• Ein gewohntes Bild in der Waitzstraße: Ein Auto ist in eine Schaufensterscheibe gekracht.
  • Foto: Marius Roeer

Gefahr im Straßenverkehr: Wir brauchen endlich Fahrtauglichkeitstests

Kommentar –

Der Opa meiner Frau ist gerne mit dem Auto gefahren. Irgendwann hat er mal einen Straßenpfahl mitgenommen. Da war er Mitte 70. Später fuhr er dann in den Gegenverkehr, um einen Parkplatz zu bekommen. Oder drückte das Gaspedal an der Einfahrt zur Kaufhaus-Tiefgarage durch, um – warum auch immer – vor dem Wagen, der Vorfahrt hatte, an der Schranke zu sein. Würde er in Hamburg wohnen, vielleicht hätte er die Unfallstatistik in der Waitzstraße beeinflusst.

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Julian König (Ressortleiter Hamburg)

Foto:

Florian Quandt

Einen Fahrtauglichkeitstest hat er nämlich genau einmal gemacht: als junger Mann. Danach wurde er mit zunehmenden Alter eine Gefahr für den Straßenverkehr. Warum? Weil er sein Auto liebte, weil er mobil bleiben wollte, weil die Distanzen in manchen Gebieten des Landes manchmal zu groß für Menschen höheren Alters sind, weil er seine eigenen Fähigkeiten lange Zeit nicht mehr richtig einschätzen konnte. Und genau hier liegt ein großes Problem. Wir (oder viel mehr Politiker wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer von der CSU) tun einfach so, als ob es ausgeschlossen wäre, dass die Tauglichkeit am Steuer mit zunehmenden Alter abnehmen könnte. Dabei sagen Experten ganz klar, dass das Unfallrisiko ab einem Alter von 75 Jahren deutlich ansteigt.

Wir brauchen einen verbindlichen Fahrtauglichkeitstest für alle ab 40

Mir ist es aber zu einfach zu sagen: Alte Menschen müssen ab dem Zeitpunkt X einen Fahrtauglichkeitstest machen. Das wäre diskriminierend. Und ganz ehrlich: Es gibt natürlich viele Senioren, die unfallfrei und gar besser fahren als jüngere Menschen. Ich kenne genug Leute, die trotz Führerscheins jahrelang nicht gefahren sind, keine Routine am Steuer besitzen. Ich halte es zwingend für Notwendig, die Fahrtauglichkeit turnusmäßig zu kontrollieren. Im Idealfall mit einer Prüfung ab beispielsweise dem 40. Lebensjahr. Dann 20 Jahre später, danach zehn, dann fünf. Auf diese Weise würde nachhaltig gesichert werden, dass Menschen mit Führerschein auch wirklich Auto fahren können. Denn ich verstehe die Angst davor, seine Mobilität zu verlieren. So hart es ist: Manchmal ist es aber besser. Der Großvater meiner Frau ist freiwillig irgendwann nicht mehr gefahren und hat sein Auto verkauft. Er lässt sich jetzt fahren.

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