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  • Foto: Florian Quandt

Gebühren-Ärger für Amir A.: Rassismus-Vorwurf gegen Hamburger Fitnessstudio

Eidelstedt –

„Wir bieten dir qualitativ hochwertige Fitness zum kleinstmöglichen Preis“ – mit diesen Worten wirbt das Fitnessstudio Benefit um neue Mitglieder. Doch zumindest in der Filiale Eidelstedt ist offenbar nicht jeder willkommen. Menschen mit Migrationshintergrund werden abgewimmelt. Vor allem männliche.

Tara K. (19) und ihr Freund Amir A. (21) sind sportliche junge Leute. Amir A. ist Fußballer. Als Ergänzung zum Training beschloss er, in ein Fitnessstudio einzutreten. Auch seine Freundin wollte mitmachen. Das Paar aus Schnelsen entschied sich für das Benefit am Hörgensweg in Eidelstedt, wo die monatlichen Kosten bei nur 19,99 Euro liegen. Ein guter Preis für die Auszubildende und den Schüler, der gerade sein Fachabi nachholt.

Amir A. sollte eine Vorauszahlung von 800 Euro leisten

Tara war die Erste, die sich anmeldete. Die 19-Jährige machte einen Termin für sich und wurde problemlos aufgenommen. Eine Woche später wollte Amir es ihr gleichtun. Doch diesmal war alles anders.

„Ich sollte eine Vorauszahlung von 800 Euro für eine Mitgliedschaft von zwei Jahren leisten“, erzählt der 21-Jährige. Amir fragte nach, ob es sich um einen Irrtum handelte, schließlich habe seine Freundin eine Woche zuvor nichts dergleichen zahlen müssen. Doch der Mann am Tresen blieb hart. „Feindselig“, sei der Trainer ihm gegenüber gewesen, sagt Amir A.

Tara K.: „Das ist Rassismus pur!“

Als er Tara zu Hause davon erzählte, war die Freundin empört. „Das ist Rassismus pur“, ist sich Tara sicher. Das Paar beschloss, noch einmal gemeinsam hinzugehen, um eine Erklärung für die unterschiedliche Behandlung zu bekommen. Doch Benefit beharrte unfreundlich auf der astronomisch hohen Eintrittssumme für Amir.

„Ich habe ihnen mein Mitglieds-Armband auf den Tisch geknallt und gesagt, dass ich hier auch nicht mehr trainieren will“, sagt Tara.

Zahlreiche Klagen wegen Rassismus gegen das Benefit-Studio

Amir ist Iraner. Er lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Bei den Google-Bewertungen des Fitnessstudios fand das Paar etliche Hinweise auf Diskriminierung bei Benefit in Eidelstedt. „Die mögen keine Ausländer“, schreibt ein Mann namens Ferdi Osman. „Sehr unhöfliches und rassistisches Personal“, konstatiert eine Frau namens Zara Habibi. „Die selektieren Ausländer noch schlimmer als in Clubs. Rassisten!“, schimpft ein User namens Jatten.

Auch die MOPO berichtete vor drei Jahren von einem jungen Mann, der nicht einmal einen Termin im Benefit-Studio Eidelstedt bekam – anders als seine deutschen Freunde, mit denen er das Sportcenter auf die Probe stellte. Im Fall von Tara und Amir machte die MOPO den Test. Ein männlicher Redakteur mit sehr deutschem Namen bat um Aufnahme ins Studio. Termin? Kein Problem. Kosten? 19,99 Euro. Weitere Kosten? Keine. Die Kommunikation? Freundlich und zuvorkommend.

Hamburg: Fitnessstudio zu keiner Stellungnahme bereit

Die Verantwortlichen bei Benefit waren zu keiner Stellungnahme bereit. Alle Anrufe in der Filiale Eidelstedt wurden mit dem Verweis auf eine elektronische Kontaktaufnahme abgewiesen. Drei Email-Anfragen blieben unbeantwortet. Auch der Anruf in der Zentrale in Bad Zwischenahn verlief erfolglos. Der am Donnerstag versprochene Rückruf ist bis heute nicht erfolgt.

„Es hat uns so getroffen“, sagt Tara K., die selbst einen Migrationshintergrund hat, der ihr allerdings kaum anzumerken ist. Taras Eltern stammen aus dem Iran, sie selbst wurde aber in Hamburg geboren, besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit und spricht wie es eine waschechte „Hamborger Deern“ nun einmal tut.

„Ich fühle mich als Deutsche und als Iranerin. Aber meine Heimat ist Deutschland“, betont die junge Frau, die sich bei der Bundeswehr zur Soldatin ausbilden lassen hat. „Dabei habe ich auch immer wieder diskriminierende Sprüche einstecken müssen“, berichtet sie. „Das ist sehr verletzend.“ Auch Amir lässt der Vorfall nicht los. „Es macht mich traurig, wenn ich daran denke.“

Zahlreiche Fälle von Rassismus in Fitnessstudios

Tara K. und Amir A. wollen sich an die Anti-Diskriminierungsstelle wenden. Deren Sprecher Sebastian Bickerich kennt das Thema Rassismus und Fitnessstudios gut.

„Bei den Fitnessstudios gibt es viele schwarze Schafe“, so Bickerich. Es gebe viele Fälle von Menschen, die wegen ihres Migrationshintergrunds nicht aufgenommen würden. Auch die Fälle von Frauen mit Kopftuch, die zur Abnahme der Bedeckung aufgefordert wurden, häuften sich. „Da werden als Grund Sicherheitsaspekte angegeben, doch das ist fadenscheinig“, so Bickerich.

Diskriminierung von Frauen mit Kopftuch

Bei den Google-Bewertungen für das Benefit in Eidelstedt findet sich ein ebensolcher Fall: „Ich habe mit einer Freundin ein Probetraining machen wollen, leider kam es nicht dazu, da es mit dem Kopftuch nicht erlaubt ist Sport zu machen“, schreibt eine Yasmin.

Auch Fitnessstudios seien an das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gebunden. Weder eine Unterscheidung nach Herkunft noch nach Geschlecht sei zulässig. „Für Betroffene sind das massive Ausgrenzungserfahrungen“, sagt Bickerich. „Es ist wichtig, dass sie das nicht hinnehmen und dagegen vorgehen.“ Die Anti-Diskriminierungsstelle steht Betroffenen dabei beratend zur Seite.

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