Hier ereignete sich der tödliche Unfall. Die Fahrradspur verläuft zwischen den Autospuren.
  • Hier an der Habichtstraße ereignete sich der tödliche Unfall. Die Fahrradspur verläuft zwischen den Autospuren.
  • Foto: Quandt

Falle Radweg: Das sagt die Verkehrsbehörde zur „Todesweiche“

Noch ist nicht ermittelt, wie es zu dem tödlichen Unfall in der Habichtstraße (Barmbek-Nord) gekommen ist, bei dem am Freitag ein Radfahrer von einem Lkw überrollt wurde. Aber schon jetzt deutet viel daraufhin, dass die übereinander querenden Rad- und Autospur eine Rolle beim Unfallhergang spielte. „Todesweiche“ nennen Fahrradaktivisten die sogenannten Radfahrstreifen in Mittellage (RiM). Was die zuständige Behörde zu der Form der Verkehrsführung sagt – die MOPO fragte nach.

Seit mehr als zehn Jahren sind die RiMs, auch Fahrradweichen genannt, eine beliebte Lösung im Hamburger Straßenverkehr, um Fahrräder und Autos voneinander zu trennen. Eine der ersten Stellen war laut Verkehrsbehörde die Fahrradweiche am Gorch-Fock-Wall/Sievekingplatz (Neustadt). Wie viele es mittlerweile gibt, weiß nicht einmal die Behörde. Sprecher Dennis Krämer vermutet aber eine dreistellige Zahl. 

Verkehrsbehörde hält sich mit Beurteilung zurück

Eine dieser Fahrradweichen gibt es auch seit 2019 in der Habichtstraße. Am vergangenen Freitag kam es genau auf der Querung zu einem tödlichen Unfall. Ein Lkw-Fahrer, der rechts abbiegen wollte und dafür über die Radspur musste, erfasste den 47-jährigen Fahrradfahrer und überrollte ihn. Bislang ist der genaue Unfallhergang zwar nicht rekonstruiert, doch schon jetzt kocht die Diskussion über die Fahrradweichen wieder hoch. Kritiker:innen bemängeln schon länger das Risiko schwerer Verkehrsunfälle und ein schlechtes individuelles Sicherheitsgefühl, wenn man als Fahrradfahrer:in zwischen zwei Autos fahren müsse. Die Verkehrsbehörde warnt aber im konkreten Fall vor Schnellschüssen. „Zunächst ist der Ablauf des Unfalls zu rekonstruieren und zu prüfen, ob dieser mit der Straßenraumgestaltung in Zusammenhang steht. Erst dann kann geprüft werden, ob sich hieraus ein Änderungsbedarf ergibt“, so Krämer. Man sei zutiefst bestürzt über den tragischen Unfall.


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RiMs gehören in Hamburg bislang nicht zu klassischen Unfallschwerpunkten. Nichtsdestotrotz steht schon seit Anfang 2020 fest, dass Fahrradweichen künftig nicht mehr in die Verkehrsplanung einfließen sollen. 

Künftig keine neuen Fahrradweichen in Hamburg

„Wir haben mit dem ,Radentscheid Hamburg‘ die Vereinbarung getroffen, bei Neuplanungen auf Radstreifen in Mittellage grundsätzlich zu verzichten und bestehende Radstreifen in Mittellage rot einzufärben“, sagte Verkehrsbehördensprecher Krämer der MOPO.  In der Habichtstraße war die rote Einfärbung im Gegensatz zu anderen Straßen in Hamburg allerdings noch nicht erfolgt, auch wenn dies von bezirklicher Seite aus geplant gewesen sei. Von heute auf morgen einfach alle Fahrradweichen aus der Stadt zu entfernen, ist laut Verkehrsbehörde aber nicht möglich. „Eine Entfernung von Fahrradweichen erfordert eine komplette Umgestaltung der betroffenen Kreuzungen.“

Eine der Fahrradweichen in Hamburg auf der Jungiusstraße. Inzwischen wurde sie rot gefärbt.
Eine der Fahrradweichen in Hamburg auf der Jungiusstraße (Neustadt). Inzwischen wurde sie rot gefärbt.

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Und was sind künftig die Alternativen, wenn Fahrradweichen nicht mehr geplant werden? „Bei aktuellen Planungen kommen Radfahrstreifen beziehungsweise Protected Bikelanes in Rechtslage mit vorgezogenen Haltelinien für den Radverkehr zum Einsatz; bei sehr starken Kfz-Rechtsabbiegeströmen kommt auch eine getrennte Signalisierung von Kfz-Rechtsabbiegern und Geradeaus-Radverkehr in Betracht. Darüber hinaus soll auch in Hamburg das Modell der ,geschützten Kreuzung‘ erprobt und ausgebaut werden“, so Krämer. Bei geschützten Kreuzungen wird der Radverkehr an Kreuzungen deutlicher vom Autoverkehr getrennt  – das Modell ist in den Niederlanden weit verbreitet. 

Sie fahren regelmäßig mit dem Fahrrad durch Hamburg und kennen Straßenabschnitte, die für Radler:innen besonders gefährlich sind? Die MOPO ruft ihre Leser:innen dazu auf, ihr solche Orte zuzuschicken. Schreiben Sie gerne an frederik.mittendorff@mopo.de

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