Nico Behrens (24) hat Arno Kiegele (57) in Hamburg
  • Nico Behrens (24) hat Arno Kiegele (57) eine zweite Lebenschance geschenkt.
  • Foto: hfr/privat

Dieser junge Hamburger hat einem Todkranken ein zweites Leben geschenkt

Erst 24 Jahre alt und schon Lebensretter: Mit einer Stammzellenspende hat der Hamburger Nico Behrens seinem „genetischen Zwilling“ Arno Kiegele aus Süddeutschland eine zweite Chance gegeben. Dieser war an Leukämie erkrankt und brauchte dringend einen Spender. Zwei Jahre nach der Behandlung haben sich die beiden Männer erstmals persönlich kennengelernt. Aus Fremden wurden Blutsbrüder, die eine gemeinsame Leidenschaft teilen.

Nico Behrens und Arno Kiegele lächeln in die Kamera, während sich im Hintergrund die Hamburger Hafenkräne gen Himmel recken. Dass die beiden hier zusammen an der Elbe stehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn der 57-jährige Arno Kiegele aus Weinheim in Baden-Württemberg war an Leukämie – Blutkrebs – erkrankt. Seine einzige Überlebenschance: Eine Knochenmarkspende.  

Während Arno Kiegele seine Schockdiagnose erhielt, studierte der heute 24-jährige Nico Behrens gerade Wirtschaftsingenieurwesen an der Nordakademie in Elmshorn, wo die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS einen Infostand aufgebaut hatte. „Bis dahin gehörte ich zu denen, die nicht so richtig wussten, was es heißt, Stammzellspender zu sein“, berichtet Nico Behrens. An diesem Tag vor mehr als zwei Jahren registrierte er sich für eine mögliche Spende.

So läuft die Vorbereitung für eine Stamzellenspende

Bereits einen Monat später kam der Anruf: Nicos Genmaterial passt zu dem eines Menschen, der dringend auf seine Spende angewiesen war. Der Student musste noch einmal bestätigen, dass er wirklich zum Spenden bereit war – dann begann auch schon die Vorbereitung. Vor dem eigentlichen Eingriff, der „peripheren Stammzellenentnahme“, die der 24-Jährige wie eine „größere Blutspende“ beschreibt, musste er sich fünf Tage lang täglich morgens und abends eine Spritze mit dem Wirkstoff „G-CSF“ setzen. „Das ist ein körpereigener Stoff, der dafür sorgt, dass Stammzellen vermehrt in die Blutbahnen freigegeben werden“, berichtet Nico. Das klinge zwar „etwas komisch“, sei aber leicht umzusetzen.

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Die eigentliche Blutentnahme sei gar nicht schlimm gewesen. Eine Maschine filterte die Stammzellen anschließend aus dem Blut. Diese wurden danach zu dem erkrankten Patienten gebracht. Alles anonym. Nico Behrens wusste zu diesem Zeitpunkt nicht einmal das Geschlecht.

Nico nach der Spende
Nico Behrens beschreibt die Stammzellen- wie eine größere Blutspende.

Das erfuhr er erst ein halbes Jahr später, als er im Rahmen einer zweiten Blutentnahme Lymphozyten an den unbekannten Empfänger spendete. Auch das sei keine große Sache gewesen – bei diesem Mal musste er sich im Vorhinein nicht einmal spritzen.

„Nachdem ich von der Entnahmeklinik die Information erhalten hatte, dass auch diese Zellen ihren Job erledigt haben, durften der Patient und ich uns eineinhalb Jahre anonym Briefe zukommen lassen“, erinnert sich der Spender. „Ich war total neugierig und wollte die betroffene Person unbedingt kennenlernen.“ Doch das ist für eine bestimmte Zeit nicht erlaubt: So soll verhindert werden, dass der Spender sich aufgrund subjektiver Empfindungen gegen eine erneute Spende entscheidet, erklärt der 24-Jährige.

Zwei Jahre nach der ersten Spende haben sich Nico Behrens und Arno Kiegele endlich persönlich getroffen – und direkt in die Arme geschlossen, wie der Spender berichtet. „Arno erzählte mir dann, dass er sich über meinen ersten Brief besonders gefreut hatte. Meine Zeilen hätten ihm Kraft gegeben“, so Nico Behrens. Durch die Briefe wussten die beiden Männer bereits, dass sie eine gemeinsame Leidenschaft teilen: den Handball. Entsprechend glücklich war der 24-Jährige über das Geschenk, das Arno Kiegele ihm machte: Ein signiertes Trikot der Handball-Nationalmannschaft. Der 57-Jährige hatte die Worte „Danke Blutsbruder!“ dazugeschrieben.

Das signierte Handball-Trikot
„Danke Blutsbruder!“, steht auf dem signierten Handball-Trikot, das Arno Nico schenkte.

Denn das sind die beiden: Blutsbrüder. Dank der spontanen Entscheidung, sich bei der DKMS zu registrieren, ist Nico Behrens nun um einen Freund reicher. „Rückblickend kann ich nur sagen: Klar, es ist ein bisschen Aufwand, tatsächlich Stammzellen zu spenden. Aber er ist es wert! Unbedingt. Einem anderen Menschen möglicherweise das Leben zu retten und darin auch noch einen Freund zu finden – es gibt nicht viel, das das toppen kann“, sagt er und appelliert: „Lasst Euch registrieren!“

Alle Infos zur Registrierung als Stammzellspender finden Sie unter www.dkms.de .

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