Schiffskapitän Maik Pazola steht im Steuerstand seiner Fähre "Altenwerder".
  • Schiffskapitän Maik Pazola steht im Steuerstand seiner Fähre „Altenwerder“.
  • Foto: picture alliance/dpa/Markus Scholz

paidTouris erkennt er sofort: Maik arbeitet auf „Hamburgs schwimmendem Wahrzeichen“

Maik Pazola schippert die beliebte Fähre der Linie 62 über die Elbe bis nach Finkenwerder. Dabei erkennt er ganz genau, wer aus Hamburg kommt und wer ein Tourist ist – und freut sich über einen Schnack mit alten Seefahrern. Ein Blick hinter die Kulissen.

Die Morgensonne glitzert auf dem Wasser. Möwen kreischen über den Landungsbrücken. An den Schiffsanlegern herrscht reges Treiben. Aus dem Steuerhaus der Fähre „Altenwerder“ winkt Maik Pazola.

Der 26-jährige Schiffsführer bringt Arbeiter, Einheimische und Touristen nach Finkenwerder und bietet ihnen eine Hafenrundfahrt zum Preis eines Bustickets. Das Besondere: Die Fähren der Hadag gehören zum öffentlichen Nahverkehr.

picture alliance/dpa/Markus Scholz Am frühen Morgen steuert der Kapitän die Fähre Richtung Finkenwerder.
Am frühen Morgen steuert der Kapitän die Fähre Richtung Finkenwerder.
Am frühen Morgen steuert der Kapitän die Fähre Richtung Finkenwerder.

Schiffsführer über die Linie 62: „Bügeleisen fahr ich am liebsten“

„Bügeleisen fahr ich am liebsten“, sagt der gebürtiger Hamburger. Bis zu 250 Passagiere passen auf die 30 Meter lange Fähre, deren Form an ebenjenes Haushaltsgerät erinnert.

Eine Ausbildung zum Bürokaufmann brach Pazola ab, um das Büro gegen ein Schiff zu tauschen. Inzwischen arbeitet er seit dreieinhalb Jahren für den Fährbetreiber Hadag. Sein Revier ist die Elbe. „Das ist schon etwas Tolles“, sagt Pazola, der jeden Tag ein anderes Schiff fährt.

Hamburger Hafen: Über die Elbe bis nach Finkenwerder

Er ist einer von rund 130 Mitarbeitern der stadteigenen Reederei, die seit 1888 fester Bestandteil im Hamburger Hafen ist. Heute sind auf acht Linien 26 Schiffe unterwegs, 365 Tage im Jahr. Vor der Corona-Pandemie transportierte das Verkehrsunternehmen nach eigenen Angaben mehr als neun Millionen Passagiere jährlich, in den vergangenen beiden Jahren waren es jeweils etwa sechs Millionen.

picture alliance/dpa/Markus Scholz Passagiere auf dem Deck der Fähre: Eine bunte Mischung aus Einheimischen und Touristen.
Passagiere auf dem Deck der Fähre: Eine bunte Mischung aus Einheimischen und Touristen.
Passagiere auf dem Deck der Fähre: Eine bunte Mischung aus Einheimischen und Touristen.

Hafenfähren sollen emissionsfrei werden

Und es könnten künftig noch deutlich mehr werden. Die Hadag-Fähren seien ein elementarer Bestandteil im öffentlichen Nahverkehr, sagt Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). „Deshalb wollen wir die Linien verstärken, die Verbindungen und Angebote auf dem Wasser weiter ausbauen und damit an die gestiegene Nachfrage sowie die Mobilitätsbedürfnisse anpassen.“

Mit dem Hamburg-Takt soll der Marktanteil des ÖPNV bis 2030 von 22 Prozent im Jahr 2017 auf 30 Prozent steigen. Darüber hinaus treibt die Hadag den klimaneutralen Umbau ihrer Flotte voran. Dazu wurden drei batteriegetriebene Fähren bestellt, die ab 2024 ausgeliefert werden sollen. „Die Hafenfähren der Zukunft sind emissionsfrei, leise, noch geräumiger und komfortabler“, sagt Tjarks.

Fahrt mit Blick auf Seekarte und Radar

Um Hamburgs Arbeiter pünktlich ans Ziel zu bringen, ist Pazola seit 4.15 Uhr im Einsatz. An das frühe Aufstehen hat er sich rasch gewöhnt. „Wenn ich mir einen Liter Kaffee mache, ist der auch schnell weg“, sagt der 26-Jährige und lacht. Bis zu sechs Touren fährt er jeden Tag. „Man muss immer konzentriert sein und einen Blick auf die Fahrgäste haben“, erzählt er.

Pazola bedient zwei Maschinen, die er über einen Hebel steuert. Damit kann er sowohl Gas geben als auch lenken. Vor ihm stehen vier Monitore. Auf zweien sieht er, was auf der Rampe und im Fahrgastraum passiert. Die anderen Monitore zeigen eine Seekarte und ein Radar.

picture alliance/dpa/Markus Scholz Maik Pazola sitzt lieber im Steuerstand seiner Hafenfähre als im Büro.
Maik Pazola sitzt lieber im Steuerstand seiner Hafenfähre als im Büro.
Maik Pazola sitzt lieber im Steuerstand seiner Hafenfähre als im Büro.

Fischmarkt, Dockland und Museumshafen Övelgönne

Mit der viel frequentierten Linie 62 geht es elbabwärts vorbei am Fischmarkt, dem Dockland und dem Museumshafen Övelgönne nach Finkenwerder. Hin und zurück dauert es eine gute Stunde. Dass die Fähren eine günstige Alternative zu Hafenrundfahrten sind, hat sich längst herumgesprochen. Mit einem HVV-Ticket können alle acht Linien der Hadag-Flotte genutzt werden. „Die Hafenfähren sind schwimmende Wahrzeichen für Hamburg“, sagt der Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH, Michael Otremba. Die Fahrt mit einem „Wasser-Taxi“ gehöre zu einem Besuch in der Hansestadt unbedingt dazu.

Das sieht Silke aus Bielefeld ähnlich: „Wenn ich hier bin, ist die Fahrt nach Finkenwerder für mich Pflicht.“ Sylvie aus der Schweiz ist zuletzt vor 20 Jahren mit der Linie 62 gefahren. „Damals noch mit kleinen Kindern, heute kann ich einfach nur gucken“, erzählt sie. Ein älteres Ehepaar aus Frankreich freut sich darüber, mit nur einem Ticket Bus, Bahn und Fähre nutzen zu können.

Pazola erkennt Hamburger Passagiere sofort

Doch auch Einheimische fahren mit. Neben einer Schulklasse aus Harvestehude ist auch Mario an Bord. Er arbeitet bei der Feuerwehr, hat sein Fahrrad dabei und nutzt die Fähre regelmäßig, um zur Arbeit zu kommen. „Das ist schon ein Genuss. Und meistens geht es schneller als mit dem Auto.“

picture alliance/dpa/Markus Scholz Mit der 62 Richtung Finkenwerder: Berufspendler am Morgen.
Mit der 62 Richtung Finkenwerder: Berufspendler am Morgen.
Mit der 62 Richtung Finkenwerder: Berufspendler am Morgen.

Wer aus Hamburg kommt und wer nicht, erkennt Pazola mittlerweile auf den ersten Blick. „Hier zu arbeiten ist wie ein Psychologiestudium“, sagt er und grinst. Was den Schiffsführer begeistert? „Bei uns treffen viele verschiedene Menschen aufeinander, aus allen Ländern und aus allen Schichten.“

Und wenn seine Arbeit doch mal zu alltäglich für ihn geworden ist, gibt es immer wieder Fahrgäste, die Pazola an die Besonderheit seines Jobs erinnern. „Oft sind das ältere Menschen, die früher selbst zur See gefahren sind oder am Hafen gearbeitet haben. Da werden die Augen immer ganz groß.“

picture alliance/dpa/Markus Scholz Ob Pendler oder Tourist: Die Fähre der Linie 62 über die Elbe ist beliebt.
Ob Pendler oder Tourist: Die Fähre der Linie 62 über die Elbe ist beliebt.
Ob Pendler oder Tourist: Die Fähre der Linie 62 über die Elbe ist beliebt.

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Unterdessen neigt sich die Fahrt mit der Linie 62 dem Ende entgegen. Die „Altenwerder“ schippert zurück in Richtung Landungsbrücken. Ob Pazola nicht ein Foto vom fantastischen Blick machen wolle? „Fotos habe ich genug. Ich genieße das einfach für mich.“