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FDP-Größe macht Schluss: Katja Suding: Politik ist „kein Traumjob“

Hamburg –

Sechs Jahre lang saß sie in der Hamburger Bürgerschaft, seit 2017 im deutschen Bundestag, ist seit 2015 stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP: Katja Suding aus Vechta hat in ihrer Partei eine steile Karriere hingelegt und ihre Aufstiegschancen stünden mehr als gut. Jetzt kündigte die 44-Jährige an, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen. Schon im kommenden Jahr möchte sie alle Ämter niederlegen. Damit geht den Freien Demokraten eine weitere starke Frau verloren.

„Mir war immer klar, dass ich mein Berufsleben nicht mit der Politik beenden werde“, erklärte FDP-Politikerin Katja Suding. Trotzdem kommt ihre Ankündigung, 2021 alle Ämter niederlegen zu wollen, überraschend. Sie werde weder zur Bundestagswahl antreten, noch für den Landesvorsitz kandidieren. Auch als stellvertretende Bundesvorsitzende steht sie nicht mehr zur Verfügung.

Katja Suding: Stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP will sich aus Politik zurückziehen

Für Suding sei das „ein ganz normaler Schritt“. „Ich bin damals sehr plötzlich in die Politik gekommen. Ich habe nicht wirklich auf ein Mandat im Parlament hingearbeitet. Ich hatte meinen Job und habe mich ehrenamtlich in der Partei engagiert. Als es in Hamburg 2010 zum Koalitionsbruch kam und plötzlich Neuwahlen anstanden, war ich gerade im Urlaub in Ägypten. Auf einmal bombardierten mich die Parteifreunde mit Fragen, ob ich nicht einspringen wolle. So kam ich aus dem Urlaub und war plötzlich nominierte Spitzenkandidatin. Eigentlich hatte ich was ganz anderes vor“, sagte die 44-Jährige dem Nachrichtensender „n-tv“.

Auch wenn sie es für eine große Ehre halte, gewählte Abgeordnete sein zu dürfen, sei nun wirklich Schluss damit. „Ich glaube nicht, dass es für alle ein Traumjob ist, 80 Stunden pro Woche zu arbeiten und permanent unter öffentlicher Beobachtung zu stehen“, erklärte sie.

Demnach sei nie wirklich warm damit geworden, auf der Bühne und in der Öffentlichkeit zu stehen. Zwar helfe eine gewisse Bekanntheit dabei, Themen voranzutreiben. Für sie als Mensch sei es jedoch eher schwierig und es fiel ihr schwer, sich daran zu gewöhnen.

Durch ihre frühe Ankündigung gebe sie ihrer Partei die Möglichkeit, einen guten Übergang zu finden. Trotzdem bedeutet ihr Ausstieg für die Freien Demokraten den Verlust einer weiteren prominenten Frau – ungünstig für Christian Lindner, dem vorgeworfen wird, Führungsfrauen zu vergraulen.

Für Suding sind diese Vorwürfe jedoch unbegründet. „Ich habe viel Wertschätzung und Anerkennung erfahren. Außerdem lasse ich mich nicht vergraulen, das ist ein schräges Bild. Mit Christian Lindner arbeite ich seit Jahren sehr gern und gut zusammen. Und zu den Frauen in der FDP: Ich habe doch gezeigt, dass man in der FDP als Frau Karriere machen und etwas bewegen kann. Mir hat nie irgendjemand Steine in den Weg gelegt“, sagte sie.

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In der Partei wird Sudings Entscheidung bewundert. „Da war schon viel Wehmut, aber auch Verständnis. Viele haben auch gesagt: „Ich bewundere deinen Mut.“ Das schwang immer mit.“

Auch wenn die 44-Jährige „noch gar keinen Plan“ hat, was jetzt kommt, ist sie sicher: „Meine neue Aufgabe wird mich finden.“ Ein Zurück in die Politik kann sie sich nicht vorstellen.

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