Sommerferien auf dem Containerschiff
  • Schüler Gregor Hammer (17) an Bord der „Sofia Express“ im Suez-Kanal.
  • Foto: privat/hfr

Gregors Abenteuer: Zwei Monate auf dem Containerschiff

Die Sommerferien sind längst zu Ende. Doch während seine Freunde schon seit Wochen wieder die Schulbank drücken, ist Gregor Hammer erst jetzt von seinem Abenteuer zurückgekehrt: Der 17-Jährige ist nach zwei Monaten Seereise auf dem Containerfrachter „Sofia Express“ wieder im Hamburger Hafen eingelaufen.

London, Rotterdam, Antwerpen, Tanger in Marokko: Das waren die ersten Stationen auf Gregors Reise im Ferienfahrerprogamm des Verbands Deutscher Reeder. Einmal im Jahr können Schülerinnen und Schüler mit ausgeprägtem Interesse an der Seefahrt dabei austesten, ob sie sich eine berufliche Zukunft auf hoher See vorstellen können. Für Gregor ist klar: „Die Erfahrung hat mich nur noch mehr bestärkt.“

Aufregung im Golf von Oman: Piratengefahr!

Im Mittelmeer nahm Gregor an einem sogenannten Liveboat-Drill, einer Seenotrettungsübung, teil. „Als wir in dem kleinen Bereitschaftsboot saßen und darin die ,Sofia Express‘ umrundet haben, hat man erst so richtig die Dimensionen dieses riesigen Containerschiffs gespürt. Das hat mich sehr beeindruckt“, erzählt der Schüler ehrfürchtig.

Bei einer Übung umkreiste Gregor zusammen mit Studentin Maike Rau (22) in einem kleinen Boot die gewaltige „Sofia Express“.
Bei einer Übung umkreiste Gregor zusammen mit Studentin Maike Rau (22) in einem kleinen Boot die gewaltige „Sofia Express“.

Weiter ging die Reise durch den Suez-Kanal. Zum ersten Mal in seinem Leben sah Gregor – vom Schiff aus – die Wüste. Aufregend wurde es in Dschidda (Saudi-Arabien), als schwer bewaffnete Sicherheitsleute an Bord gingen, um den Frachter bis in den künstlich angelegten Tiefwasserhafen Dschabal Ali in Dubai zu begleiten. Piratengefahr!

Wegen Corona: Landgänge waren nicht möglich

„Nachts haben wir das Schiff verdunkelt, damit uns mögliche Angreifer nicht sehen“, erzählt Gregor. Sämtliche Lichter in den Aufbauten wurden gelöscht, vor den Fenstern Sperrholzplatten befestigt, alle Türen fest verriegelt. Doch alles ging gut.


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Von Dubai aus ging die Reise weiter nach Karatschi (Pakistan). Von dort aus nach Mundra und schließlich nach Nhava Sheva bei Mumbai (beides Indien). Noch nie in seinem Leben ist Gregor, der in einem kleinen Dorf in Thüringen zu Hause ist, so weit gereist. „Leider konnten wir nirgendwo an Land gehen wegen Corona“, sagt er.

Studentin war die einzige Frau an Bord der „Sofia Express“

Für ihn selbst sei das verkraftbar gewesen. „Mir ging es ja mehr um die Erfahrung an Bord.“ Doch die Crew, die zum großen Teil aus Filipinos bestand und schon neun Monate ohne die Möglichkeit eines Landgangs unterwegs war, tat Gregor leid. Erst kürzlich hatte die Deutsche Seemannsmission, auf die psychischen Folgen dieser Isolation hingewiesen und sie als Bruch internationaler Konventionen kritisiert. „Seeleute sind die stummen Opfer der Coronakrise“, so Präsidentin Clara Schlaich.

Gregor und die Crew der „Sofia Express“.
Gute Stimmung an Bord: die Crew der „Sofia Express“. Gregor steht hinten links.

Dennoch sei die Stimmung an Bord gut gewesen, sagt Gregor. Abends hätten sie zusammen Filme gesehen, Tischtennis gespielt oder Karaoke gesungen. „Ich wurde sehr herzlich aufgenommen“, so der Schüler, der sich mit allen gut verstanden hat. Auch mit der einzigen Frau an Bord, einer 22-jährigen Nautik-Studentin, die wie er selbst als vollwertiges Mitglied der Crew behandelt wurde.

Gregors Berufswunsch: Er will Schiffsmechaniker werden

Vor allem aber ist Gregor dankbar, dass er richtig mit anpacken konnte. Er half bei der Leinenarbeit, bei der Ladungswache. Im Maschinenraum wurde er zu Reparaturarbeiten wie zur Reinigung an Teilen der Hauptmaschine eingespannt. „In Dschidda musste eine Einspritzdüse ausgetauscht werden. Das war sehr interessant“, sagt Gregor. Die Temperaturen im Maschinenraum betrugen dabei 60 Grad! „Es war sehr heiß.“

Gregor im Maschinenraum der Sofia Express
Gregor im Maschinenraum der „Sofia Express“.

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Zu Hause in Thüringen muss Gregor für die Schule jetzt einiges nachholen und Klausuren schreiben, die seine Mitschüler längst hinter sich haben. Wenn alles glatt läuft, hat er nächsten Sommer das Abi in der Tasche. Und dann will Gregor wieder los. Die Bewerbung zum Schiffsmechaniker ist bei der Hapag-Lloyd schon in Bearbeitung. Am Dienstag ist das Vorstellungsgespräch. Jetzt heißt es Daumen drücken. Für Gregor geht es dort um alles.

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