Woundioun Sissoko
  • Mit bereits 18 Jahren hatte Woundioun Sissoko die Idee zu „Yamuntu“.
  • Foto: Fotograf: Oguz Kaya

Dieser Hamburger will jeden zum Influencer machen

Wer Influencer werden möchte, braucht keine große Reichweite mehr: Das verspricht die Hamburger Entwickler-Firma Yamuntu – mit der gleichnamigen App. Der 22-jährige Gründer Woundioun Sissoko verrät, wie das funktionieren soll – und wie aus einer Idee ein Unternehmen wurde, in das siebenstellige Beträge investiert werden.

Auf Social Media lässt sich für Influencer richtig Geld verdienen, das gilt aber nur für diejenigen, die hohe Followerzahlen haben, am besten im sechs- oder siebenstelligen Bereich. Je mehr Follower, desto mehr Geld winkt von Unternehmen, die bereit sind, für Werbe-Kooperationen zu zahlen.

Die Aufgabe der Influencer: Ihren Followern so glaubwürdig wie möglich – nach Vorgabe der Auftraggeber – die Produkte zu präsentieren. Ob diese den Influencern wirklich gefallen, ist fraglich. Hauptsache, die Follower kaufen.

Genau damit will „Yamuntu” brechen – und jedem die Chance geben, zum Influencer zu werden, bloß mit mehr Transparenz. „Wir wollen der neue Shopping-Standard für unsere Generationen, den Gen-Z und Millennials, werden”, so Sissoko. Und das soll ganz einfach gehen: „Yamuntu-App herunterladen, mit Instagram, TikTok und PayPal verbinden und schon kann es losgehen”, erklärt der Gründer – und meint damit das Influencer-Dasein.

Hamburger Gründer entwickelt App, die jeden zum Influencer macht

Die „Yamuntu“-Nutzer haben durch die App die Möglichkeit, „bei einem unseren momentan 25 Partnern einzukaufen oder sich von der Community inspirieren zu lassen.“ Damit sich das auch lohnt, gibt es auf die Kleidungskäufe fünf, 15 oder 20 Euro Geld zurück. Bei besonderen Aktionen kann es auch mal mehr sein, kostenlos gibt es aber nichts.

Hat man sich für ein Kleidungsstück entschieden, geht man mit dem Anbieter eine Kooperation ein, indem man das Produkt über die App bestellt, „und sobald es angekommen ist, macht man ein Bild über die App, das in die Instagram-Story transferiert wird.“

Der notwendige Kooperationshinweis für die Follower sei dadurch auch gleich ausgefüllt. „Die Nutzer können dann ganz nach ihren Vorstellungen die Story gestalten und anschließend posten, unser System erfasst das und das Geld wird innerhalb von 48 Stunden aufs hinterlegte PayPal-Konto geladen.“ So wird man über „Yamuntu“ also zum Influencer – und das, ohne zwei Millionen Follower zu haben.

Mockup Yamuntu Instapost
So kann eine fertige Instagram-Story aussehen, die über Yamuntu erstellt wurde. Der Kooperationspartner wird automatisch in die Story übertragen.

„Jeder, der mindestens 100 Follower hat, kann die Angebote nutzen und frei entscheiden, wie er das Produkt präsentieren möchte“, so Sissoko und fährt fort: „Uns geht es darum, den Influencer-Markt zu demokratisieren und aufzuzeigen, dass jeder Einfluss hat.” Dieser Einfluss wird aber auf drei Kooperationen im Monat begrenzt.

„Wir wollen Qualität statt Quantität. Die Leute sollen wirklich nur das kaufen, was sie lieben und gerne empfehlen.“ Hauptziel sei es, den Konsumenten wieder mehr Macht zu geben und gleiche Voraussetzungen für alle zu schaffen. Daher auch der Name, der aus der in Zentralakfrika verbreiteten Sprache Kikongo stammt: „Yamuntu“ bedeute „für Menschen“, erklärt der Gründer, der im Alter von fünf Jahren aus Mali nach Deutschland kam. 

Yamuntu: Mit fast vergessener App-Idee zum Erfolg

Die App-Idee kam dem im niedersächsischen Uslar (Landkreis Nordheim) aufgewachsenen Sissoko bereits mit 18 Jahren, auf der Heimfahrt von einem mehrtägigen Kongress: „Im Zug hatte ich endlich die Gelegenheit auf Snapchat zu schauen, was meine Freunde die vergangenen Tage getan hatten. Zu meiner Verwunderung posteten sie vor allem Produkte, die sie cool fanden, wie ihre neuen Sneaker.“

Das könnte Sie auch interessieren: Hamburgs jüngste Gründer! Sie revolutionieren den Visitenkartenmarkt

Der damals 18-Jährige schrieb sich seine Beobachtung auf. „Ich hab‘ das aber auch recht schnell wieder vergessen“, gibt er zu. Ein paar Monate später traf er auf einem Start-up-Event Philip Mertes, Gründer und Vorstandsmitglied des Vereins Start-up Göttingen, der sein Mentor werden sollte und ihn nach seinem Abitur mit nach Hamburg nahm, wo er erste Erfahrunge in der Berufswelt sammelte.

Woundioun Sissoko: 19 Jahren zum Gründer der Yamuntu-App

Anschließend bewarb er sich bei dem Investor Next Commerce Accelerator und setzte sich gegen 230 andere Bewerber durch und qualifizierte sich für ein sechmonatiges Coaching. Der Investor hat gemeinsam mit Sofie Ventures als erstes in das Start-up investiert, in der zweiten Finanzierungsrunde war es sogar ein niedriger siebenstelliger Betrag von anderen Geldgebern, darunter auch Rolf Schrömgens (Trivago). In dem sechsmonatigen Programm waren neben kostenlosen Büroräumen auch Coachings und ein Mentoring-Programm enthalten. „Dadurch konnte Vollzeit an der Sache gearbeitet und die App umgesetzt werden.” Aber es war nicht alles rosig.

„Yamuntu“-Gründer: Erfolg verunsicherte ihn Anfangs

Sissoko war damals ganz schön verunsichert. „Ich saß da dann als 19-jähriger schwarzer Junge zwischen Menschen, die bereits Manager waren, Mitarbeiter hatten und dachte, ich sollte lieber den Mund halten. Ich hatte das Gefühl, ich sei fehl am Platz. Das baute bei mir sehr viel Druck auf”, so Sissoko.

Doch durch diese Erfahrungen wurde er selbstbewusster: „Ich musste mit Investoren verhandeln, die sonst 200-Millionen-Euro-Deals machten. Da musste ich nach Gefühl entscheiden, was fair ist und was nicht. Ich habe gelernt, wie wertvoll Zeit ist und auch, was ich von anderen erwarte – und was von mir erwartet wird.“

Yamuntu Gründerteam
Mittlerweile ist auch das Gründerteam gewachsen. Neben Woundioun Sissoko (Mitte) gibt es noch Oliver Krause (l.) und martin Westphal (r).

Neben Woundioun Sissoko gibt es nun noch zwei weitere Gründer Oliver Krause und Martin Westphal: „Zudem sind wir mittlerweile 15 Personen mit sieben Nationalitäten im Team.“ 

Trotz seines Erfolgs ist Sissoko aber auf dem Boden geblieben und hält nicht viel von Titeln: „Ich selbst stelle mich selten als Gründer vor. Ich will nicht, dass mich Leute anders sehen, weil ich einen Titel habe, und mich auf Monetäres begrenzen.“

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp