Mitarbeiter in Hamburg bereiten die Räume einer Intensivstation vor. In den Kliniken ist die Angst vor einer Triage groß (Archivfoto).
  • Mitarbeiter in Hamburg bereiten die Räume einer Intensivstation vor. In den Kliniken ist die Angst vor einer Triage groß (Archivfoto).
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Hamburger Chefarzt warnt vor Lockerungen: Schwerstkranke immer jünger – Triage droht

Harburg –

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Hamburg bleibt auf einem hohen Niveau. Am Samstag sind laut Sozialbehörde 402, am heutigen Sonntag 297 neue Corona-Fälle registriert worden. Medienberichten zufolge warnen Chefärzte der Asklepios-Klinik Harburg eindringlich vor Lockerungen und betonen, die schwerst erkrankten Patienten werden immer jünger. 

In einem Interview mit dem „Abendblatt“ sagt Dr. Martin Bachmann, Chefarzt im Asklepios-Klinikum Harburg: „Wir behandeln nun sogar einen durchtrainierten jungen Mann Ende 20 ohne Vorerkrankungen mit schwerem Lungenversagen.“ Das sei vorher nicht so gewesen. Die Patienten seien seltener über 80, dafür erkranken mehr Mittdreißiger und Mittvierziger. 

Corona in Hamburg: Fokus verschiebe sich auf Nichtgeimpfte

Grund dafür seien die Impfungen. Der Fokus verschiebe sich nun auf die Nichtgeimpften. Inzwischen seien Patienten in der Altersgruppe 50 bis 80 die Betroffensten. Gäbe es die Impfungen jedoch nicht, hätten wir Situationen wie in Italien oder New York im Frühjahr 2020. 

Der Intensiv-Mediziner betont außerdem, dass ein härterer Lockdown nötig sei. Auf keinen Fall dürfen Maßnahmen gelockert werden. Ohne den Lockdown wären die Hamburger auf dem Weg in den Urlaub, sagt Bachmann. 

Chefarzt in Hamburg: „Wir sind am Rande einer Triage“

„Wir sind am Rande der Triage“, so der Chefarzt weiter. Diese Priorisierung der Kranken nach Überlebenschancen ist die Horrorvorstellung für Ärzte und Kliniken.

Die Logistik sei schwierig, sagt Bachmann dem Bericht zufolge. Personen können nicht überall in Norddeutschland ohne Weiteres beatmet werden oder im Extremfall mit einem Lungenersatzverfahren versorgt werden. Die Luft bis zum Katastrophenmodus sei dünn. 

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Die aktuellen freien Kapazitäten lägen laut Bachmann bei schätzungsweise zehn Prozent und noch zusätzlichen Reserven. Knapp werden jedoch nicht die Intensiv-Betten, sondern das Personal. „Wir brauchen die bestausgebildeten Mitarbeiter für die Covid-Patienten, die bekommen sie nicht so schnell“, so Bachmann zum „Abendblatt“.

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