Thomas Nast kann erst einmal  keine Kulturveranstaltungen mehr in der Mathilde Bar anbieten.
  • Thomas Nast kann erst einmal  keine Kulturveranstaltungen mehr in der Mathilde Bar anbieten.
  • Foto: Florian Quandt

Hamburger Bar-Betreiber verzweifelt: „Eigentlich hilft nur noch Saufen“

Ottensen –

Thomas Nast sitzt enttäuscht in seiner Mathilde Bar in Ottensen: „Eigentlich hilft nur noch saufen“, sagt der Wirt. Was er meint: Wo jahrelang Lesungen und Poetryslams stattfanden, stehen nun Tische und Stühle. Die Bar muss ihr erfolgreiches Kulturprogramm bis auf Weiteres aufgeben und auf mehr Umsatz durch Getränke hoffen, um nicht zum Corona-Opfer zu werden. 

Seit 20 Jahren finden auf der kleinen Bühne Veranstaltungen statt. Doch dann kam Corona. Seit dem 13. Mai 2020 dürfen Hamburgs Bars und Kneipen wieder öffnen und auch Lesungen veranstalten, doch mit coronabedingt 20 statt 60 Zuschauern lohne es sich nicht, so Nast. 

Mathilde Bar: Vor Corona ging das Konzept auf

Vor Corona ging das Konzept auf: Die Künstler wurden vom Eintritt bezahlt und die Bar machte Umsatz durch Getränke. Bei 60 Zuschauern habe sich das gelohnt, doch jetzt, da nur maximal 20 Zuschauer erlaubt seien, geht es nicht mehr auf. Oftmals sind  nicht mal alle Plätze belegt: „Die Leute sind gar nicht mehr so drauf aus, dass sie rausgehen. Viele haben einfach Bedenken“. 

Inhaber Mathilde

Die Bühne in der Mathilde Bar Ottensen bleibt erstmal leer.

Foto:

Florian Quandt

Mathilde Bar in Ottensen: keine Kulturveranstaltungen mehr

Nachdem sich das gesamte Team zusammengesetzt hatte, stand der Entschluss fest: Die Kultur in der Mathilde muss erstmal pausieren. Zu groß sei auch die Angst, dass die Bar kontrolliert wird durch das Ordnungsamt und es Ärger geben könnte. Auf Facebook schreibt der Inhaber und Geschäftsführer: „Wir kommen wieder, weil wir es wollen und weil es Spaß macht, aber momentan brauchen wir alle Kapazitäten“. Wann das sein könnte? Thomas Nast zur MOPO: „Vielleicht erst, wenn der Impfstoff da ist.“

Das Wichtigste für die Bar ist, die Krise zu überleben

Um „erstmal zu überleben“ werden nun zusätzliche Tische in den Veranstaltungsraum gestellt, weil das – hoffentlich – mehr Umsatz über Getränke bringt. „Wir können von Glück reden, so viel Platz zu haben, andere kleine Bars haben größere Probleme, den Mindestabstand wahren zu können“, sagt Thomas Nast. 

Die erhoffte finanzielle Hilfe von der Politik blieb aus, weil die Bar die Bedingungen nicht erfüllte: Sie schaffte es im Sommer nicht, 50 Prozent des Vorjahres-Umsatzes zu erreichen. Ohne Außenplätze war der Sommer schon immer schwierig für die Mathilde Bar.

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Der Antrag, Tische und Stühle auf die Parkplätze vor der Tür stellen zu dürfen, wurde abgelehnt: Autos könnten beim Abbiegen auf den Fußweg rasen. Thomas Nast: „Das passiert nicht. Momentan stehen da Autos, da rutscht ja auch keiner rein. Das ist eine einspurige Straße, da fährt sowieso jeder vorsichtig und nicht mit 80 km/h in die Kurve.“

Kultur-Pause in der Mathilde Bar: „Eigentlich hilft nur noch Saufen“

Was die Hamburger tun können? Thomas Nast antwortet mit einem Augenzwinkern: „Statt nur auf ein Gläschen Rotwein vorbeizukommen, einfach mal mehr trinken – auch gerne ohne Alkohol.“ 

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