• Lavina und Frederik H. bei „Mutterland”
  • Foto: Marius Roeer

Großer Andrang in Geschäften und Cafés: So gut fühlen sich Hamburgs Lockerungen an

Eppendorf/ Innenstadt –

Schlechtes Wetter, aber gute Laune: In Hamburg herrscht Erleichterung über die Lockerungen, endlich kann wieder in Cafés eingekehrt und gebummelt werden. Die MOPO war am Eppendorfer Baum und in der Innenstadt unterwegs – und bemerkte lange vermisste Gefühle.

Hier noch eine Schaufensterpuppe fertig schmücken, dort noch schnell Staub saugen – in den Geschäften und Boutiquen am Eppendorfer Baum treffen Verkäufer um kurz vor 11 Uhr noch letzte Vorbereitungen, denn an diesem Samstagvormittag soll alles perfekt sein: Nach monatelangem Lockdown haben Geschäfte und Außengastro endlich wieder geöffnet. Jetzt müsste nur noch das Wetter mitspielen. Doch bei tristen 13 Grad ist der Himmel grau und nass.

Außengastro wieder offen: Hamburger halten trotz Schmuddelwetter durch

Till (31) und Stella (28) lassen sich davon nicht unterkriegen: Sie sitzen im Außenbereich vom „Café & Bar Celona“ in der Lenhartzstraße. „Ich habe gedacht: Jetzt ist es offen, da müssen wir losgehen!“, erzählt Stella und lacht. Verständlich, denn Hamburgs Kneipen, Cafés und Restaurants waren seit Anfang November zu. Da stört es die beiden Alsterdorfer auch nicht, dass jetzt bei jedem Windstoß die Schirme hektisch flattern und es angefangen hat zu regnen. Sie haben sich rote Decken übergelegt, Stella hat die Kapuze aufgesetzt. „Ich freue mich, dass wir hier sitzen können“, sagt sie und nimmt einen Schluck Milchkaffee. „Eigentlich wollten wir auch heute Abend noch essen gehen, aber da müssen wir mal gucken, ob das Wetter mitspielt.“

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Stella und Till trotzen dem Hamburger Schmuddelwetter.

Stella und Till trotzen dem Hamburger Schmuddelwetter.

Foto:

Marius Roeer

Auch in anderen Cafés in Eppendorf lassen sich wetterfeste Hamburger einen Kaffee oder ein Frühstück nicht nehmen. Frederik und Lavina H. (beide 35), die mit ihrem Baby unter einem kleinen Regenschutz bei „Mutterland“ sitzen, stärken sich nach einem Spaziergang. Besonders die junge Mutter freut sich über die Lockerungen. „Ich bin gerade in Elternzeit“, sagt sie. „Da ist es schon schöner, wenn Geschäfte und Cafés offen sind.“

Christine Lienau

Christine Lienau freut sich auf die Kunden.

Foto:

Marius Roeer

Etwas weiter südlich, nahe der U-Bahn-Station Eppendorfer Baum, sortiert Christine Lienau Registrierungszettel am Eingang ihres Kinderspielzeug-Geschäfts. Die 48-Jährige führt den Laden „Lienau“ in dritter Generation, es gibt ihn schon seit 25 Jahren. Schon seit Ende Dezember war in den meisten Geschäften kein normales Shoppen mehr möglich. Es sei schwierig gewesen, den langen Lockdown durchzustehen, erzählt Lienau der MOPO. „Aber wir haben tolle Kunden, die uns mit Call und Collect unterstützt haben.“ Zudem seien Spielzeuge für Kinder auch während des Lockdowns gefragt gewesen.

Heute dürfen höchstens sechs Kunden gleichzeitig in den Laden betreten, denn die Anzahl ist je nach Verkaufsfläche begrenzt. Das Geschäft läuft an diesem Vormittag gut, die allermeisten Kunden machen auch die geforderte Registrierung bereitwillig mit. „Man merkt, dass die Kunden wirklich Lust haben zu gucken und einen gewissen Nachholbedarf haben“, sagt Lienau. Ihre Hoffnungen für die nächsten Monate? „Einfach, dass wir offenbleiben können“, sagt sie. „Und wieder ein bisschen Normalität einkehrt.“

Hamburg: Lange Schlangen in Innenstadt

Marie, Claudia und Lena (l.n.r.) freuen sich auf ein entspanntes Bummeln.

Marie, Claudia und Lena (l.n.r.) freuen sich auf ein entspanntes Bummeln.

Foto:

Marius Roeer

Auf etwas Normalität freut sich auch Claudia (58), die sich mit ihren Töchtern Marie (21) und Lena (24) zum Bummeln verabredet hat. „Wir wollen schnuppern, wie es so ist“, sagt Claudia gut gelaunt. „Einfach gucken, wie sich das in den Geschäften so anfühlt.“ Es waren harte Einschränkungen, sagt sie, vieles habe sie in den letzten Monaten vermisst. „Es geht nicht nur ums Shoppen, sondern um den Ausflug an sich“, ergänzt Lena, „einfach darum, mal wieder ein bisschen rauszukommen.“

Lange Schlangen vorm „TK Maxx” in Altona

Lange Schlangen vorm „TK Maxx” in Altona

Foto:

Florian Quandt

Das scheint vielen so zu gehen, die an diesem Vormittag in Eppendorf bummeln. Das Shopping-Angebot wird angenommen, ein großer Ansturm bleibt bei vielen Länden aber aus. Anders ist das in der Großen Bergstraße in Altona. Hier haben sich vor „TK Maxx“ lange Schlangen gebildet. Und auch in der Innenstadt ist mehr los. Besonders vor „Zara“, „H&M“ und „New Yorker“ in der Spitalerstraße warten viele Kunden mittags auf Einlass, auch die Außengastro von „Vivet“ ist gut besucht.

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Schlange in der Innenstadt vor Zara

Auch vor „Zara” stehen viele Kunden am Samstag an.

Foto:

Marius Roeer

Am Mönckeberg-Brunnen steht Samira L. (Name geändert) vor Sephora an. Die offenen Geschäfte habe sie während des Lockdowns nicht sehr vermisst. „Es gibt ja Online-Shopping“, so die Schülerin pragmatisch. Trotzdem: Schon seit zwei Stunden bummelt die 16-Jährige mit Familie und „Zara“-Tüte durch die City – trotz Schmuddelwetter. Nach monatelangem Lockdown zählt eben das Gefühl.

„Welcome back“ – auch in der Schanze geht es wieder los

Schulterblatt mit Außengastro

Schulterblatt am Samstagabend gegen 21.40 Uhr.

Foto:

Daumann

Am Abend haben sich die Regenwolken verzogen – zur Freude der vielen Menschen, die die Öffnungen in die Schanze gelockt haben. In einem Schaufenster in der Susannenstraße begrüßt sie der Spruch „Welcome back“, daneben sind Herzchen gemalt. Auch Linda (31) und Aline (28) sind heute Abend unterwegs. Sie waren Ramen essen – „eben etwas, was man sich zu Hause nicht machen kann“, erklärt Aline. Jetzt trinken sie Weißwein. Eigentlich wollten sie in den Außenbereich einer Kneipe einkehren – doch das ist gar nicht so einfach, erzählen sie.

Aline und Linda (l.n.r.) sind abends in der Schanze unterwegs.

Aline und Linda (l.n.r.) sind abends in der Schanze unterwegs.

Foto:

Daumann

Tatsächlich sind die Tische in der Susannenstraße voll und auch auf dem Schulterblatt sind die offenen Lokale so gut besucht, dass viele auf einen Platz warten müssen. Je später es wird, desto mehr Feierlaunige kommen in die Schanze. Die Stimmung ist ausgelassen, viele cornern. „Das fühlt sich alles irgendwie irreal an“, meint Aline, „wieder so viele Leute auf einmal zu sehen.“ Sie freuen sich, dass es jetzt wieder losgeht. Gerade essen zu gehen haben die beiden Freundinnen vermisst, einfach draußen zu sitzen und „Leute zu gucken“. Aline lacht: „Jetzt sind die Tore endlich wieder geöffnet.“

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