• David Silva (21) hat in der Schanze sein „Ristorante da David“ eröffnet. 
  • Foto: Florian Quandt

Gastronomie in Hamburg: Diese Neueinsteiger eröffneten ihre Läden trotz Corona

Während viele Gastronomen wegen der Pandemie ums Überleben kämpfen oder gar schließen müssen, wagen einige eine Neueröffnung mitten im Lockdown – und lassen sich von Ängsten nicht abhalten. Drei Neueinsteiger erklären, warum sie trotz der schwierigen Lage ihren Restaurant-Traum verwirklicht haben.

Mitten am Schulterblatt in der Schanze liegt das „Ristorante da David“. Aus dem Laden klingt italienische und portugiesische Musik, Passanten bleiben neugierig stehen. Die Lage ist eigentlich perfekt. „Viel besser geht es, glaube ich, nicht“, sagt Betreiber David Silva zur MOPO. Wäre da nicht die Corona-Pandemie, die den Gaststätten das Überleben schwer macht.

Gastronomie in Hamburg: Diese Neueinsteiger eröffneten trotz Corona

Ein Leben ohne Gastronomie kennt der 21-Jährige nicht. „Meine ganze Familie hat in der Branche gearbeitet, mein Großvater und mein Onkel hatten eigene Restaurants“, sagt er. Er selbst habe bereits mit 15 Jahren regelmäßig ausgeholfen, sich nach der Schule ganz der Gastronomie gewidmet.

Zu dem Laden im Schulterblatt, in dem bereits zuvor ein italienisches Restaurant gewesen ist, hat Silva eine emotionale Verbindung. „Mein Vater hat hier gearbeitet – bis zu seinem Tod. Daher kannte ich auch den Chef und habe auch zwischenzeitlich dort gearbeitet.“ Als er keine Lust mehr auf die Branche hatte, fragte der ehemalige Betreiber Silva, ob er den nicht Laden übernehmen wolle. Der 21-Jährige zögerte nicht lange und investierte sein ganzes Geld. „Es war keine Option aufzugeben. Ich dachte: Irgendwie muss ich das durchziehen.“

Hamburg: Pizza und Pasta zum Mitnehmen im „Ristorante da David“

Zum 15. Oktober 2020 übernahm er das Lokal, wollte eigentlich am 1. November öffnen. Mit Pizza und Pasta to go startete Silva aber erst Ende Februar. „Das Wetter war damals nicht so gut, deswegen lohnte sich das nicht“, erklärt er. Jetzt sei das Geschäft immer noch wetterabhängig – doch es sei besser, als geschlossen zu haben. Unterstützung bekommt er von Freunden aus der Gastronomie.

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Auch Sebanur Ayhan hat sich mit der Eröffnung ihres eigenen Lokals einen Traum erfüllt. Das „Café June“ eröffnete die 32-Jährige Anfang April am Bahrenfelder Steindamm in Bahrenfeld – als Quereinsteigerin. „Ich habe vorher Internationales Management studiert, aber das war irgendwie nicht mein Ding. Den Wunsch, ein Café zu eröffnen und mich selbstständig zu machen, hatte ich schon länger“, erklärt Ayhan der MOPO.

Trotz Corona und Baustelle: Hamburgerin eröffnet das Café June

Eigentlich war der Traum vom eigenen Café noch Zukunftsmusik – doch dann fand sie plötzlich die perfekte Location. „Es hat einfach alles gepasst und meinen Vorstellungen entsprochen.“ Anfang Februar 2020 unterschrieb sie den Vertrag – kurz vor der Pandemie. „Erst dachte ich: Was soll ich jetzt machen? Aber ich wollte das Café nicht einfach aufgeben. Corona wird auch irgendwann vorbei sein und bis dahin heißt es: durchhalten“, so die 32-Jährige.

Sebanur Ayhan (32) ist seit April Inhaberin des Café June in Bahrenfeld.

Sebanur Ayhan (32) ist seit April Inhaberin des Café June in Bahrenfeld. 

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Florian Quandt

Mit Unterstützung ihrer Eltern startete sie jetzt mit dem To-go-Geschäft. Einfach ist das bisher nicht. „An manchen Tagen ist gar nichts los. Vor der Tür ist gerade auch noch eine Baustelle“.

Familienlokal: Schwestern führen das Werk ihres Vaters weiter

Auch Nicole (53) und Nadyn Kern (43) haben kurzfristig ihr Konzept geändert und auf Take Away umgestellt. Zum 1. Dezember 2020 eröffneten die beiden Schwestern das „Jonny’s“ im Eilbergweg in Großhansdorf – kurz bevor die Gastronomie wieder schließen musste. „Das war wirklich blöd, weil man uns ja noch gar nicht kannte“, sagt Nadyn Kern zur MOPO. Das Restaurant mit mediterranem Speisenangebot schwenkte auf Weihnachtsgänse um – das kam gut an.

Nadyn Kern (43, unten) und Schwester Nicole Kern (53) betreiben gemeinsam das Jonny's in Großhansdorf.

Nadyn Kern (43, unten) und Schwester Nicole Kern (53) betreiben gemeinsam das Jonny’s in Großhansdorf. 

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Florian Quandt

Erfahrungen in dem Business haben beide, denn ihr Vater war kein Unbekannter in der Szene: Gastro-Legende Jonny Kern (†73) hatte das Fachwerkhaus in Großhansdorf zum Restaurant umgebaut und betrieben. Als der Pachtvertrag auslief, mussten die Geschwister eine Entscheidung fällen. „Wir haben uns dann entschlossen, es selbst zu machen“, sagt Nadyn Kern. Das „Jonny’s“ ist für die beiden Schwestern ein Herzensprojekt. „Es ist schön zu sehen, dass wir sein Werk weiterführen können und als Familie zusammenhalten.“

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