Derzeit sind die Systeme zur Corona-Nachverfolgung noch nicht einheitlich. 
  • Derzeit sind die Systeme zur Corona-Nachverfolgung noch nicht einheitlich. 
  • Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

„Gefährlicher Egotrip“?: Corona-Nachverfolgung: Hamburg hält an Pandemie Manager fest

Hamburg bleibt auf Sonderkurs in Sachen Corona-Nachverfolgung. Anstatt in den Gesundheitsämtern auf das von der Bundesregierung gewünschte SORMAS-System umzustellen, hält der Senat am „Hamburger Pandemie Manager“ (HPM) fest. Der Sozialverband Hamburg nennt das einen „gefährlichen Egotrip“.

Geht es nach dem Willen der Bundesregierung, sollen bis Ende März alle deutschen Gesundheitsämter das Programm SORMAS installiert haben und zur länderübergreifenden Kontaktnachverfolgung nutzen. Noch handelt es sich aber nur um eine Empfehlung.

Da die Umstellung viel Zeit bei der Umschulung der Mitarbeiter und somit auch viel Geld kostet, arbeiten einige Bundesländer noch mit speziell auf die eigenen Bedürfnisse angepassten Programmen. So auch Hamburg mit dem HPM.

Einsatz von SORMAS zum HPM wäre eine Doppelung

„Es wurde vereinbart, dass ein einheitlicher Datenaustausch ermöglicht werden soll, indem die SORMAS-Infrastruktur genutzt wird“, sagt Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde, auf MOPO-Nachfrage.

Nach Angaben der Behörde sei nur zum Zweck der Datenübermittlung aber keine weitere Software erforderlich oder sinnvoll. „Der parallele Einsatz von SORMAS zum HPM würde eine Doppelung darstellen“, sagt Helfrich.

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Klaus Wicher, der Hamburger Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) sieht das skeptisch: „Angesichts der Tatsache, dass in Hamburg sehr viele Pendler aus den angrenzenden Bundesländern in der Stadt arbeiten, sehe ich das als großen Fehler“, heißt es in einer Mitteilung. „Hamburg sollte diesen Egotrip nicht weiterverfolgen, sondern vielmehr Vorreiter sein.“

Wicher sieht in dem Einsatz von SORMAS eine Möglichkeit für mehr öffentliches Leben in Hamburg – deshalb müsse der Senat aktiv werden: „In unserer Stadt leben viele Menschen auf relativ wenig Raum zusammen“, sagt Wicher. Eine schnelle Nachverfolgung über die Stadtgrenzen hinaus sei daher unerlässlich. „Geschieht dies nicht, können in Hamburg noch mehrere kleine Lockdowns entstehen und wir hätten möglicherweise viel mehr Infizierte als wir eigentlich haben müssten.“

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