Auf dem Strüver-Firmengelände schaffen Bagger Platz für Wohnungen.
  • Auf dem Strüver-Firmengelände schaffen Bagger Platz für Wohnungen.
  • Foto: Florian Quandt 

Wieso hier ein Hamburger Traditionsbetrieb plattgemacht wird

Mehr als 85 Jahre lang wurden hier Aggregate und Kleinfahrzeuge hergestellt. Unter Eisenbahn-Fans ist die Minibahn „Schienen-Kuli“ noch heute legendär. Jetzt sind die Abrissbagger angerückt und haben den Traditionsbetrieb Strüver am Niendorfer Weg in Groß Borstel plattgemacht. Auf dem 60.000-Quadratmeter-Grundstück sollen 400 Wohnungen für etwa 1000 Menschen entstehen.

Der Strüverweg in Groß Borstel erinnert an den Firmengründer Adolf Strüver (1866-1947). Der gründete 1893 ein Im- und Exportunternehmen. Sein Sohn Hans erwarb 1936 das Firmengelände an der Tarpenbek zwischen Niendorfer Weg und Stavenhagenstraße. Dieses „Petersenpark“ genannte Areal gehörte damals der Tierhandlung Fockelmann. Hans Strüver zog schnell große Fertigungshallen hoch und spezialisierte sich ab 1938 auf den „Schienen-Kuli“. Bis 1967 wurde diese Minibahn, auch „Feldbahnhopser“ genannt, mit einem Sechs-Zylinder-Dieselmotor gebaut.

Hier bei Strüver wurden die unter Eisenbahn-Fans legendären „Schienen-Kulis“ hergestellt.
Hier bei Strüver wurden die unter Eisenbahn-Fans legendären „Schienen-Kulis“ hergestellt.

Hamburger Traditionsbetrieb: 1972 verübten Terroristen einen Anschlag auf die Halle

Außerdem wurden bei Strüver Dieselaggregate für Stromerzeugung und Schiffbau sowie Tankwagen hergestellt. Am 7. Februar 1972 verübten palästinensische Terroristen der Gruppe „Schwarzer September“ einen Sprengstoffanschlag auf die große Montagehalle, die jetzt abgebrochen worden ist. Warum das Groß Borsteler Unternehmen damals Ziel der Terroristen geworden war, ist unklar. Die Terrorbande war auch für den Mord an elf Mitgliedern der israelischen Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in München verantwortlich.

Blick in die Montagehalle von Strüver, die heute nur noch ein Schutthaufen ist
Blick in die Montagehalle von Strüver, die heute nur noch ein Schutthaufen ist.

2006 war endgültig Schluss mit der Firma Ad. Strüver auf dem Gelände. Kleine Handwerksbetriebe und Künstlerwerkstätten siedelten sich an.

400 Wohnungen sollen dem Traditionsbetrieb in Hamburg folgen

Die sollen auch bei dem Neubauprojekt berücksichtigt werden. Ein Tochterunternehmen der Haspa und die HJD-Gruppe wollen hier 400 Wohnungen – davon ein Drittel öffentlich gefördert – hochziehen. Außerdem geplant sind Geschäfte, Lokale, eine Pflegeeinrichtung und eine Kita. Dem Abrissbagger zum Opfer fällt auch das Gebäude, auf dem sich früher die italienischen Lokale „Tre Streghe“ und „Al Baffo“ befanden. Wirt Prospero Spagnolo (62) hofft laut „Wochenblatt“ darauf, in Groß Borstel wieder ein Restaurant eröffnen zu können.

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