Auch bei eisigen Temperaturen gibt es Obdachlose, die das städtische Winternotprogramm ablehnen (Symbolbild).
  • Auch bei eisigen Temperaturen gibt es Obdachlose, die das städtische Winternotprogramm ablehnen (Symbolbild).
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Eisige Temperaturen: Lebensgefahr für Obdachlose: Wer schläft jetzt noch draußen?

Minus sieben Grad, die sich im kalten Wind anfühlen wie minus 13 – die Prognosen sagen für die kommenden Nächte in Hamburg bittere Kälte voraus. Trotzdem gibt es Obdachlose, die eine Übernachtung im städtischen Winternotprogramm vehement ablehnen. Jetzt soll in solchen Fällen die Polizei eingreifen.

„Es gibt Menschen, die haben eine wahnsinnige Angst vor den Sammelunterkünften“, sagt Rudi vom Kältebus, der jede Nacht durch Hamburg fährt und Obdachlose mit Schlafsäcken und heißen Getränken versorgt. Jedem Hilfsbedürftigen auf der Straße bietet das Team an, ihn zum Winternotprogramm zu fahren und viele nehmen das Angebot auch an: „So vier bis acht Fahrten haben wir pro Nacht“, sagt Helfer Rudi, der seinen richtigen Namen nicht in der Öffentlichkeit lesen will.

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Der Kältebus fährt täglich von 19 bis 24 Uhr durch Hamburg.

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Lebensgefahr für Obdachlose: Wer schläft jetzt noch draußen?

Es gebe aber auch einige, die selbst in den Eisnächten lieber in einem Schlafsack alleine in ihrem Zelt ausharren, obwohl in diesem Winter bereits 12 Obdachlose auf Hamburgs Straßen erfroren sind, fünf allein in diesem Jahr: „Die Gefahr  ist ihnen bewusst“, sagt Rudi, „aber die Angst, sich in der Unterkunft mit Corona zu infizieren und dann womöglich ins Krankenhaus zu müssen oder zwei Wochen eingesperrt zu werden in Quarantäne, die ist größer als alles andere.“

Kältebus in Hamburg

Diese Menschen, fast ausschließlich Männer, versorgt das Kältebus-Team mit Polar-Schlafsäcken und warmer Kleidung. Einzelne haben sich aus Ästen und Plastikplanen im Unterholz Hamburger Parks notdürftige Unterschlüpfe gebaut.

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Auch in diesem Provisorium in einem Hamburger Park harrt ein Mensch in den eiskalten Nächten aus.

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Einzelunterkünfte könnten diese Menschen leichter akzeptieren: 35 Einzelzimmer, die die Sozialbehörde in der Eiffestraße zur Verfügung gestellt hat, waren binnen weniger Tage belegt, auch 167 Hotelzimmer, die Privatinitiativen wie die Bergedorfer Engel, das Café mit Herz und Hinz&Kunzt organisiert haben, sind alle belegt.

Pro Nacht erhält das Kältebus-Team zehn bis 20 Anrufe (Telefon: 0151 – 65 68 3368) von besorgten Hamburgern, die einen Obdachlosen melden. Rudi: „Nett ist es, die betroffene Person vorher anzusprechen und zu fragen, ob der Bus vorbeikommen soll.“ Ist jemand nicht ansprechbar, dann besteht wegen der Kälte Lebensgefahr und es muss ein Notruf unter 112 abgesetzt werden.

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Angesichts des Extremwetters hat die Hamburger Sozialbehörde die Straßensozialarbeiter nun aufgefordert, die Polizei zu benachrichtigen, wenn ein Obdachloser sich hartnäckig weigert, im Winternotprogramm zu übernachten. Die Polizei soll dann „Maßnahmen zur Gefahrenabwehr“ ergreifen.

Obdachlose in Hamburg: Das sagt die Sozialbehörde

Werden die Menschen, oft suchtkrank, dann mit Zwang in die Unterkünfte gebracht?  Und auf welcher Grundlage? „Worin diese Maßnahmen bestehen, unterscheidet sich naturgemäß von Fall zu Fall“, so Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde, ausweichend zur MOPO, „Personen, bei denen medizinische Notfälle vorliegen, werden beispielsweise notfallmedizinisch versorgt; Personen, die keine Kenntnis von den Hilfsangeboten haben, werden darauf hingewiesen, und so weiter.“

Hamburg: Polizei soll Obdachlose in Unterkünfte vermitteln

Die Polizei bestätigt auf MOPO-Nachfrage, sie sei von der Sozialbehörde gebeten worden, auf der Straße lebenden Menschen gut zuzureden, damit sie ins Winternotprogramm gehen. „Werden wir daneben von den Akteuren der Obdachlosenhilfe in konkreten Einzelfällen zur Unterstützung hinzugezogen, beispielsweise weil jemand die Vermittlung in das Winternotprogramm verweigert, erfolgen gegebenenfalls gefahrenabwehrende Maßnahmen“, so die weitere Auskunft. Was für Maßnahmen das jenseits des guten Zuredens sind und ob es bereits solche Fälle gab, dazu gibt es keine Informationen.

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