte

„Da ist ein sehr starker Anstieg erkennbar. Wir sehen das Phänomen, dass wir plötzlich Selbstständige hier haben, die ihre Krankenkasse nicht mehr bezahlen können“, sagte Kelm. Seiner Meinung nach berge das Thema sozialpolitische Sprengkraft von einer enormen Dimension. Diese Entwicklung hat dem Krankenpfleger und Pflegedienstleiter zufolge nachvollziehbarerweise auch mit Corona zu tun. Konkrete Zahlen lagen ihm nicht vor. Auch die Kassenärztliche Vereinigung sowie das Statistikamt Nord hatten keine auswertbaren Versichertenzahlen vorliegen.

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Die Corona-Krise hat zudem anscheinend auch Einfluss auf die Art der Krankheiten und Verletzungen, die von dem Ärzteteam behandelt werden. „Das Thema häusliche Gewalt kommt mittlerweile häufiger vor. Wir haben zuvor noch nie so viele Fäden gezogen und Klammern entfernt wie im Moment“, so Kelm. Auch habe die Respektlosigkeit sowie die Gewalt gegen Obdachlose zugenommen.

Auch die Art der Behandlung verändert sich: „Mehr häusliche Gewalt“

Außerdem seien die Art der zu behandelnden Krankheiten anders als noch vor Corona: „Die Ärzte behandeln weniger Atemwegserkrankungen. Bronchitis, Lungenentzündung, TBC – das haben wir vorher viel häufiger gesehen. Und wir sehen mittlerweile mehr Menschen, deren chronische Krankheiten wie Bluthochdruck oder Herzschwäche schlecht medikamentös eingestellt sind.“

Das Gesundheitsmobil wird vom Verein Cafée mit Herz betrieben. Zudem sind auch die Bergedorfer Engel am umgebauten Rettungswagen und unterstützen die Bedürftigen mit Kleidung, Schlafsäcken und Isomatten. (dpa/alu)

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