Die „Dilbar“ liegt derzeit im Hamburger Hafen
  • Luxus pur: Die „Dilbar“ liegt derzeit im Hamburger Hafen
  • Foto: Florian Quandt

paidHamburger Behörde stellt klar: Oligarchen-Yachten wurden nicht beschlagnahmt!

„Es gibt keine beschlagnahmten Yachten im Hamburger Hafen.“ Mit diesen Worten weist Susanne Meinecke, Sprecherin der Hamburger Wirtschaftsbehörde, auf MOPO-Nachfrage anderslautende Berichte zurück. Obwohl einer der russischen Oligarchen inzwischen namentlich auf der EU-Sanktionsliste steht, kann man ihm sein schwimmendes Luxusspielzeug offenbar nicht einfach wegnehmen.

„Luna”, „Solandge” und „Dilbar” heißen die drei russischen Mega-Yachten, die derzeit zu Reparaturen in den Docks von Blohm&Voss liegen. Alisher Usmanow, dem die größte der dreien, die „Dilbar“ gehören soll, wurde am vergangenen Montag, unter der Nummer 673 in die EU-Sanktionsliste aufgenommen. Damit ist eigentlich klar: All seine Besitztümer in der EU können konfisziert werden.

Hamburg hat Yachten nicht beschlagnahmt

Das Problem: Wem die protzige „Dilbar“ tatsächlich gehört, ist weniger klar als bisher angenommen. Aus Behördenkreisen ist zu hören, dass das Riesenschiff inzwischen einer maltesischen Holding gehört. Solange nicht geklärt ist, welche Rolle Usmanov darin spielt, könne die Yacht nicht an die Kette gelegt werden.

picture alliance / dpa | Yuri Kochetkov Oligarch Alisher Usmanov (59) gilt als besonders enger Putin-Vertrauter
Alisher Usmanov
Oligarch Alisher Usmanov (59) gilt als besonders enger Putin-Vertrauter

Mit personengebundenen Sanktionen will die EU erreichen, dass die mächtige Oligarchen-Clique sich gegen Putin wendet. Ob das bei Yachten-Liebhaber Usmanov (59) klappt, ist fraglich: „Usmanov wird als einer der von Putin besonders favorisierten Oligarchen betrachtet“, heißt es in der EU-Sanktionsverordnung: „Berichten zufolge hat Usmanov als Strohmann für Präsident Putin gedient und seine geschäftlichen Probleme gelöst.“

Der Stahlmagnat ist auch Medienunternehmer: „Als Usmanov die Kontrolle über die Geschäfte der Tageszeitung Kommersant übernahm, folgten Beschneidungen der Freiheit des Redaktionspersonals und der Übergang zu einer ausdrücklich kremlfreundlichen Berichterstattung.“

(c) dpa Die „Dilbar“ im Dock von Blohm+Voss im Hafen.
Dilbar
Die „Dilbar“ im Dock von Blohm+Voss im Hafen.

Seine Yacht „Dilbar“, die derzeit in einem verhüllten Blohm&Voss-Dock liegt, ist nach Brutto-Registertonnen die größte der Welt – und unter Yacht-Spottern auf der ganzen Welt dermaßen prominent, dass sie sogar eine eigene Fanseite bei Instagram hat .

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Aber auch wenn die „Dilbar“ offiziell noch nicht beschlagnahmt wurde, müsste das Hauptzollamt wegen der Sanktionen einer Auslieferung zustimmen – und das sei derzeit ausgeschlossen, hatte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) bereits am Dienstag erklärt: „Sie können davon ausgehen, dass ab jetzt auch keine Jachten mehr rausgehen.“