Wie geht es weiter an den Schulen (Symbolbild).
  • Wie geht es weiter an den Schulen? Das wird derzeit heiß diskutiert. (Symbolbild).
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Durchseuchung, Quarantäne, Long Covid: So geht es weiter an den Schulen

Schulen wieder schließen und Schüler:innen in den Lockdown schicken? Das ist kaum noch denkbar. Doch die Corona-Zahlen steigen bundesweit wieder, gerade bei jungen Menschen. Längst ist eine Debatte darüber entbrannt, wie es nun in Deutschlands und auch in Hamburgs Schulen weitergehen soll. Über Durchseuchung, Long-Covid und Quarantäne-Regeln. 

Es ist die letzte große Gruppe, die sich nicht impfen lassen kann: Für Kinder unter zwölf Jahre gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff und dementsprechend auch keine Impfempfehlung. Sie sind dem Virus also ausgeliefert. Die Durchseuchung scheint derzeit unausweichlich zu sein.

Aber Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat bereits vor einiger Zeit klargemacht: In Hamburg soll es keine Schulschließungen mehr geben. Er war schon Ende des vergangenen Jahres, vornehm gesprochen, wenig erfreut darüber, dass Schüler:innen aus Rücksicht auf die Erwachsenen mit harten Einschnitten in ihr Leben zu kämpfen hatten. Studien belegen mittlerweile, was sich viele schon denken konnten: Schüler:innen litten und leiden ganz besonders unter den Entbehrungen der Corona-Krise. Sie wieder ins Schul-Homeoffice zu zwingen, das wäre ein schwieriger Schritt.

Allerdings, und das ist die gute Nachricht: „Die allermeisten SARS-CoV-2 infizierten Kinder erkranken gar nicht oder nur mild“, sagte Dr. Robin Kobbe, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin an der Infektologie des UKE zur MOPO. „Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Delta-Variante bei Kindern und Jugendlichen schlimmere Krankheitsverläufe verursacht.“ Kinder haben laut dem Immunologen Prof. Reinhold Förster ein etwas einprozentiges Risiko schwer an Corona zu erkranken. Und: Kinder über zwölf Jahre können sich mittlerweile impfen lassen.

Kinder haben kaum schwere Corona-Verläufe

Seit Ausbruch der Pandemie sind in Deutschland 24 Menschen unter 20 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben – bei insgesamt 92.140 Corona-Toten. Kinder über zwölf Jahre können sich mittlerweile auch impfen lassen. Allerdings fehlen verlässliche Zahlen vor allem in Hinblick auf Long Covid bei Kindern. „Es ist davon auszugehen, wenn sich sehr viele Kinder infizieren, dass dann auch einige schwerer erkranken könnten, die im Krankenhaus behandelt werden müssten“, so Kobbe.

In Hamburg liegt die Inzidenz der 5- bis 19-Jährigen bei 197,4 – 78 Schulklassen waren zuletzt in Quarantäne. Im Herbst und Winter wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Und derzeit müssen die Kinder bei Corona-Fällen in ihrer Schulklasse 14 Tage in häusliche Quarantäne.

Kultusminister wollen Quarantäne für Schüler verkürzen

Damit Schüler:innen nicht Gefahr laufen, alle paar Wochen immer und immer wieder zwei Wochen in Quarantäne zu müssen, setzen sich die Kultusminister:innen nun für eine Verkürzung der Isolation ein. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will eine Vereinheitlichung der Regelung erreichen. In Berlin schlugen die Amtsärzt:innen zuletzt sogar vor, dass nur noch Schüler:innen, die nachweislich infiziert sind, in Quarantäne müssen – Kontaktpersonen nicht mehr. Rabe bezeichnete die bisherige Quarantäneregelung von 14 Tagen als „nicht nachvollziehbar“. Eine Neuregelung wird in den kommenden Tagen erwartet.

Experten raten weiter zu Schutzmaßnahmen in Schulen

Aber wie umgehen damit, dass das Virus in den kommenden Monaten durch die Klassen ziehen wird und die Schüler:innenschaft voraussichtlich langsam aber sicher in Gänze durchseucht? Das Virus einfach durchlaufen zu lassen, davon rät der UKE-Mediziner Kobbe ab. „Die Vermeidung von weiteren Infektionen ist aus epidemiologischer und infektiologischer Sicht weiterhin sinnvoll und sollte möglichst konsequent mit entsprechenden hygienischen Maßnahmen verfolgt werden.“

Ähnlich hatten sich führende Epidemiologen, Kinderärzte, Virologen und Infektiologen zuletzt in einem Gastbeitrag in der Wochenzeitung „Die Zeit“ geäußert. Sie forderten, dass es zwar „nicht mehr sinnvoll“ sei jede einzelne Infektion in Schulen „um jeden Preis verhindern zu wollen“, eine ungebremste Ausbreitung aber verhindert werden müsse. 

Lockerungen der Hygienemaßnahmen erscheinen vor dem Hintergrund in den Schulen in naher Zukunft nicht angebracht. Weitere Sicherheit könnten flächendeckende PCR-Tests bieten – Hamburg testet derzeit in einem Pilotprojekt sogenannte Lolli-Tests, die dafür geeignet wären. Und mobile Raumluftfilter, mit denen Hamburg voraussichtlich als erstes Bundesland alle Klassenräumen ausgestattet haben wird. 

Wann kommt ein Impfstoff für Kinder unter 12?

Was ebenfalls helfen würde, um den Kindern ein normaleres Leben als noch im vergangenen Winter zu ermöglichen: eine hohe Impfbereitschaft bei den Erwachsenen. Umso mehr geimpfte Menschen, desto weniger Corona-Übertragungen – auch an den Schulen. Bislang waren die Schüler:innen mit den Erwachsenen solidarisch – nun sind die Erwachsenen dran. 

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Und vielleicht gibt es bald auch Impfstoff für die unter Zwölfjährigen: „Entsprechende Studien in jüngeren Altersklassen in den USA sind so gut wie abgeschlossen. Es wird damit gerechnet, dass die Hersteller eine Zulassung noch in diesem Jahr in diesen Altersklassen beantragen werden“, so UKE-Mediziner Kobbe. Schlussendlich gilt weiterhin: „Wichtig ist ein konsequentes Impfen aller Menschen für die Impfungen zugelassen sind!“

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