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  • Foto: Silas Stein/dpa

Finanzkrise beim NDR: Jobs weg, Sendungen gestrichen: Scharfe Kritik an Sparprogramm

Es ist ein echter Sparhammer: Mehrere Hundert Millionen Euro will der NDR einsparen – aus dem neuen Sparplan geht auch hervor, wer jetzt darunter leiden soll: die freien Mitarbeiter. Die Initiative „Freie im NDR“ sowie die Gewerkschaften Verdi und Deutscher Journalisten-Verband (DJV) sind empört.

In den kommenden vier Jahren will der NDR 300 Millionen Euro einsparen. Das ohnehin festgelegte Sparprogramm von 260 Millionen Euro wurde wegen der Corona-Krise um weitere 40 Millionen Euro erhöht.

Viele NDR-Sendungen fallen weg, weniger Tatorte

Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilt, bedeute das bis 2024 einen Abbau von mindestens 360 Stellen oder mehr als zehn Prozent der fest Beschäftigten. Das funktioniert freilich nur mit einem erheblich abgespeckten Programm.

Nur einige Beispiele: Die seit den 70er Jahren täglich laufenden Radiosendungen „Zeitzeichen“ und „Das Echo des Tages“ werden gestrichen, der Etat für das TV-Medienmagazin „Zapp“ wird stark gekürzt und es wird ins Netz verlegt. Weniger „Tatorte“ werden gedreht, Formate wie „Landpartie“, „Inselreportagen“ und „Lieb und teuer“ fallen weg, ebenso die beliebten NDR-Sommertouren durch das Sendegebiet.

Wie der Mediendienst DWDL berichtet, wird auch die Entwicklungsredaktion „Die Box“ zum Jahresende aufgelöst, in der neue Reportageformate „erfunden“ wurden.

Video: Arbeitslosigkeit durch Corona – Zehnjahres hoch

Sogar das wenig kostspielige „Bücherjournal“ soll verschwinden. Zahlreiche Autoren haben einen offenen Brief an den Intendanten Joachim Knuth unterschrieben: „Die Einstellung des ,Bücherjournals‘ trägt zur Zerstörung unseres kulturellen Lebens bei.“
Lars Stubbe, Gewerkschaftssekretär bei Ver.di: „Im Schatten der Corona-Krise nutzt Herr Knuth die Gelegenheit, um die Kürzungen im NDR, die jetzt das Herz der systemrelevanten Informationsprogramme erreichen, fortzusetzen.“ Dabei sei es gerade jetzt wichtig, gegen die „Desinformation rechter Gruppierungen“ vorzugehen.

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Besonders hart trifft der Sparhammer die freien Mitarbeiter. „Schon jetzt beschäftigt der NDR meist in Vollzeit für den Sender arbeitende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen prekär: Festangestellte über Zeitverträge; Freie mit Rahmenverträgen, die zeitlich befristet sind und außerdem formal keinerlei Sicherheit bieten“, heißt es in der Mitteilung der Gewerkschaften.

NDR-Sparpläne: Das fordern die Gewerkschaften

Die Sparpläne des NDR seien „intransparent, unsozial und für das journalistische Profil des NDR schädlich“. Die Gewerkschaften fordern Angebote des NDR für alle Freien, denen jetzt die Einkünfte wegfallen. ( se)

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